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Dahme-Spreewald Schlechte Zeiten für Meister Adebar
Lokales Dahme-Spreewald Schlechte Zeiten für Meister Adebar
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11:35 29.06.2016
Storchnachwuchs in Gräbendorf: Am Storchennest auf dem Schornstein der Bäckerei Schüren steht seit vergangenem Jahr eine Kamera Quelle: Gerlinde Irmscher
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Dahmeland-Fläming

Heidrun Eichhorst aus dem Amt Friedersdorf hat von ihrem Garten aus einen direkten Blick auf ihre temporären Nachbarn: Vor dem Grundstück ist ein Storchenhorst, auf dem sich in jedem Frühjahr ein Storchenpaar niederlässt. Seit 2007 führt Familie Eichhorst Protokoll darüber, wann die Tiere eintreffen, wie viele Junge sie bekommen und wann sie wieder in den Süden ziehen. In manchen Jahren gab es vier Junge. Doch dieses Jahr ist alles anders.

Zwar registrierten Eichhorsts am 31. März den ersten Storch in der Region bei der Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) Weißstorchenschu Weibchen im Nest saß und das Männchen daneben stand. Plötzlich kam eine weitere Störchin und griff ihre Artgenossin an. „Die haben sich eine Dreiviertelstunde gehackt“, erzählt Heidrun Eichhorst. „Ein Storch blutete aus der Brust, der andere aus dem Rücken.“ Dann sind sie weggeflogen.

Adebar kreist über Kloster Zinna. Quelle: Peter Degener

Heidrun Eichhorst meldete den Vorfall bei der LAG Weißstorchenschutz. Dort mutmaßte ein Storchenexperte, was sich zugetragen hat: Das Männchen kam pünktlich in Friedersdorf an und wartete auf sein Weibchen, das normalerweise wenig später folgen sollte. Doch es kam erst am 5. April – wahrscheinlich war es zudem die falsche Dame. Das Weibchen begann zu brüten. Mitte April traf noch eine Storchendame ein, vermutlich die eigentliche Brutpartnerin. Sie kämpfte um ihr Revier. In der Folge gibt es jetzt gar keine Jungstörche in Friedersdorf. Dabei wären zwei Junge pro Paar nötig, um die Storchenpopulation auf konstantem Niveau zu halten.

Eindeutige Tendenz: Weniger Störche

In diesem Jahr sieht es nicht gut aus für die Störche in der Region Dahmeland-Fläming, so wie im ganzen Land Brandenburg. Um eine valide Bilanz zu ziehen, ist es noch zu früh – die LAG Weißstorchschutz erfasst die Zahlen der im Sommer ansässigen Störche in Brandenburg erst im September. Doch aus verschiedensten Beobachtungen und Kameraaufnahmen von Bürgern wie Heidrun Eichhorst, weiß man: Es gibt immer weniger Störche.

Nabu: 2016 war bislang zu trocken für die Störche

Bernd Ludwig erklärt, warum. Als Landeskoordinator Weißstorchschutz des Naturschutzbundes (Nabu) hat er einen Überblick über die landesweite Situation im Allgemeinen und über die im Altkreis Königs Wusterhausen im Besonderen. „Die Witterung war in diesem Jahr zu trocken“, sagt der Experte. Folglich gebe es kaum Regenwürmer als Nahrung. „Viele Junge sind so in ihren Nestern verendet.“ Die schlechte Nahrungssituation sei das Hauptproblem der Störche. „Es werden Riesenflächen mit Mais und Raps bebaut, da finden die Tiere kein Futter mehr“, sagt Bernd Ludwig. So seien in den vergangenen 20 Jahren schon 15 Vogelarten in der Region ausgestorben – darunter das Rebhuhn.

Storchennetz in Stangenhagen. Quelle: privat

Auch auf ihrem Zug sind Störche neben dem Tod auf Mittelspannungsleitungen klimatisch bedingten Gefahren ausgesetzt. Die Störche aus der Region überwintern im Sudan und im Tschad – auf ihrem Weg nach Brandenburg nehmen sie die Ostroute über die Türkei. Das wissen Storchenbeobachter von Satellitensendern, die einige Störche mit sich tragen. Klimaveränderungen bringen heftige Winde und Starkregen mit sich, auch in den Wintergebieten finden die Vögel weniger Nahrung. „Deswegen kommen die Störche hier schon geschwächt an“, sagt Ludwig. Und eben auch zu spät, so wie die Storchendame aus Friedersdorf. Wenn die Weibchen nicht rechtzeitig da sind, ist es zu spät zum Brüten. Nicht immer finden die Männchen rechtzeitig Ersatz.

Storch Jakob ist in Luckenwalde Dauergast

Den Störchen helfen können Menschen nur begrenzt. Mancherorts stellen sie Nester auf, sollten dazu jedoch immer die Storchbeauftragten ihres Altkreises fragen. „Manchmal schadet das mehr als es hilft“, sagt Bernd Ludwig. „Zum Beispiel, wenn es an einem Ort nur Nahrung für ein Brutpaar gibt.“

In Luckenwalde gibt es einen Storch, der ohne menschliche Hilfe überhaupt nicht mehr überleben kann: Storch Jakob. Er kam vor knapp 30 Jahren als verletzter Jungstorch in den Luckenwalder Tierpark. Seitdem überwintert er dort, seinen Zugtrieb hat er längst verloren, wie Daniel Jonelat von der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises erklärt. Im Sommer sitzt er in seinem Horst in der Jänickendorfer Straße und pflanzt sich mit seiner Brutpartnerin fort.

„Das funktioniert zwar gut“, sagt Jonelat. „Aber eine solche Situation ist nicht zu empfehlen.“ Denn wenn den Störchen der Zugtrieb abhanden kommt, bleiben die Wildtiere für immer Findelkinder.

Von Anja Meyer

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