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Ausstellung über das Leben eines Visionärs

Schönefelder Rathaus zeigt Dauerausstellung über Flugzeugkonstrukteur Hugo Junkers Ausstellung über das Leben eines Visionärs

Der Flugzeugkonstrukteur Hugo Junkers gilt als Pionier und Visionär auf seinem Gebiet. Im Schönefelder Rathaus ist nun eine Dauerausstellung eingerichtet, die das Leben und vor allem das Wirken von Junkers zeigt. Die Ausstellung eröffnet am Montag, die MAZ konnte sie bereits besuchen.

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Passagier-Kabinen in den Flügeln: die Junkers G 38.

Quelle: Archiv Bernd Junkers

Schönefeld. Die Skizze, mit der Hugo Junkers am 3. Dezember 1909 die Luftfahrt revolutionierte, sieht aus, als hätte er kaum fünf Minuten gebraucht, um sie zu Papier zu bringen. Mit wenigen Strichen hatte Junkers, damals 50 Jahre alt, Professor für Thermodynamik und Eigentümer einer Haushaltsgeräte-Firma, zwei fischförmige Tragflächen-Querschnitte aufs Papier gekritzelt, einen ohne Motor, einen mit. Eine weitere Zeichnung zeigt die Vorderansicht eines Flugzeugs, das auch nach heutigen Maßstäben etwas skurril aussieht: Seine Flügel sind fast so dick wie der Rumpf, beides geht ineinander über.

Junkers ließ sich die Idee patentieren und nannte sie „Gleitflieger mit zur Aufnahme von nicht Auftrieb erzeugenden Teilen dienenden Hohlkörpern“. Der Name war umständlich, der Gedanke dahinter aber veränderte alles. Junkers hatte ein Flugzeug ersonnen, das komplett aus Metall bestehen konnte, und in dessen windschnittigen Flügeln sich einiges verstauen ließ: Dinge wie Tanks, Motoren, Fracht, sogar Passagiere, die bis dahin dem Wind eine mächtige Angriffsfläche boten.

Flugzeugbauer Hugo Junkers.

Quelle: Archiv Bernd Junkers

Junkers hievte die Fliegerei in eine neue Dimension

Die Anforderungen der Realität machten den Bau eines solchen Flugobjekts zwar unmöglich, das erste Ganzmetall-Flugzeug mit „dicken Flügeln“, das Junkers fünf Jahre nach Einreichen des Patents unter dem Namen J1 tatsächlich aus Aluminiumblech bauen ließ, hievte die Fliegerei aber trotzdem in eine neue Dimension. Es läutete das Ende der zerbrechlichen Einweg-Flugmaschinen aus Balsaholz und Stoff ein – und begründete den Ruf von Junkers als einem der wichtigsten Flugzeugbauer der Geschichte.

Die Patentschrift mit der Nummer 253788, die Junkers’ Luftfahrt-Karriere ins Rollen brachte, wird ab kommender Woche in einer neuen Dauerausstellung im Schönefelder Rathaus zu sehen sein. Die Schau wurde vom Junkers-Experten Klaus Schwarz konzipiert, der in der ersten Etage an den Wänden der Büroflure Leben und Werk des Ingenieurs mit Fotos und alten Plakaten nachzeichnet.

Das erste Ganzmetall-Passagierflugzeug: die Junkers F13.

Quelle: Archiv Bernd Junkers

Enkel von Hugo Junkers stellte Material für die Ausstellung zur Verfügung

Die Idee dazu hatte Schönefelds Bürgermeister Udo Haase (parteilos). „Unsere Gemeinde hat wegen des Flughafens eine große Verbundenheit mit der Luftfahrt, und die wollten wir dokumentieren“, sagt er. Bernd Junkers, Enkel und Nachlassverwalter des Flugzeugpioniers, stellte Material aus seinem Familien-Archiv zur Verfügung. Er brachte Udo Haase auch mit Klaus Schwarz zusammen, der schon mehrere Filme über Junkers produziert hat. Schwarz wiederum blätterte sich wochenlang durch Fotos und Werbematerial aus Junkers’ Flugzeugwerken, entwarf Texttafeln, konzipierte und verdichtete. Am Ende standen 82 Bilder, die ab Montag für jedermann zugänglich sind.

Die Ausstellung lasse notgedrungen viele Facetten der Persönlichkeit Hugo Junkers außer Acht, sagt Schwarz. Dass Junkers etwa zahlreiche Patente für Hausgeräte anmeldete und sich für Metallarchitektur interessierte, wird nur angerissen. Die Ausstellung konzentriert sich auf Junkers Flugzeug-Entwicklungen – und die sind umfangreich genug.

Junkers baute sich ein riesiges Firmenimperium auf

Dabei entdecke Hugo Junkers seine Leidenschaft für den Flugzeugbau erst spät. Geboren 1859 in eine begüterte Familie in Rheydt im Rheinland, studierte er erst Maschinenbau, begann dann bei einer Dessauer Gasgesellschaft Motoren zu entwickeln und erfand parallel dazu solch praktische Dinge wie das Kalorimeter und den Gasbadeofen. Letztere Erfindung war die Grundlage für ein riesiges Firmenimperium und Junkers’ finanzielle Unabhängigkeit. In Dessau gründete er die Firma Junkers & Co., die die Thermen herstellte, riesige Gewinne abwarf und damit den finanziellen Nährboden für andere Forschungen lieferte, denen sich Junkers erst als Hochschul-Professor und später in seiner eigenen Forschungsanstalt hingab.

