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Schulzendorf Mädchen mit Downsyndrom darf nicht allein in den Hort
Lokales Dahme-Spreewald Schulzendorf Mädchen mit Downsyndrom darf nicht allein in den Hort
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00:22 30.11.2018
Die acht Jahre alte Merle, hier mit ihrem Bruder Johan (5), hat das Downsyndrom. Sie darf den Hort nur in ständiger Begleitung einer Einzelfallhilfe besuchen. Quelle: privat
Schulzendorf

Mit der Inklusion ist das so eine Sache. Inklusion bedeutet, dass alle Menschen selbstbestimmt am gesellschaftlichen Leben teilnehmen. Idealerweise soll die Unterscheidung „behindert/nicht behindert“ keine Rolle mehr spielen. Doch der Alltag sieht anders aus, wie ein Fall aus Schulzendorf zeigt.

Dort darf die acht Jahre alte Merle den Hort nur in Begleitung einer Einzelfallhelferin besuchen – trotz eines regulären Hortvertrags, in dem davon keine Rede ist. Doch der Reihe nach: Das Mädchen kam mit Downsyndrom auf die Welt. Seit Herbst 2017 besucht Merle die Grundschule in Schulzendorf. Seit 2012 werden dort Kinder mit und ohne sonderpädagogischen Förderbedarf gemeinsam unterrichtet. Im Unterricht steht Merle eine Einzelfallhelferin zur Seite. Sie sorgt dafür, dass das Mädchen mitkommt. Weil die Schule schon früher aus ist, begleitet die Pädagogin die Achtjährige meist noch in den Hort – allerdings nur bis 14 Uhr. Danach hat sie Feierabend. Laut Vertrag darf Merle den Hort bis 15.30 Uhr besuchen.

Wie willkommen sind Kinder mit Handicaps im Hort Schulzendorf (hier: Blick auf den Altbau und den Garten)? Quelle: Josefine Sack

Gemeinde will Hortvertrag ändern

Anfangs war das auch kein Problem. Bis Merle eines Tages ausbüxte. Sie stand nur ein paar Meter entfernt an der Bushaltestelle vor dem Eingangstor, wo sie auf ihren Opa wartete, der sie an jenem Tag abholen sollte. Das Tor steht immer offen. Dass Merle das Gelände trotz einer Belehrung verlassen hatte, war für die Gemeinde offenbar Anlass genug, den Hortvertrag zu ändern: Merle sollte die Einrichtung künftig nur noch „unter der Voraussetzung der Begleitung eines Einzelfallhelfers über die komplette Betreuungszeit“ besuchen dürfen.

Merles Mutter, Mareen Rose-Rothensee, ärgert das: „Hier wird mit zweierlei Maß gemessen.“ Auch andere Kinder hätten das Gelände schon unerlaubt verlassen – offenbar aber ohne Konsequenzen. „Merle wird nur aufgrund ihrer Diagnose bewertet.“ Die Familie legte Widerspruch gegen die Vertragsänderung ein. Seither gab es mehrere Gespräche mit der Hortleiterin und dem Bürgermeister Markus Mücke (parteilos).

„Hort ist keine Inklusionseinrichtung“

„Wir wollen niemanden ausschließen“, sagte Mücke auf MAZ-Nachfrage. Dennoch räumte er ein: „Der Schulzendorfer Hort ist eine Regelkita und keine Inklusionseinrichtung.“ Grund für die Vertragsänderung sei demnach nicht das unerlaubte Verlassen des Hortgeländes, sondern Missverständnisse beim Vertragsabschluss: „Die Eltern haben nicht präzisiert, in welchem Umfang ein Anspruch auf einen Nachteilsausgleich vorliegt“, erläuterte Mücke. Hort und Verwaltung drängten darauf, dass die Familie einen entsprechenden Antrag über die Verlängerung der Bereitstellung eines Einzelfallhelfers beim zuständigen Sozialamt stellen sollte. Zuvor war dieser von der Behörde abgelehnt worden.

Die Familie suchte Rat bei der Behindertenbeauftragten des Landkreises, Elke Voigt – mit Erfolg. Seit Kurzem steht Merle am Nachmittag eine zweite Einzelfallhelferin zur Seite. „Mit dieser semi-akzeptablen Lösung haben wir zwar für den Moment etwas Luft gewonnen und Merle kann endlich genauso lange im Hort bleiben wie alle anderen Kinder auch, aber geholfen ist Merle damit langfristig in keinster Weise“, sagt Mareen Rose-Rothensee.

„Betreuung wird auf Einzelfallhelfer abgewälzt“

Sie befürchtet, dass der Hort die Betreuung nun vollständig auf die Einzelfallhelferin abwälzt und berichtet von einer Situation beim Mittagessen, die sich kürzlich zugetragen haben soll: An die Tische im Essensraum, die für Merles Klasse vorgesehen sind, passen nicht alle Kinder. Merle, die es nicht schnell genug an die voll besetzten Tische geschafft hatte, musste sich separat einen Platz suchen. Eine Klassenkameradin setzte sich zu ihr. Als alle, bis auf Merle, die aber nur noch ein paar Krümel auf dem Teller hatte, mit dem Mittag fertig waren, bat das Mädchen, auf Merle warten zu dürfen. Die Horterzieherin forderte es dennoch auf, mit den anderen mitzukommen. Merle blieb mit ihrer Einzelfallhelferin allein zurück.

Weil die anderen Kinder beim Essen schneller waren, blieb Merle am Tisch allein zurück. Quelle: Josefine Sack

„Das zeigt, dass vonseiten des Horts überhaupt kein Interesse besteht, unser Kind als vollwertiges Mitglied teilhaben zu lassen, und das schmerzt mich immens“, sagt Mareen Rose-Rothensee. Merle hat drei Geschwister: Bjarne (12), Johan (5) und Alva (1). „Wir behandeln Merle genauso wie unsere anderen Kinder“, sagt die Mutter. Im Alltag sei Merle völlig unauffällig. Sie ging (ohne Einzelfallhelfer) auf eine „normale“ Kita, fährt Fahrrad, schwimmt, zieht sich allein an und geht selbstständig zur Toilette. „Warum soll sie sich nicht auch im Hort zurechtfinden?“, sagt ihre Mutter. Die Hebamme und ihr Mann Martin Rose, ein Ingenieur bei Roll-Royce in Dahlewitz, können nicht verstehen, dass ihrer Tochter das Leben so schwer gemacht wird. „Unser oberstes Ziel ist es, die Einzelfallhilfe so kurz wie nötig und so wenig wie möglich an Merles Seite zu haben, damit Merle so schnell und so gut es eben geht selbstständig wird.“

Von Josefine Sack

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