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05:41 28.06.2018
Noch muss sich der Schönefelder Kantor Thomas Müller mit der provisorischen Orgeltruhe begnügen. Quelle: Josefine Sack
Schönefeld

Seit mehr als 70 Jahren hat die Dorfkirche von Schönefeld keine richtige Orgel mehr. Das soll sich nun ändern. Seit Jahren überlegten der Gemeindekirchenrat und Kantor Thomas Müller, wie man der alten Feldsteinkirche in der Nähe des Flughafens zu einer Orgel verhelfen kann. Es gab sogar Überlegungen, eine historische Orgel aus Rumänien zu holen. Nun hat die evangelische Kirchengemeinde Schönefeld-Großziethen den Orgelbauer Kristian Wegscheider aus Dresden beauftragt, eine neue Orgel für Schönefeld zu bauen.

Historische Orgel fiel Krieg zum Opfer

Doch der Reihe nach: Das Pfarramt Schönefeld, das einst zum heutigen Berliner Ortsteil Rudow gehörte, besteht seit 1895. Die Kirche selbst stammt vermutlich aus dem 13. Jahrhundert. 1905 wurde sie umfassend restauriert. „Damals muss es auch eine zur Kirche passende Orgel gegeben haben“, sagt Pfarrer Michael Frohnert. Aufzeichnungen dazu gibt es nicht. Die Kirche fiel am Ende des Zweiten Weltkriegs der russischen Armee zum Opfer. Sie brannte ab. Auch die historische Orgel ging verloren.

Die Orgeltruhe ist eigentlich für Kammerkonzerte und nicht für Kirchen gedacht. Quelle: Josefine Sack

Orgeltruhe diente seither als Notlösung

In den 1950er Jahren wurde die Dorfkirche wiederaufgebaut. „Ich mag die sehr nüchterne Ausgestaltung, sie konzentriert sich aufs Wesentliche“, kommentiert Pfarrer Frohnert. Dennoch bietet die Innenausstattung des Kirchenschiffs einige Hingucker: Der Altar samt Kreuz sowie das Taufbecken stammen aus der Hand des Bildhauers Waldemar Otto, dem Sohn des damaligen Pfarrers in Schönefeld. Was nach dem Krieg fehlte, war das Geld für eine Orgel. Stattdessen wurde –als Übergangslösung –ein Harmonium angeschafft.

Der Altar in der Dorfkirche von Schönefeld stammt vom Bildhauer Waldemar Otto. Quelle: Josefine Sack

Nach der Wende fehlte das Geld

Mehr als 40 Jahre mussten sich die Organisten mit dem Provisorium herumschlagen. Zwar hatte man Ende der 1980er Jahre bereits den bekannten DDR-Orgelbauer Alexander Schuke aus Potsdam beauftragt. Doch die deutsch-deutsche Wiedervereinigung durchkreuzte die Pläne für die neue Orgel. Angesichts der wirtschaftlichen Unsicherheit griff man lieber zu einer ausgesonderten Orgeltruhe aus dem Gewandhaus in Leipzig. Das Instrument, das zu Probezwecken diente, hatte Schuke nach Schönefeld vermittelt. Der Orgelbauer aus Potsdam fertigte 1981 die riesige Orgel für das Konzertgebäude am Leipziger Augustusplatz.

Rumänische Orgel für Schönefeld

Noch heute muss sich der Schönefelder Kantor Thomas Müller mit der transportablen Orgelkiste begnügen. „Akustisch funktioniert die Orgeltruhe für diese Kirche nicht, sie ist eigentlich für feine Kammerkonzerte gedacht“, erklärt der Organist. Bei einem Besuch in die Partnerkirchengemeinde Siebenbürgen in Rumänien kam Müller die Idee, eine der hiesigen Orgeln nach Deutschland zu importieren. Denn dort stehen etliche Kirche leer und Orgeln verrotten.

Eine Skizze in der Kirche zeigt, wie die künftige Orgel aus Dresden aussehen wird. Quelle: Josefine Sack

Hintergrund ist die Geschichte einer seit dem 12. Jahrhundert im heutigen Rumänien ansässigen deutschsprachigen Minderheit. Die Mehrheit der Siebenbürger Sachsen wanderte seit den 1970er Jahren nach Deutschland aus. Ihre Gotteshäuser ließen sie zurück. Weil Kulturgüter nicht einfach so ausgeführt werden dürfen, verlief die Idee im Sande.

Silbermann-Orgel ist Vorbild

Doch Müller gab nicht auf. Mit zwei Orgel-Sachverständigen erarbeitete er ein musikalisches Konzept. Geplant ist eine akustische Barockorgel, die –wie es sich für das Kircheninstrument gehört –ein Pedal und zwei Handklaviaturen hat. Die Orgeltruhe hat nur ein Manual. Ein Pedal für die tiefen Töne fehlt ganz. Statt nur vier verfügt die neue Orgel über 16 Register und sorgt damit künftig für einen üppigen Klang. Optisch soll das Instrument der weltberühmten Orgel des Sachsen Gottfried Silbermanns nachempfunden sein. Die Kosten für die neue Schönefelder Orgel liegen je nach finaler Ausstattung zwischen 275.000 und 350.000 Euro.

Außenansicht der Schönefelder Feldsteinkirche. Das Gotteshaus liegt in direkter Nachbarschaft zum Flughafen. Quelle: Josefine Sack

Ton Koopman spielt Eröffnungskonzert

Neben eigenen und Fördermitteln will die Kirchengemeinde das Projekt zusätzlich über Spenden und Benefizkonzerte finanzieren. Im Mai 2020 soll die Dresdener Orgel eingeweiht werden. Für die Premiere will Kantor Müller den berühmten niederländischen Organisten Ton Koopman nach Schönefeld holen.

Von Josefine Sack

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