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Schrecken durch Zecken

Dahmeland-Fläming Schrecken durch Zecken

Jedes Jahr im Frühling registrieren die Gesundheitsämter einen Anstieg der Borreliose-Infektionen durch Zeckenbisse. Dabei sind Zecken nicht die einzigen Spinnentiere in der Region, bei denen Abstand angezeigt ist. Naturschützer haben allerdings andere Sorgen als etwa einen lästigen Dornfinger-Biss.

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Solche Schilder im Wald sind selten, aber sie erinnern unübersehbar an die Gefahren, die im Wald und auf den Wiesen lauern

Quelle: dpa

Dahmeland-Fläming. Mit den steigenden Temperaturen wächst in der Region auch wieder die Gefahr von Zeckenbissen und damit einer Infektion mit Borreliose. 17 Erkrankungen hat etwa das Gesundheitsamt Dahme-Spreewald in diesem Jahr schon registriert. Dabei sind Zecken nicht die einzigen Spinnentiere, zu denen Menschen lieber auf Abstand bleiben.

Hintergrund

In Brandenburg leben rund 700 Spinnenarten.

Bei einem Dornfinger-Biss raten Ärzte, die Stelle mit 50 Grad Celsius warmem Wasser zu spülen

Zecken sind das ganze Jahr über aktiv, warten auf Hecken und Gräsern darauf, von einem Wirt abgestreift zu werden. Nur Frost, viel Schnee und große Hitze können ihnen zusetzen.

Borreliose ist ein Oberbegriff für verschiedene Infektionskrankheiten, die durch Bakterien der Gattung Borrelia ausgelöst werden.

Etwa 5 bis 35 Prozent der Zecken tragen die Bakterien in sich. Zwischen 1,5 und 6 Prozent aller Zeckenbisse führen zur Borreliose-Infektion

Vor Kurzem berichtete die MAZ von einem Bürgermeister im Havelland, der beim Umräumen eines Bretterhaufens offenbar von einem Ammen-Dornfinger gebissen worden war. Diese Spinne ist eine von wenigen in der Region lebenden Arten, die mit ihren scharfen Beißwerkzeugen auch die menschliche Haut durchdringen kann. „Menschen reagieren ganz unterschiedlich auf den Biss“, erklärt Ingolf Rödel, Fachmann für Spinnen beim Naturschutzbund Brandenburg (Nabu). „Bei manchen ist es wie ein Wespenstich und schnell wieder weg, bei anderen kann es bis zu Lähmungserscheinungen kommen.“

Fürchten müsse man sich vor den Tieren aber nicht. „Die Spinnen verbergen sich eigentlich die meiste Zeit in ihren Wohngespinsten, die sie kaum verlassen“, so Ingolf Rödel. Zudem sind Ammen-Dornfinger nachtaktiv. Sie leben am liebsten auf offenen Wiesen mit hohen Gräsern. Dort bauen sie ihre weißen, dichtgewebten Gespinste, die die Größe eines Taubeneis haben können. Im Innern lebt die Spinnenmutter zusammen mit der Brut. „Wenn man so ein Gespinst öffnet, muss man natürlich damit rechnen, dass sich die Bewohner auch zur Wehr setzen“, sagt Ingolf Rödel. „Aber das ist ja auch Hausfriedensbruch.“

Vorurteile unbegründet

Von Vorurteilen gegenüber Spinnen und Insekten hält auch Jörg Gelbrecht nichts. Er leitet beim Nabu Brandenburg den Fachausschuss für Entomologie, also Insektenkunde. Mehr Sorge als Spinnenbisse bereitet dem 64-Jährigen der Zustand der Natur in der Region. „Als Autofahrer fällt einem vielleicht auf, dass man kaum noch Mücken und Insekten auf der Windschutzscheibe hat. Manchmal wundert mich, dass die Vögel hier überhaupt noch was zu fressen finden“, sagt der Königs Wusterhausener Fachmann.

Die intensive Nutzung des Landes, der Einsatz von Pestiziden, der zunehmende Verkehr und die Lichtverschmutzung, das sind nach Ansicht des promovierten Chemikers die Ursachen des augenscheinlichen Insektenschwundes. „Voriges Jahr war ich in Sibirien, was von der Vegetation her ähnlich ist wie hier“, erzählt er. „Aber es gibt dort noch viel mehr Insekten und Insektenarten. Wahrscheinlich, weil das Land dort nicht so intensiv genutzt wird.“ Für Gelbrecht ist der Insektenbestand ein Gradmesser für den Zustand der Natur insgesamt. „Das ist auf jeden Fall eine Entwicklung, die mir Sorgen bereitet.“

Gift reißt Lücken in die Fauna

Überzogen findet Gelbrecht dagegen die Diskussion um eingewanderte Arten wie den Ammen-Dornfinger. „Natürlich gibt es Problemarten wie zum Beispiel den Waschbären oder den Marderhund, aber das hat es immer schon gegeben. Wir gewöhnen uns daran, wir leben damit und oft sind neue Arten auch eine Bereicherung.“ Gelbrecht glaubt, dass es häufig der Mensch ist, der etwa durch den Einsatz von Giften erst Lücken in der Fauna reißt, die dann von neuen, mitunter aggressiven Arten besetzt werden.

Die Gefahr einer Borreliose-Infektion durch Zeckenbisse ist dagegen altbekannt – und man kann sich davor schützen. „Die beste Vorbeugung besteht darin, hohes Gras zu meiden und keine Hecken zu durchstreifen“, erklärt Astrid Schumann, die Amtsärztin von Dahme-Spreewald. „Nach Spaziergängen oder Gartenarbeiten sollte man die Haut auf Zecken absuchen und diese entfernen.“ Zecken suchten auf der Haut oft lange nach einer geeigneten Stichstelle, so dass dafür meist genügend Zeit bleibe. Auch Mückenschutzmittel zum Auftragen auf die Haut biete einen gewissen Schutz vor Zecken.

Zecke mit Zeckenzange entfernen

Wer eine Zeckenstich bei sich feststellt, der sollte das Tier mit einer Zeckenzange aus der Apotheke oder aus der Drogerie entfernen. „Wenn sich Tage bis Wochen um die Stichstelle herum ein sich ständig vergrößernder roter Hof bildet, sollte man an eine Borreliose denken“, so Astrid Schumann. „Dann sind ein Besuch beim Hausarzt und die Einnahme von Antibiotika erforderlich.“

Von Martin Küper

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