Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Schönefeld Amazon baut riesiges Lager in Kiekebusch
Lokales Dahme-Spreewald Schönefeld Amazon baut riesiges Lager in Kiekebusch
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:21 21.01.2019
Es ist offiziell bestätigt: Der Internet-Gigant Amazon baut in Kiekebusch. Quelle: Foto: Oliver Mehlis/dpa
Kiekebusch

Monatelang hielten sich die Gerüchte, dass sich im geplanten Gewerbepark „Schönefelder Kreuz“ der Onlineversandhändler Amazon ansiedeln soll. Jetzt hat es der Landkreis Dahme-Spreewald offiziell bestätigt. Das börsennotierte US-Unternehmen kommt nach Kiekebusch. „Unser Bauordnungsamt hat Amazon eine Baugenehmigung erteilt“, bestätigte Pressesprecher Bernhard Schulz am Freitag der MAZ.

Auf dem rund 15 Hektar großen Gelände östlich der Autobahn 113 haben sogar schon die Tiefbauarbeiten begonnen. Nach MAZ-Informationen errichtet Amazon dort ein riesiges Logistikzentrum. Insidern zufolge soll es etwa dreimal so groß werden wie das Amazon-Lager in Brieselang. Rund 900 neue Arbeitsplätze sollen entstehen, in Spitzenzeiten – etwa dem Weihnachtsgeschäft – dürften es aber deutlich mehr werden. Die Rede ist außerdem von bis zu 1000 Lkw, die sich täglich dort bewegen. Amazon selbst hat sich bislang aber noch nicht zu seinen Plänen geäußert.

In Kiekebusch haben die Arbeiten für den neuen Gewerbepark „Schönefelder Kreuz“ begonnen. Quelle: Josefine Sack

Gewerbepark seit der Wende im Gespräch

In Kiekebusch sieht man die Ansiedlungspläne nach wie vor kritisch. Noch immer hängen dort Plakate an den Zäunen, auf denen „Kiekebusch sagt NEIN zur Autobahnanschlussstelle, NEIN zum Logistikcenter“ zu lesen ist. Auch in der Landesplanung soll es Stimmen geben, die die Ansiedlung kritisch sehen. Doch am 2016 geänderten Bebauungsplan (B-Plan) ist nichts mehr zu rütteln. Die Genehmigungen sind offenbar alle erteilt, das Bundesverkehrsministerium ist eingeschaltet, und die rechtlichen Grundlagen reichen bis in die Neunziger Jahre zurück.

Damals war Kiekebusch mit 200 Einwohnern die kleinste Kommune Brandenburgs. Um die Steuereinnahmen anzukurbeln, wollte man Firmen auf einer Fläche südöstlich des Ortsausgangs ansiedeln. Bereits 1994 stellte man einen entsprechenden Bebauungsplan auf. Der Investor ging dann pleite, die Akten verschwanden in der Schublade, der Plan blieb aber gültig.

Blick auf das Feld entlang der L402, auf dem der neue Gewerbepark „Schönefelder Kreuz“ entsteht. Quelle: Josefine Sack

2016 tauchte ein neuer Investor auf, der an der A 113 ein Logistikzentrum bauen wollte. Der bestehende B-Plan wurde daraufhin geändert, obwohl sich fast die Hälfte der Kiekebuscher im öffentlichen Beteiligungsverfahren dagegen aussprachen. Die Anwohner äußerten Sorge, dass bald am laufenden Band Vierzigtonner durch den Ort donnern und die umliegenden Straßen verstopfen.

Autobahnanschluss soll Verkehrslage entlasten

Damit es trotz Amazon so weit nicht kommt, soll das Gewerbegebiet eine eigene Anschlussstelle an die A113 bekommen. Der Bund hat bereits die Finanzierung zugesagt. Es geht um 5 Millionen Euro. Die Anschlussstelle soll allerdings auch die umliegenden Straßen entlasten. Fachplaner gehen unter anderem davon aus, dass die Verkehrssituation in der schon jetzt verstopften Waltersdorfer Ortsdurchfahrt entspannt werden kann.

Das neue Logistikzentrum im Schönefelder Ortsteil Kiekebusch soll einen eigenen Autobahnanschluss zur A 113 bekommen. Quelle: Josefine Sack

Ärger an der Baustelle

Obwohl auf der Großbaustelle schon seit zwei Wochen Bagger rollen, haben sich allerdings bislang weder Amazon noch die Gemeinde offiziell zu dem Vorhaben bekannt. Noch nicht einmal ein Baustellenschild wurde aufgestellt. Diese Geheimnistuerei sorgt für Ärger bei den Anwohnern. „Jeder Häuslebauer muss an seiner Baustelle ein Baustellenschild aufstellen. An der Baustelle in Kiekebusch aber steht keins“, kritisiert der Ortsvorsteher Horst Bieber (BVB Freie Wähler). Die Brandenburgischen Bauordnung schreibt tatsächlich das Aufstellen eines Bauschildes vor, auf dem „die Bezeichnung des Bauvorhabens sowie die Namen und Anschriften aller am Bau Beteiligten“ vermerkt werden muss. „Wer keins aufstellt verstößt gegen die Informationspflicht“, sagt Bieber.

Der Ortsvorsteher weiß aber, dass er am Lauf der Dinge nichts mehr ändern wird. Er und die anderen Kiekebuscher haben sich mit dem Logistikzentrum abgefunden: „Daran ist nichts mehr zu rütteln“, sagt Bieber. Als Ortsvorsteher will er sich jetzt dafür einsetzen, dass der Autobahnanschluss wenigstens nicht direkt hinter dem Ortseingangsschild gebaut wird.

Von Josefine Sack

Pannen beim Bau – das kennt man vom Hauptstadtflughafen BER. Doch auch in Schönefeld selbst gibt es derzeit Probleme. Dort verzögert sich die Eröffnung des neuen „City Centers“.

20.01.2019

Seit Kurzem rollen in Schönefeld, östlich der A113, die ersten Bagger. Spekulationen zufolge will sich im neuen Gewerbepark in Kiekebusch der Handelsriese Amazon niederlassen.

16.01.2019

Auf mehreren Regionalzuglinien in Teltow-Fläming und Dahme-Spreewald ändern sich in den nächsten Tagen die Abfahrtszeiten, einige Züge fallen aus oder werden umgeleitet.

19.01.2019