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Schönefeld Ryan-Air-Beschäftigte streiken
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01:15 01.10.2018
Mehrere Dutzend Beschäftigte der Fluggesellschaft Ryan Air beteiligten sich am Streik in Schönefeld. Quelle: Christian Zielke
Schönefeld

Laura Milan könnte etwas ins Wanken bringen, das viele bislang für unmöglich hielten. Als die Ryanair-Flugbegleiterin bei der Streikkundgebung vor dem Flughafen Schönefeld am Freitag ans Mikro tritt, jubeln ihr die Kollegen zu, bevor sie das erste Wort gesagt hat.

Die junge Frau mit der strengen Brille und dem freundlichen Lächeln hat etwas geschafft, das sich nur wenige vor ihr getraut haben: Sie hat die Arbeitsbedingungen des Ryanair-Personals offen angesprochen, allen Einschüchterungsversuchen des Unternehmens zum Trotz.

Beschäftigte wünschen sich Respekt

Laura Milan spricht von den vielen Kollegen aus sämtlichen europäischen Ländern, die auf den Flügen der Billig-Airline jeden Tag ihre Arbeit machen. „Wir sind kein Geschäft, sondern Menschen, die Respekt verdienen“, ruft sie ins Mikrofon und die mehreren Dutzend Ryanair-Beschäftigten, die sich vor dem Terminal des Flughafens Schönefeld versammelt haben, rufen immer wieder ihren Nahmen: „Laura!“.

Laura Milan, Flugbegleiterin bei Ryan Air, ergriff stellvertretend für ihre Kollegen das Wort beim Streik. Quelle: Christian Zielke

 

Sie scheint wie eine Jeanne D’Arc, die es mit den großen Bossen des Ryanair-Managements aufnimmt, die ihre Streikenden gern mal fotografieren lassen, um sie anschließend mit Disziplinarmaßnahmen zu überziehen.

Arbeitsminister Heil übernimmt Patenschaft

Repressalien soll die mutige Flugbegleiterin nicht fürchten müssen. Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) persönlich hat die Patenschaft für sie übernommen: „Wer ihr etwas tut, bekommt es mit der gesamten Bundesregierung zu tun“. Deutschland sei keine Bananenrepublik.

Wer hier Geschäfte macht, müsse sich auch an die Spielregeln halten und dazu gehöre das deutsche Arbeitsrecht mit seinen Regelungen zu Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, Kündigungsschutz sowie dem Recht auf eine Personalvertretung oder zum Arbeitskampf.

Solidarität quer durch alle Parteien

All das, so ist von den Rednern von CDU, SPD, Grünen und Linkspartei zu hören, werde von Ryanair systematisch umgangen. Die irische Billigairline, die größte ihrer Art in Europa, wendet für ihre Beschäftigten das irische Recht an. Die Löhne sind niedrig, die Bedingungen schlecht.

Wer krank ist, bekommt nicht nur oft kein Geld, sondern muss sich seinem Arbeitgeber erklären. Verkaufen die Flugbegleiter an Bord nicht genug, drohen ihnen Abmahnungen. Denjenigen, die sich am 12. September am ersten Streik beteiligten, zog Ryan Air 350 Euro vom Lohn ab.

Verdi-Chef Bsirske nennt Ryan-Air-Angebot „inakzeptabel“

Der Katalog der Grausamkeiten, den Frank Bsirske vortrug, war lang. Der Vorsitzende der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi warf Ryanair-Chef Michael O’Leary offenen Rechtsbruch vor, der nun sogar die EU-Kommission auf den Plan gerufen habe.

Verdi beißt sich an der Airline die Zähne aus. 40 bis 60 Euro mehr im Monat, lautet das Angebot, Laufzeit vier Jahre. „Inakzeptabel“, sagt Frank Bsirske, denn das bedeute letztlich einen Reallohnverlust. Forderungen der Gewerkschaft nach einer Personalvertretung und der Gleichbehandlung von Leiharbeitern lassen die Ryanair-Chefetage kalt.

Der Verdi-Vorsitzende Frank Bsirske, der Bundesgeschäftsführer der Grünen Michael Kellner, Bundesarbeitsminister Hubertus Heil und Christian Bäumler (v.l.) von der Christlich-demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA) nahmen Flugbegleiterin Laura Milan in ihre Mitte und solidarisierten sich mit den streikenden Ryan-Air-Beschäftigten. Quelle: Christian Zielke

Auf den Betrieb des Flughafens wirkte sich der Streik nur wenig aus. 37 Ryan-Air-Flüge wurden gestrichen. Viele Passagiere hatten sich im Vorfeld informiert.

Von Christian Zielke

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