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Dahme-Spreewald Staatsanwalt fordert Haftstrafen
Lokales Dahme-Spreewald Staatsanwalt fordert Haftstrafen
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19:51 09.07.2015
Oberstaatsanwalt Detlef Hommes bei seiner Schlussrede. Quelle: Andrea Müller
Cottbus

Ein über fünf Jahre währendes Verfahren wird voraussichtlich am Freitag vor dem Landgericht Cottbus mit dem Urteil für die Angeklagten im MAWV-Prozess enden. Die Vorwürfe gegen Wilfried Gromotka, ehemaliger Geschäftsführer des Rohrleitungs- und Anlagenbau Königs Wusterhausen (RAKW), den Ex-Vorsteher des Märkischen Abwasser- und Wasserzweckverbandes (MAWV) Wolf-Peter Albrecht und den aus Halbe kommenden Bauunternehmer Frank Kidszun lauten Bestechung, Bestechlichkeit und Vorteilsnahme bei Bauvorhaben am Hauptstadtflughafen BER. Am Donnerstag hielten sowohl die Staatsanwaltschaft als auch die Verteidigung ihre Plädoyers.

Während Oberstaatsanwalt Detlef Hommes Freiheitsstrafen für alle drei Angeklagten forderte – nämlich für Albrecht drei Jahre Haft, für Gromotka zwei Jahre, neun Monate und für Kadszun zwei Jahre, drei Monate – plädiert die Verteidigung in allen drei Fällen für Freispruch, Bewährung beziehungsweise Geldstrafen. Hommes baute in seiner Schlussrede auf das Plädoyer auf, welches in dem Prozess bereits im April gehalten wurde, berücksichtigte jedoch die neuen Erkenntnisse der Beweisführung, die damals noch einmal aufgenommen worden war, um weitere Zeugen zu vernehmen. Der Oberstaatsanwalt sah die in der Anklage erhobenen Vorwürfe als erwiesen an, so dass sich das Strafmaß im Vergleich zum April nicht veränderte.

Albrechts Anwalt fordert Bewährungsstrafe

Anschließend ergriff Lucian Krawczyk, Verteidiger für Wolf-Peter Albrecht das Wort. In seinem weit über eine Stunde dauernden Plädoyer suchte er die Anklage Punkt für Punkt zu entkräften. Er sah es als erwiesen an, dass Albrecht keinerlei Einfluss auf das Vergabeverfahren gehabt hat. Dies sei dem Vergabeausschuss vorbehalten gewesen. „Das haben alle Zeugen so bestätigt“, führte Krawczyk aus. Auch was die angeblichen Bargeldzahlungen von Gromotka an Albrecht für dessen Haus angeht, konnte Krawczyk durch zeitliche Auflistung nachweisen, dass die Geldentnahmen von Gromotka aus der Kasse von RAKW mit den Barzahlungen von Albrecht für sein Haus keinerlei Zusammenhang haben können. Ebenso sei es, so der Anwalt, mit den Geschäftsessen. Unterm Strich forderte die Verteidigung Albrechts, die Strafe auf Bewährung auzusetzen.

Am Nachmittag ergriff Rechtsanwältin Silvia Wüst für ihren Mandanten Frank Kidszun das Wort. Sie sagte, dass es keine Gegenleistung von Albrecht an Kidszun gegeben habe, dafür, dass dieser die Firma des Bauunternehmers weiter empfohlen hatte. Kidszun habe zu dem Zeitpunkt versucht, für sein Unternehmen den Hochbau als neues Betätigungsfeld zu erschließen. Dies sei höchstens als Vorteilsnahme zu werten. Da dies aber privat passiert sei, sei dies weder als Vorteilsnahme noch als Bestechung zu werten. Für Wüst blieb schließlich nur noch der Vorwurf der Urkundenfälschung gegen ihren Mandaten übrig. Deswegen plädierte sie für eine Geldstrafe von 50 Tagessätzen a 50 Euro.

Gromotkas Verteidiger zerreißen das Plädoyer des Staatsanwalts

Die Verteidigung von Wilfried Gromotka hatten die Anwälte Jan Book und Robert Unger übernommen. Book zerriss geradezu das Plädoyer der Staatsanwaltschaft, sprach von Beweisen, die keine seien, von einem „Zirkelschluss“ stattdessen und behauptete, die Staatsanwaltschaft hebe in ihrem Plädoyer lediglich auf Sprüche ab wie etwa „Geschenke wecken Begehrlichkeiten.“ Sein Kollege ging schließlich noch einmal konkret auf die einzelnen Vorwürfe ein und kam zu dem Schluss, dass lediglich zwei Anklagepunkte Bestand hätten. Dabei geht es um den Einbau von Sanitäreinrichtungen in das Haus des Ex-MAWV-Chefs Albrecht und ein Essen in der „Bleiche“, beides mit einem Wert von zusammen knapp 8000 Euro. Auf dieser Grundlage sei keine andere Strafe möglich, so Unger, als eine Geldstrafe, deren Höhe das Gericht festzulegen habe.

Reue im letzten Wort

Das letzte Wort hatten die drei Angeklagten, von denen Wolf-Peter Albrecht zuerst sprach. „Ich bereue, was ich getan habe“, sagte er. Er entschuldigte sich bei seinen Mitarbeitern im MAWV, aber vor allem auch bei seiner Familie, die durch den Prozess und vor allem durch die Untersuchungshaft deutliche Einschnitte im Leben habe hinnehmen müssen. Frank Kidszun wollte den Worten seiner Anwältin nichts hinzufügen. Wilfried Gromotka spach wie Albrecht von tiefer Reue und davon, schwere Fehler begangen zu haben.

Am Freitag wird der Vorsitzende Richter Stefan Fiedler voraussichtlich das Urteil sprechen.

Von Andrea Müller

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