„Junkers ging es nie ums Geld, er wollte forschen und Märkte öffnen. Das ist ihm sowohl mit seinen Badeöfen als auch später mit den Flugzeugen gelungen“, sagt Klaus Schwarz.

Vortrag über Junkers

Anlässlich des 80. Todestages von Hugo Junkers wird am Montag in der Technischen Hochschule in Wildau ein Vortrag über das Leben und Wirken von Hugo Junkers gehalten.

Bernd Junkers, Jahrgang 1944, Enkel des Flugzeugbauers und Verwalter des Nachlasses, wird die entscheidenden Etappen aus dem Leben Hugo Junkers’ erläutern und wichtige Aspekte seines Wirkens vorstellen.

Der Referent Bernd Junkers steht nach dem Vortrag auch für Fragen zur Verfügung.

Der Vortrag beginnt um 15 Uhr in der Bibliothek in Haus 10 der Hochschule. Die Teilnahme ist frei.

1915 startete Junkers die ersten Flugversuche

Mit der Fliegerei kam Junkers 1908 über einen Professorenkollegen in Kontakt – Hans Reissner, der bei Experimenten mit einem Kleinflugzeug an physikalische Grenzen stieß. Er wandte sich an Junkers, der ihm nicht nur qualifiziert, sondern auch wirtschaftlich potent genug erschien, um sein Projekt voranzutreiben. Junkers ersann daraufhin den dicken Flügel. Und weil niemand ein Flugzeug bauen wollte, das so anders konstruiert war als die gängigen Modelle, ließ er es in seiner Gasofenfabrik selbst herstellen.

Die ersten Flugversuche 1915 waren ein solcher Erfolg, dass die einmotorigen Maschinen sofort in Serie gingen. In den verbleibenden drei Kriegsjahren verließen bereits mehr als 200 Junkers-Flugzeuge das Werk, die sich im Luftkampf als wesentlich stabiler und effizienter erwiesen als die Flugzeuge in Leichtbauweise.

Mehrere Erfindungen wirken bis heute nach

Nach Kriegsende wandte sich Junkers, der selbst nicht flog, der zivilen Luftfahrt zu. Er gliederte das Flugzeugwerk aus der Gasofenfabrik aus und trieb Produktion und Forschung immer weiter voran. In seinen Flugzeug- und Motorenwerken wurden permanent neue Motoren konstruiert und neue Flugzeugtypen entwickelt. So gelangen ihm und seinen Konstrukteuren in den folgenden 15 Jahren mehrere große Würfe, die bis heute nachwirken. 1919 ging in Dessau mit der F13 die erste Ganzmetall-Passagiermaschine vom Band, die in puncto Zuverlässigkeit neue Maßstäbe setzte. 1928 gelang mit einer Junkers W33 die erste Nonstop-Atlantiküberquerung. Mit der G38 setzte Junkers 1928 seine Idee des dicken Flügels in Reinform um. Bei dem größten Passagierflugzeug seiner Zeit waren nicht nur die Motoren und der Treibstoff in den Flügeln untergebracht, sondern auch Passagierkabinen. Junkers gründete außerdem eine Fluggesellschaft, die später in der Lufthansa aufging. Die Ju52, die 1932 erstmals das Werk verließ, wurde zum erfolgreichsten Junkers-Flieger und prägte die zivile Luftfahrt wie nur wenige Flugzeuge.

Junkers lehnte einst Hermann Görings Bewerbung ab

Die „Tante Ju“ war aber auch das letzte Flugzeug, an deren Konstruktion Hugo Junkers beteiligt war. Im Zuge der Weltwirtschaftskrise waren schon 1930 seine Motorenwerke in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Am 22. März 1932 musste Junkers schließlich für seine gesamte Unternehmensgruppe Insolvenz anmelden. Das Unternehmen Junkers & Co., das immer noch erfolgreich Gasöfen produzierte, wurde von der Robert Bosch AG übernommen. Durch den Verkauf konnte Junkers zunächst noch seine Flugzeug- und Motorenwerke behalten. Kurz nach der Machtergreifung Hitlers wurde Junkers, der sich nicht mit den Nationalsozialisten arrangierte, aber gezwungen, seine Mehrheit am restlichen Konzern aufzugeben.

Das NS-Regime brauchte das Flugzeugwerk für die Rüstungsproduktion. Bei der Enteignung spielten aber auch persönliche Motive eine Rolle: Zehn Jahre zuvor hatte Junkers einen ehemaligen Jagdflieger abgelehnt, der sich bei ihm um eine Anstellung beworben hatte. Es war Hermann Göring, nun „Reichskommissar für Luftfahrt“ unter Hitler.

Erfindungen haben sich durchgesetzt

Junkers erhielt Hausverbot in seinem Unternehmen, er musste Dessau verlassen und auch den Kontakt zu einigen Familienmitgliedern abbrechen. Seine letzten beiden Lebensjahre verbrachte er in Bayrischzell in Bayern.

Junkers starb am 3. Februar 1935, seinem 76. Geburtstag, in Gauting. Einige seiner visionären Arbeiten wie die Druckkabine oder der Jet-Antrieb leben aber bis heute in Flugzeugen weiter. Sogar das Flugzeug aus seiner ersten Skizze, das praktisch nur aus Flügeln besteht, hat sich durchgesetzt. Allerdings erst Ende des 20. Jahrhunderts. Es fliegt heute durch die Kriegsgebiete der Welt –als Tarnkappen-Bomber.

Von Oliver Fischer

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