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Dahme-Spreewald Die Lärmhölle im Vorgarten
Lokales Dahme-Spreewald Die Lärmhölle im Vorgarten
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17:54 08.06.2015
Knapp über den Dächern der Waldstraße ziehen die Flieger in Richtung BER-Landebahn. Quelle: Andrea Müller
Schulzendorf

Zwar ist die Aufregung um den Flugbetrieb zur und von der Champions-League inzwischen abgeflaut. Doch der Himmel über Schulzendorf dröhnt weiter. Besonders am Eichberg ist es schlimm. Darauf machte Christel Pawlik bei der jüngsten Sitzung der Gemeindevertretung aufmerksam.

In der Einwohnerfragestunde war die Bürgerin an das Mikrofon getreten: „Wissen Sie, was ich seit Eröffnung der Südbahn am BER aushalten muss?“, fragte sie in die Runde. Alle paar Minuten hielten die Flugzeuge über ihrem Kopf direkt auf die nahe Landebahn zu. „Manchmal glaube ich, sie wollten direkt auf dem Dach meines Hauses zu Boden gehen“, so Pawlik weiter. Dies sei ihrer Meinung nach nicht hinnehmbar. Denn die Ruhezeiten seien zu kurz – gerade mal von Mitternacht bis 5 Uhr morgens. Selbst die Zeiten, in denen der Flugbetrieb nicht so stark sei, könne sie nicht zum Ruhen nutzen. „Man kennt ja den Flugplan nicht“, so die Schulzendorferin. So sei man die ganze Zeit irgendwie auf der Hut, gleich komme der nächste Krachmacher. Christel Pawlik hatte in der Sitzung die Anwesenden eingeladen, sich selbst ein Bild zu machen, wie es bei ihr in der Waldstraße 66 mit dem Fluglärm aussieht.

Die Lärmhölle im Vorgarten

„Bis jetzt war noch keiner da“, sagt die Frau. Die Worte „keiner da“ schluckt der Flieger, der in dem Moment über ihr Haus fliegt. Es ist nichts zu hören außer unbändigem Lärm. Die Düsen dröhnen im Anflug der Maschine. Direkt über dem Haus scheint der Krach für einen Bruchteil einer Sekunde nachzulassen – bis er mit gesammelter Kraft vom Himmel hinunter in den Garten von Christel Pawlik zurück findet. Es ist die Hölle kurz nach 13 Uhr. „Eigentlich würde ich um die Zeit eine Mittagsruhe einlegen“, meint sie. Doch bei dem Lärm sei das vollkommen sinnlos.

Schulzendorferin kämpft verzweifelt gegen den Lärm

Christel Pawlik ist ein Schulzendorfer Original. Eigentlich kennt sie jeder im Ort. Das hängt zum einen mit der langen Geschichte ihrer Familie zusammen, die eng verwoben ist mit Schulzendorf. „Das Haus, in dem ich wohne, ist in der dritten Generation in Familienbesitz“, sagt die Dame, die nun schon bald auf die 80 zugeht. Die Vorfahren von Christel Pawlik haben auf dem Gut noch für die Familie Israel gearbeitet, haben Saisonarbeiter eingestellt. In der Zeit des Faschismus, so Pawlik, habe ihre Familie geholfen, jüdische Mitbürger zu verstecken. Sie selbst – Jahrgang 1940 – hat den Krieg als Kind miterlebt. Nach Schule und Ausbildung übernahm sie später die Leitung der örtlichen Grundschule. Erst im Jahr 2002 gab sie diese Stellung auf. Doch bis heute spricht Christel Pawlik von „ihren Kindern“, wenn sie ihre einstigen Schüler meint. Noch immer ist sie bei fast allen Veranstaltungen in Schulzendorf anzutreffen. Meist kommt sie auch zu den Sitzungen von Gemeindevertretung und Ausschüssen. Sie mischt sich ein, wo es geht. Ihre Stimme gilt etwas in Schulzendorf. Sie wird gehört.

Doch dieses Mal scheint ihr Veto im Lärm der Maschinen über dem Dorf unterzugehen. „Dabei ist das, was hier jetzt passiert, doch eigentlich nur eine Kostprobe“, vermutet Christel Pawlik. Sie mag sich gar nicht vorstellen, wie es werden könnte, wenn der BER erst richtig eröffnet ist und tatsächlich dauernd die Flugzeuge über die Köpfe der Schulzendorfer, aber auch der Bewohner der Umlandgemeinden donnern. „Es muss etwas passieren“, findet sie.

Forderung nach einem effektiven Schallschutz

So wünscht sie sich, dass endlich die Schallschutzfenster kommen. Bisher sei nichts passiert außer Messungen, Vermessungen, Versprechungen. „Eigentlich müsste ich auch dringend was an der Fassade machen lassen“, sagt sie. Aber es lohne sich nicht, solange die Fenster nicht gewechselt würden. Christel Pawlik hat auch nicht vor, sich die Summe auszahlen zu lassen. Die Sache mit dem Schallschutz selbst in die Hand zu nehmen, nein, das übersteige ihre Kräfte, zumal ihre Gesundheit nicht die beste sei.

Jörg Bahnemann ein paar Häuser weiter hat diese Möglichkeit ergriffen und wird sich selbst darum kümmern. Zurzeit sei es aber schwierig, Handwerker zu bekommen. Deswegen atmet er vorerst immer dann auf, wenn in Schulzendorf der Wind von Osten kommt: Dann starteten die Flieger nämlich in diese Richtung und seien über den Häusern schon deutlich höher und damit leiser.

Von Andrea Müller

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