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Dahme-Spreewald Solarenergie für die Savanne
Lokales Dahme-Spreewald Solarenergie für die Savanne
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14:15 04.08.2016
Aufbau im Modell: Die mobile Solaranlage kann genutzt werden, um beispielsweise Lehmsteinpressen anzutreiben. Quelle: Karen Grunow
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Wildau

An der Technischen Hochschule Wildau beschäftigt sich René von Lipinski derzeit mit Projekten zu Industrie 4.0, also mit der Produktion der Zukunft. Bald aber wird er gewissermaßen in die Vergangenheit reisen, in ein Land, in dem ein Großteil der Bevölkerung noch ohne Strom leben muss. Denn er hat für Togo, eines der ärmsten Länder der Welt, einen Photovoltaikgenerator entworfen, der als mobiler Energielieferant eingesetzt werden kann. Damit können etwa Lehmsteinpressen betrieben werden. „Es geht darum, den Menschen überhaupt erst einmal elektrische Energie zur Verfügung zu stellen“, sagt er.

René von Lipinski hat das System im Rahmen seiner 2013 realisierten Masterarbeit entwickelt, mit seinem Konzept gehörte er 2014 zu den Preisträgern des vom Verein Deutscher Ingenieure (VDI) Berlin-Brandenburg ausgeschriebenen Wettbewerbs „Mensch und Technik“. Seine Arbeit wurde damals gemeinsam mit einem ebenfalls an der TH entstandenen Projekt von Markus Richter prämiert, der als Geschäftsmodell für Togolesen eine transportable und mit Solarenergie betriebene Handyladestation entworfen hatte.

Idee wird verwirklicht

Nun endlich kann von Lipinskis Idee Wirklichkeit werden. Angeregt worden war das Thema seiner Abschlussarbeit durch Jörg Reiff-Stephan. Der TH-Professor für Automatisierungstechnik engagiert sich seit einigen Jahren im Verein Deutsch-Afrikanische Zusammenarbeit, kurz DAZ.

Der westafrikanische Staat Togo, der sich vom Golf von Guinea zwischen Ghana und Benin tief ins Kontinentinnere zieht, ist sonnenverwöhnt. „Eine noch ungenutzte Energiequelle“, sagt Reiff-Stephan. Solartechnik koste heute nicht mehr viel, wichtig aber sei, dass die Technik vor Ort richtig betreut werde.

Kooperieren werden die Experten in Togo erst einmal mit acht entsprechenden Handwerksbetrieben. 20 Dörfer sollen mit der Photovoltaikanlage zunächst angefahren werden. „Die Menschen dort sollen sensibilisiert werden für die Technologie“, erklärt Reiff-Stephan. Die Mitarbeiter in den Betrieben werden geschult, lernen den Aufbau des Systems kennen und wie es gewartet werden muss. Das Projekt ist Hilfe zur Selbsthilfe, betont er. Der Verein DAZ koordiniert es.

„Es soll bis Ende des Jahres abgeschlossen sein“, sagt Reiff-Stephan. Wenn alles so läuft wie erhofft, können von Lipinski, er und weitere Helfer im Oktober nach Westafrika reisen. Ein Teil der benötigten Materialien wird vor Ort gekauft, einiges jedoch wird hier angeschafft.

Container geht auf die Reise

„Wir werden in den nächsten zwei Wochen hoffentlich den Container auf die Reise nach Togo schicken“, so Reiff-Stephan. Er kam schon vor seiner Wildauer Zeit mit dem Verein in Kontakt. Reiff-Stephan lehrte an der Kunsthochschule Weißensee im Bereich Produktdesign, als die Anfrage kam, mit Studierenden für das Projekt „Honig der Savanne“ passende Verpackungen für die Erträge der vielen Imker zu entwerfen. „Das war vor etwa sieben Jahren“, erinnert er sich. 2011 dann wurde er an die TH Wildau berufen. Hier begann er, sich intensiver mit der Arbeit des Vereins zu befassen, realisierte erste Projekte mit seinen Studenten.

Was ihm bei der Arbeit des Vereins gefällt: „Es kommt richtig bei den Leuten an“, sagt er. „Hauptaugenmerk ist, dass wir Bildung und Ausbildung unterstützen.“ Zu den Projekten des Vereins vor Ort gehören Schulbauten, einige davon sind bereits mit Photovoltaik ausgestattet worden. Der aus Burkina Faso stammende Architekt Francis Keré, der in seinem Heimatland bereits Schulen errichtet hat und das einst von Christoph Schlingensief initiierte Operndorf in Burkina Faso konzipierte, hat einige der Schulen für den DAZ entwickelt. Gemeinsam mit der TH Wildau wollen die Mitglieder des Vereins in einigen Jahren auch das Prinzip des dualen Studiums nach Togo bringen. „Die TH ist immer dabei“, sagt Reiff-Stephan, wenn er über seinen Einsatz für die DAZ-Projekte spricht.

Für René von Lipinski wird die nun bald anstehende Reise nach Togo der erste Trip in jenes Land werden, in dem die Menschen ein durchschnittliches Jahreseinkommen von knapp 100 Euro haben. Seine Vision ist, dass mit der mobilen Solaranlage auch angeregt wird, dass die Menschen in den Dörfern oder die verschiedenen Betriebe solche Photovoltaikgeneratoren gemeinschaftlich anschaffen und nutzen. So eröffnen sich auch neue Berufsfelder.

Von Karen Grunow

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