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Selbst für ’nen Hunderter ginge es nicht weiter

Streik der Schleusenwärter ist ein Ärgernis für Wassersportler Selbst für ’nen Hunderter ginge es nicht weiter

An den Brandenburger Schleusen ist bis zum späten Sonnabend kein Durchkommen mehr. Die Schleusenwärter haben ihre Arbeit niedergelegt. Für Wassersportler und Touristen bedeutet das spontanes Umplanen. Ein Ortsbesuch an der Schleuse Neue Mühle.

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Kein Durchkommen: Da bleiben Axel Firmont (rechts) und Uwe Schmädicke beharrlich und vor allem ziemlich unbeweglich.

Quelle: Bastian Pauly

KÖNIGS WUSTERHAUSEN. Für Sylvia und Bernd Schmoldt endet der Törn an der Schleuse Neue Mühle. Zumindest vorerst. Von Spandau über Schmöckwitz zum Scharmützelsee, das war das Ziel der beiden Skipper vom Segler-Club Gothia in Berlin.

Kein Durchkommen in Königs Wusterhausen. Urlaubskater? Niemals! Sylvia und Bernd Schmoldt strahlen wie die Sonne auf ihre "Aida piccola", ein Acht-Meter-Delanta 80, Jahrgang 1977. "Der Weg ist das Ziel bei solchen Urlauben", sagt er, 58Jahre. "Und irgendwann fährt man wieder nach Hause." Kurze Pause. "Wenn man kann."

Noch bis zum späten Sonnabend streiken die Schleusenwärter in Berlin und Brandenburg. Für Freizeitkapitäne geht nix mehr. Polizei, Feuerwehr und andere Notfall-Wasserfahrer dürfen ‒ ausnahmsweise. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi hat zum Streik aufgerufen. Das Stoppschild für Sylvia und Bernd Schmoldt haben in Neue Mühle Axel Firmont, 38, und Uwe Schmädicke, 48, aufgehängt. Trotz Streiks sind die beiden alles andere als arbeitslos. Immerzu klingelt das Telefon. Unzählige Kapitäne wollen wissen, ob das denn wirklich stimme mit dem Streik und wie lang’s gehen soll. Schleusenwart Firmont ruht in sich wie ein Psychotherapeut: "Die Schleuse Neue Mühle." Pause "Genau, richtig, ja, wir streiken." Pause "Haben wir leider nicht, tut mir leid." Firmont setzt einen ungläubigen Blick auf, nachdem er aufgelegt hat, als hätte man ihm am anderen Hörerende gerade einen Hunderter fürs Durchschleusen angeboten.

Aber Firmont und sein Kollege Schmädicke lassen nicht mit sich reden, auch wenn sie einem Paddelbootfahrer schon mal beim Umsetzen helfen. Der Streik soll doch wehtun. Der Adressat: Peter Ramsauer, Bundesverkehrsminister und oberster Chef der Schleusenwärter. Der CSU-Minister will die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung umkrempeln. Heißt: Stellenabbau, Mehrarbeit, Versetzungen. Monatsweise kommen andere zu Schleusenwart Firmont, um auszuhelfen. Schmädicke, eigentlich Streckenarbeiter und seit 1989 im Geschäft, nennt das "Lückenfüllerei". "Wir kriegen immer mehr Aufgabengebiete." Als Streckenarbeiter kümmert er sich um Schilder und Wegmarkierung, geht auf Baumschau. Wenn Schmädicke an der Schleuse arbeitet, fehlt er anderswo.

"Dieser Betrieb wird bestreikt!", prangt es gut lesbar auf mehreren Schildern im Schleusenvorhafen. "Das ist mehr als nur ein Fingerzeig, dass wir uns nicht alles gefallen lassen", sagt Firmont. Streiks hat es immer wieder gegeben, aber an einen dreitägigen Ausstand können sich Firmont und Schmädicke nicht erinnern.

Die meisten Freizeitkapitäne reagieren so gelassen wie die Berliner Sylvia und Bernd Schmoldt. "Das ist legitim", sagt sie, 55 Jahre. Dennoch waren die beiden verwirrt: Für sie sei bis zuletzt unklar gewesen, ob Neue Mühle auch bestreikt werde. "Wir haben uns am Vortag erkundigt", sagt Sylvia Schmoldt. Der Urlaub ist für die Skipper mit 15 Jahren Segelerfahrung jedenfalls nicht zu Ende. Eine Woche wollen sie sich für ihren Törn noch Zeit lassen. Wenn’s mit dem Scharmützelsee nichts wird, geht’s halt weiter zum Müggelsee. "Wir wären essen gegangen, hätten einen Liegeplatz bezahlt ‒ das geht schon verloren", sagt Sylvia Schmoldt. Ebbe in der Kasse ‒ vielleicht nicht beim Bundesverkehrsminister, aber bei manchem regionalen Touristiker.

Von Bastian Pauly

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