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Schnupperkurse für Flüchtlinge bieten Chance

Arbeitsmarkt und Flüchtlinge Schnupperkurse für Flüchtlinge bieten Chance

Jobperspektiven für Flüchtlinge: Bei der Kreishandwerkerschaft Teltow-Fläming können die Teilnehmer verschiedene Handwerke kennenlernen und sich etwa als Tischler oder Metallbauer ausprobieren. Wer gut ist, dem winkt eine Vermittlung in ein Praktikum und am Ende sogar eine Ausbildung. Bis dahin sind aber noch einige Hürden zu überwinden.

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Mahad Abdullah aus Somalia lernt das Tischlerhandwerk kennen.

Quelle: Melanie Höhn

Dahmeland-Fläming. Sorgfältig schleift Yannick Momi den kleinen Holzkeil ab, den er gerade im Zuge eines Schnupperkurses in der weitläufigen Werkstatt der Kreishandwerkerschaft Teltow-Fläming in Jüterbog bearbeitet. Der 32-Jährige Kameruner kam vor etwa sieben Monaten nach Deutschland und könnte eigentlich als Elektriker arbeiten, doch Zeugnisse hat er nicht mitgebracht aus seinem Heimatland. Nun erprobt er das Berufsfeld Tischlerhandwerk, es ist sein zweiter Tag.

Das Programm „Brandenburg deine Chance“ ermöglicht Flüchtlingen wie ihm, die im Landkreis Teltow-Fläming und Potsdam-Mittelmark wohnen, eine berufliche Integration durch Einführungskurse in verschiedene Gewerke, angestrebt ist die Vermittlung von Praktika. Innerhalb des Projekts sollen ihre beruflichen Fähigkeiten erprobt werden, zudem bekommen sie Hilfe bei der Erstellung von Bewerbungsunterlagen und der Anerkennung von Zeugnissen. Großes Ziel am Ende ist eine Ausbildung. Beteiligt an dem Projekt sind neben der Kreishandwerkerschaft auch das Diakonische Werk Teltow-Fläming und der Ausbildungsverbund Teltow vom Bildungszentrum der IHK Potsdam.

Mahad Abdullah, ein 24-Jähriger aus Somalia, ist ebenfalls an diesem Tag dabei. Er hat in seinem Heimatland schon als Schreiner gearbeitet und hofft hier auf eine neue Chance. Seit einem Monat wohnt er zusammen mit dem 25-jährigen Cadnaan Mhmed im Jüterboger Heim am Waldauer Weg. Mhmed hat in seiner Heimat als Maler und Fahrer, als „Painter and Driver“, gearbeitet, wie er in makellosem Englisch sagt.

Ausbilder Ralf Matzke steht den Flüchtlingen zur Seite und bringt ihnen den Werkstoff Holz näher. Innerhalb des Kurses lernen sie Abmessungen durchzuführen, üben 45-Grad-Schnitte und schleifen das Ergebnis mit Sandpapier ab. Am Ende sollen rechteckige Rahmen, Würfel oder Werkzeugkisten entstehen. „Einige haben Talent“, sagt Matzke. „Sie sind alle sehr höflich, nehmen Ratschläge an. Viele haben aber mit der Säge noch nicht gearbeitet oder trauen sich nicht.“ Während mehrerer Wochen können die Teilnehmer neben dem Tischlerhandwerk auch den Metallbereich, Mauerwerksbau und das Fliesen kennenlernen: Säge, Schneide- und Schleifarbeiten sowie Verfugen stehen dann an der Tagesordnung. Einige probieren sich auch als Maler aus, üben Tapezieren oder versuchen Skizzen an die Wandtafel farblich zu übertragen. „Manche haben mit dem rechten Winkel noch Probleme,“ sagt Ausbilder Matzke. Zwei Mal pro Woche kommt eine Lehrerin auf Honorarbasis, die den Teilnehmern fachspezifisches Vokabular beibringt.

„Die Berufsfelder kommen ganz unterschiedlich an, den meisten macht aber die Arbeit mit Holz großen Spaß,“ sagt Brita Krüger, Integrationsbegleiterin für das Projekt, das durch EU-Mittel finanziert wird. Sie weiß, dass jeder Flüchtling andere Voraussetzungen mitbringt: „Im Moment gibt es noch nicht so viele, die Deutsch können. Es ist organisatorisch eine Herausforderung.“ Trotzdem nehmen die Flüchtlinge das Programm gut an. „Sie wollen etwas machen, ihnen fällt die Decke auf den Kopf“, weiß Krüger, die in engem Kontakt mit den Handwerksbetrieben steht.

Um Teilnehmer zu rekrutieren, ging sie aktiv in die umliegenden Wohnheime und sprach mit den Heimleitern. Die Interessierten kommen meistens nicht allein, sondern in kleinen Gruppen. Auch das Jobcenter vermittelt Flüchtlinge an sie. Das seien eher wenige, Priorität haben zunächst die Deutschkurse. Oft stoße sie auf das Problem, dass Flüchtlinge keine Dokumente bei sich haben. „Auf dem Bau braucht man aber nicht unbedingt einen Berufsabschluss, wenn die Betreuung durch Helfer vor Ort gegeben ist“, wie sie sagt.

Zwar konnte bisher im Handwerk noch kein Praktikums- oder Ausbildungsplatz vermittelt werden, doch waren einige Teilnehmer schon nah dran. Wie etwa ein Mann aus Kenia, der kurz vor einem Praktikum bei Flämingbau stand, jedoch nach Berlin zog. Brita Krüger sagt: „Wir wissen nie, ob die Teilnehmer wiederkommen, sie rufen nicht an und melden sich ab.“ Oft sei es schwierig, die verschiedenen Mentalitäten zu vereinen oder tiefgreifende Gespräche zu führen. „Wir müssen uns darauf einstellen“, resümiert Brita Krüger, „viele müssen aber auch noch unsere Gepflogenheiten kennenlernen.“ Kein Teilnehmer wird an eine Firma vermittelt, bevor er nicht bewiesen hat, dass er pünktlich ist und Fristen einhalten kann.

Karsten Stolze vom Diakonischen Werk Teltow-Fläming vermittelt Flüchtlinge in Gesundheitsberufe, vornehmlich im Bereich des Pflegehelfers. „Wir sind realistisch, dass wir ein paar Leute in eine Ausbildung kriegen“, sagt er. Ein Praktikum für einen Flüchtling aus Eritrea konnte er bereits organisieren. Stolze ist bestrebt, mit der Arbeitsagentur und den Heimen eng zusammenzuarbeiten. Ute Frank, Integrationsbegleiterin vom Ausbildungsverbund Teltow, hat dies bereits geschafft: Ein Flüchtling aus Kamerun macht eine Lehre als Maschinen- und Anlagenführer, ein Afghane wird Koch. „Beide konnten relativ schnell Deutsch. Ohne Sprachkenntnisse geht es einfach nicht.“

Von Melanie Höhn

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