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Dahme-Spreewald Schiedsmann plaudert aus dem Nähkästchen
Lokales Dahme-Spreewald Schiedsmann plaudert aus dem Nähkästchen
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09:53 13.01.2016
Erik Beisert (l.) pflegt mit seinem Nachbarn Hans-Otto Sichan ein gutes Verhältnis, aber dies ist längst nicht überall so, wie der Schiedsmann aus zehnjähriger Erfahrung weiß. Quelle: Foto: F. Mohr
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Wie heißt es so schön: „Der liebe Gott weiß alles, Nachbarn wissen mehr!“. Ob sie sich allerdings auch so gut vertragen, steht auf einem ganz anderen Blatt. Der Zeesener Erik Beisert hat diesbezüglich in seiner zehnjährigen Tätigkeit als ehrenamtlicher Schiedsmann seine ganz eigenen Erfahrungen gesammelt. Dem Königs Wusterhausener Bürgermeister Lutz Franzke (SPD) war diese Tätigkeit auf der jüngsten Sitzung des Stadtparlaments in jedem Fall eine öffentliche Ehrung wert.

Ehemals als Werkstattleiter tätig, stellte der gelernte Kfz-Handwerksmeister Beisert nach einem gesundheitlichen Crash sein Leben vor knapp 15 Jahren komplett um. Er arbeitete fortan als Mittelstandsberater und als in der Zeitung Schiedspersonen gesucht wurden, meldete er sich. „Es schien mir interessant. Anschließend war ich ganz schön überrascht, welche hohe Verantwortung so ein Schiedsmann hat“, bekennt der 51-Jährige rückblickend. Schließlich seien Schiedspersonen eine Art „kleine Richter“, die Urteile erlassen können, die auch einklagbar sind. Er aber mag Schiedsverhandlungen nicht besonders, weil es dann immer einen Beklagten gebe.

Beisert setzt bei den in der Schiedskommission behandelten Streitigkeiten zwischen Nachbarn vor allem auf Moderation. Manchmal allerdings geht an einer Verhandlung kein Weg vorbei. Das betrifft beispielsweise einen aktuellen Fall, bei dem Baumwurzeln die Auffahrt auf dem Grundstück des Nachbarn angehoben haben. Hier war der Streit schon derart eskaliert, dass das Urteil ergehen musste, dass der Baum gefällt und die Pflasterfläche bis Mai dieses Jahres repariert sein muss.

Für Ärger sorgte auch eine vier Meter hohe Hecke, die der Eigentümer so stark wässerte, dass die Giebelwand der Nachbarin Feuchtigkeitsschäden aufwies. Die Nachbarin war darüber derart erbost, dass sie wutentbrannt die komplette Hecke bis auf den Stamm „abrasierte“. Hier gelang es Beisert in eingehenden Gesprächen den Streit in einem sogenannten Tür- und-Angel-Fall zu schlichten. Ein Urteil konnte vermieden werden.

„Als Schiedsmann erhält man die Chance, viele Lehrgänge zu Rechtsfragen sowie zur richtigen Mediation zu besuchen“, sagt Beisert. Das sei auch eine gute Schule fürs Leben. Fingerspitzengefühl war auch bei einem Konflikt zwischen einer fast 80-jährigen Dame und ihren neuen Nachbarn gefragt. Als die jungen Leute ihren Garten mit dem Komposthaufen komplett umgestalteten, war für die alte Dame das Maß voll. Zumal sie es schon als unhöflich bewertete, dass sich die neuen Nachbarn beim Einzug nicht einmal bei ihr vorstellten. „In diesem Fall habe ich als Schiedsmann versucht, bei beiden Parteien das Verständnis füreinander zu fördern. Das ist mir hier auch gelungen.“ Als problematisch erweist sich in der Schiedskommission, dass Grundstückseigentümer ihren Besitz vermehrt durch Videokameras schützen wollen. „Dabei wird häufig aber nicht beachtet, dass diese Kameras weder die Straße noch das Nachbargrundstück erfassen dürfen“, betont Beisert. Ein Nachbar betrachtete es beispielsweise als groben Eingriff in seine Privatsphäre, dass die Überwachungskamera sein Wohnzimmer mit erfasste. Das musste umgehend abgestellt werden.

Im Laufe seiner zehnjährigen ehrenamtlichen Tätigkeit musste Beisert bisher lediglich erst in zwei Fällen eine sogenannte Erfolglosigkeitsbescheinigung der Schiedskommission ausstellen, die die Bürger vorweisen müssen, damit ihr Nachbarschaftsstreit vom Gericht überhaupt angenommen wird. In einem Fall betraf dies ein Grundstück, das einst zwei Familien gemeinsam gekauft hatten. Hier trat in der Schiedskommission sofort ein Anwalt auf, der erklärte, dass keinerlei Gespräch gewünscht werde.

Die Gespräche mit den Schiedspersonen sind übrigens kostenfrei, die Verhandlungen der Schiedskommissionen hingegen nicht.

Von Franziska Mohr

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