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Dahme-Spreewald Sie ist mehr als nur ein Beckenrandsheriff
Lokales Dahme-Spreewald Sie ist mehr als nur ein Beckenrandsheriff
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12:11 07.05.2016
Mandy Jasker im Wildorado. Quelle: Melanie Höhn
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Wildau

„Like ice in the sunshine“ dröhnt am Morgen aus den Lautsprechern im Wildorado, und die Sonne scheint in die große Schwimmhalle, als Mandy Jasker gerade ihren Aqua-Cycling-Kurs gibt. „Einmal aufrecht radeln und dann in die Schwebe mit Tempo drei“, sagt die Fachangestellte für Bäderbetriebe zu den acht Teilnehmern und will sie damit zu Höchstleistungen motivieren. Mit ihrem Job im Wildauer Wildorado hätte ihr nichts Besseres passieren können, sagt die 33-Jährige. Doch immer weniger junge Menschen entscheiden sich für die Ausbildung, dabei ist ihre Berufsgruppe stark nachgefragt.

Erst über Umwege schlug Mandy Jasker diese Laufbahn ein, erzählt sie: „Als ich jünger war, hatte ich diese Tätigkeit gar nicht auf dem Schirm.“ Ursprünglich machte sie eine Ausbildung zur Hotelfachfrau im Zeuthener Seehotel, doch die Annonce des Wildorado erregte Aufmerksamkeit bei der zierlichen Frau. So stieg sie dort zunächst im Service ein, entdeckte aber schnell ihre Liebe zum Wasser und arbeitete mehr als vier Jahre lang als Rettungsschwimmerin bei der Wasserwacht. „Dort habe ich ein Gefühl für Wasser bekommen“, erinnert sie sich. Ein Crashkurs bildete sie anschließend zur Fachkraft für Bäderbetriebe aus. In dieser Funktion arbeitet sie im Wildorado seit drei Jahren und könnte glücklicher nicht sein, wie sie sagt: „Es ist mein Traumberuf. Mein Alltag ist sehr abwechslungsreich, und ich mag den Kundenkontakt.“ Mit ihren Kollegen wechselt sie sich im stündlichen Rhythmus zwischen Badaufsicht, Kursleitung und Saunaaufguss ab.

Große Verantwortung

Inzwischen kennt sich die Wil­dauerin im Bereich Schwimm- und Bädertechnik, Wasseraufbereitung, Erste Hilfe und Rettungswesen bestens aus. Schon oft hat sie Leben gerettet, ihr Job ist mit viel Verantwortung verbunden. Langeweile kommt in ihrem Alltag so gut wie nicht vor: „Es fängt an beim Pflasterkleben, manche Badegäste werden ohnmächtig oder rufen aus dem Wasser, dass sie nicht schwimmen können.“ Vor allem am Wochenende muss sie hochkonzentriert arbeiten, da dann viele Eltern mit ihren Kleinkindern das Bad besuchen. „Es ist wichtig, immer hundertprozentig fit und ausgeschlafen zu sein, weil eben eine große Verantwortung daran hängt“, sagt sie. Ihr Ziel ist es, Kinder noch vor dem Sprung ins Wasser mit Schwimmflügeln auszustatten und mit den Eltern über die Schwimmfähigkeiten der Kleinen zu sprechen. „Wenn ich meinen Job ordentlich mache, darf es nicht so weit kommen, dass etwas passiert“, sagt Jasker, die auch in ihrer Freizeit gerne schwimmen geht und Kurse von Kollegen besucht, um sich fit zu halten. Mit der großen Verantwortung kommt sie gut klar, es macht sie stolz, für andere da sein zu können. Ab und zu fungiert sie auch als Schlichterin zur Konfliktlösung, denn manchmal passiert es, dass Schwimmgäste sich gegenseitig behindern.

Mandy Jasker in Aktion: Regelmäßig gibt sie im Wildorado einen Aqua-Cycling-Kurs Quelle: Höhn

Das positive Feedback, etwa nach einem Aufguss oder einem Aqua-Kurs, gibt ihr viel zurück, resümiert sie. In Wildau ist Mandy Jasker inzwischen bekannt, Kinder erkennen sie bei Rewe oder sprechen sie bei der Walpurgisnacht an. In ein größeres Bad wechseln würde sie nicht: „Ich mag es sehr, dass es hier so familiär ist. Wir haben überwiegend die gleichen Gäste und ich kenne viele persönlich.“

Ein Beruf mit Herausforderungen

Die Wildauerin muss oft arbeiten, wenn andere Freizeit oder Wochenende haben, daran hat sie sich gewöhnt und plant viel im Voraus. Zwei Wochenenden im Monat hat sie frei, an den anderen wechselt sie sich in Früh- und Spätschichten mit ihren Kollegen ab. Wichtig ist für sie, dass sich alle aufeinander verlassen können. Sie sind ein Team.

Doch nicht alle potenziellen Auszubildenden sehen das so wie Mandy Jasker. Die Arbeitszeiten sind für den Geschäftsführer des Wildorado, Klaus-Dieter Kurrat, ein Grund für das abnehmende Interesse an dem Beruf. Er ist immer auf der Suche nach geeigneten Fachkräften. Oft tauscht er sich mit anderen Badbetreibern in Berlin und Brandenburg aus – das zentrale Thema ist immer der Mangel an Personal, untereinander werden die Bewerbungen weitergereicht. Kurrat glaubt auch, dass die große Verantwortung viele abschreckt, den Beruf zu ergreifen. „Es gibt eine permanente Aufsichtspflicht“, weiß er und fügt hinzu: „Bei 32 Grad Celsius und hoher Luftfeuchtigkeit arbeiten, gefällt auch nicht jedem, das kann auch eine Kreislaufbelastung sein.“

Trotzdem ist er davon überzeugt, dass das Berufsbild hochinteressant ist. „Das klassische Klischee des Beckenrand-Sheriffs stimmt nicht mehr“, so Kurrat, dessen Bad den Schulunterricht von 25 Schulen, 14 Kindergärten und fünf Vereinen aus dem Umkreis absichert. „Als Fachangestellter für Bäderbetriebe kann man aktiv und sinnvoll an der Freizeitgestaltung anderer Leute teilnehmen, dazu gehört eine Menge an Wissen über Sportpädagogik und Psychologie.“

Von Melanie Höhn

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