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Schönefeld Letzte Station Abschiebevilla: Ein Besuch am Flughafen Schönefeld
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00:24 02.12.2018
Die einst denkmalgeschützte Villa soll abgerissen werden. Sie steht dem geplanten BER-Regierungsterminal im Weg. Quelle: Josefine Sack
Schönefeld

Einst empfing die Führung der DDR in der ehemaligen Generalsvilla auf dem Gelände des Flughafens Schönefeld Staatsgäste wie Fidel Castro, Nikita Sergejewitsch Chruschtschow oder Helmut Schmidt. Längst halten sich in dem Gebäude keine Staatsmänner mehr auf. Das sogenannte Haus 21 wird jetzt von der Bundespolizei für Abschiebungen genutzt. Von dort werden Asylbewerber, deren Antrag abgelehnt wurde, per Flugzeug zurück in ihre Heimatländer geflogen.

Einst wurden in der Generalsvilla Fidel Castro, Nikita Sergejewitsch Chruschtschow und Helmut Schmidt empfangen. Heute werden von dort aus abgelehnte Asylbewerber zurück in ihre Heimat geflogen.

Villa markiert das Ende der Flucht

Die Presse ist bei solchen „Rückführungen“, wie es im Polizeijargon heißt, nicht anwesend – um „die Persönlichkeitsrechte der Rückzuführenden zu schützen“ und die ohnehin schon schwierige Situation vor Ort „nicht unnötig zu überladen“, erläutert Jens Schobranski, Pressesprecher bei der Bundespolizei, beim Rundgang durch die Villa. Das Gebäude, das für Asylbewerber das Ende ihrer Flucht markiert, ist von außen grau und unscheinbar. Wer es betritt, ist umso überraschter: Innen ist die Villa prächtig verziert mit rotem und grünem Marmor. Im Foyer hängt ein üppiger Kronleuchter von der getäfelten Decke. Und wer genau hinschaut, entdeckt die goldenen Sowjetsterne vor den Heizkörpern.

Das laminierte Schild, das noch an der Wand im Foyer hängt, passt nicht so recht ins mondäne Interieur: „BEGBelgrad“ steht darauf. Darunter wurde das Gepäck der Asylbewerber gesammelt. Viele sogenannte Sammelabschiebungen gehen ins Westbalkan-Gebiet.

Nur wer sich bis zuletzt weigert, auszureisen, wird abgeschoben

Schon seit den 90er Jahren werden Asylbewerber aus ganz Deutschland in die „Abschiebevilla“ nach Schönefeld gebracht. Nach Angaben des Mediendiensts Integration wurden im ersten Halbjahr 2018 an die 12.300 Menschen aus Deutschland abgeschoben. Das entspricht einem leichten Rückgang im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Insgesamt gab es 2017 rund 24.000 Abschiebungen.

Eine Abschiebung wird angeordnet, wenn alle rechtlichen Möglichkeiten ausgeschöpft worden sind und der Asylantrag endgültig abgelehnt wurde. Nur diejenigen, die sich bis zuletzt weigern, das Land zu verlassen, werden abgeschoben. In Berlin und Brandenburg waren das 2017 laut Mediendienst Integration etwas mehr als 2000 Menschen. Zuständig sind die Ausländerbehörden der Bundesländer. Die Abschiebung selbst wird dann von der Bundespolizei überwacht und begleitet. „Wir sind das letzte Glied in der Kette“, erläutert Matthias Löffler (Name geändert). Seit 1995 bringt der Hauptkommissar Asylbewerber von Schönefeld aus zurück in ihre Heimatländer. Der Endvierziger ist einer von hunderten „Personenbegleitern Luft“, kurz PBL, bei der Bundespolizei.

„Rückführer“-Job recht beliebt

Trotz der Anstrengungen, die der „Rückführer“-Job mit sich bringt, machen ihn viele Beamte gern. Man kommt rum in der Welt. Für die Qualifikation absolvieren die Beamten eine dreiwöchige Schulung in Rechtskunde, Theorie, Kommunikation und Selbstverteidigung. Danach können sie sich auf die ausgeschriebenen Abschiebeflüge melden. Ansonsten leisten die Polizisten ihren Dienst irgendwo in der Bundespolizei.

Hunderte Rückführungen hat Löffler seit den 1990ern begleitet. Für Sammelabschiebungen werden ganze Maschinen gechartert. Befinden sich Straftäter unter den Asylbewerbern oder geht ein Flug etwa nach Afrika, wo die abgelehnten Asylbewerber öfter massiv Widerstand leisten, sind teilweise bis zu 120 Bundespolizisten im Einsatz. Hin und wieder gebe es auch Versuche, sich selbst zu verletzen, so dass die Rückführung abgebrochen werden muss, erzählt Löffler. Dass gerade bei Afrika-Flügen ein höheres Aggressionspotenzial als etwa bei Abschiebungen auf den Balkan besteht, dafür hat der Beamte eine einfache Erklärung: Er macht zum einen die Mentalität der Menschen, „die zum Teil aus Kriegsgebieten stammen und Schlimmes erlebt haben“, dafür verantwortlich. Gleichzeitig sei die Frustration über die gescheiterte Flucht groß. „Wer nach Afrika zurück muss, verliert mehr, als jemand, der aus dem Balkan kam“, mutmaßt Löffler.

Unabhängige Beobachter überwachen Abschiebungen

Für potenzielle Gewalttäter und sehr aggressive Asylbewerber gibt es den sogenannten „Body Cuff“, eine besondere Vorrichtung, die sowohl als Selbstschutz, aber auch als Schutz für die Beamten und Mitreisenden gedacht ist. Das Gurtsystem schränkt die Bewegungsfreiheit an Händen und Beinen ein. „Es kommt zum Glück nur selten zum Einsatz“, sagt Löffler. Neben der Bundespolizei fliegen auch Ärzte, Dolmetscher und unabhängige Beobachter von Nichtregierungsorganisationen mit.

Ansonsten durchlaufen die Menschen vor der Abschiebung den normalen Sicherheitscheck wie andere Passagiere am Flughafen auch. Lediglich das Gepäck wird gründlicher untersucht. Während des Wartens auf den Abflug und des mehrstündigen Fluges kommen die Beamten den Asylbewerbern mitunter sehr nah. „Wir reden viel mit den Personen und versuchen Vertrauen aufzubauen“, erzählt der Personenbegleiter. Damit die Rückführungen „so human wie möglich ablaufen“, aber auch, um Zwischenfällen vorbeugen, erläutert er.

Die Schicksale, von denen die Beamten auf diese Weise erfahren, sind zum Teil dramatisch. Da ist die Familie, deren ältestes Kind in Deutschland geboren ist, das die Heimat der Eltern noch nie gesehen hat und kurz vor dem Schulabschluss steht. Oder der junge Mann aus der Mongolei, der in Deutschland ein Elektrotechnikstudium begonnen hat und der während des Fluges nach Ulan Bator mit Matthias Löffler über Songtexte von Herbert Grönemeyer philosophiert. Der junge Mann hatte auf der „Expo“ „schwarz“ gearbeitet und war daraufhin abgeschoben worden. Und das ist nur eine von vielen Geschichten, die Matthias Löffler nicht vergessen kann.

Von Josefine Sack

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