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05:17 21.09.2016
Sidou Diédhious Haus böte Platz für eine große Familie. Die Arbeit am Modell ist eine handwerkliche Herausforderung. Quelle: Karen Grunow
Genshagen

„Ein Zimmer hier, ein Zimmer hier.“ Masoud Mohammadi zeigt auf die Fenster des Hauses, das er binnen drei Tagen gebaut hat. Die Tür hat er mit einem Rautenmuster dekoriert, das sich auf der Rückseite auch als Fassadenschmuck wiederfindet. Auffällig ist das Dach, das er aus schmalen Holzlatten zusammengesetzt hat: In der Mitte wölbt es sich nach oben. „Das ist gut für die Luftzirkulation“, erläutert Abuzer Güler. Der Berliner Künstler leitet derzeit gemeinsam mit Jana Barthel bei der Stiftung Genshagen ein Projekt, bei dem in Genshagen lebende Geflüchtete Modelle ihrer (Traum)Häuser bauen.

Vor dem Zofenhaus am hinteren Ende des Parks des Genshagener Schlosses, in dem die Stiftung beheimatet ist, wird geschraubt, gesägt, geschnitten, geklebt, gezeichnet, gelacht. Hamidi Mirwais hat auf ein Blatt eine wunderbare Fassade gezeichnet, das Dekor ist aufwendig, akkurat werden mit feinen Messern aus der festen Pappe viele winzige Öffnungen herausgeschnitten. Drei der Außenmauern stehen bereits auf der Grundplatte, die in Arbeitshöhe auf einem Tisch positioniert ist. Nun wird die Seite mit dem reichen Muster vorgesetzt. Hamidi Mirwais guckt erst skeptisch, vergleicht das Ergebnis mit der Zeichnung. Dass diese Pappseite in zwei Teile zerschnitten wurde, gefällt ihm noch nicht so recht. Jana Barthel erklärt ihm, dass es notwendig war, damit die Fassadenelemente gut am Haus verklebt und stabil werden können. Nun nickt der junge Afghane, lächelt und sagt: „Übermorgen ist es fertig!“

Projekt „Casa mia“

„Casa mia“ heißt das Projekt, das von dem Berliner Jugend-Kunst-und-Kulturhaus „Schlesische 27“ in Kooperation mit „raumlaborberlin“ initiiert worden ist. Nicht nur in Genshagen wird derzeit gewerkelt. In mehreren Berliner Kulturzentren, Flüchtlingsunterkünften und Schulen wurden solche Modellbauwerkstätten eingerichtet. Bis ins nächste Jahr hinein werden dort Workshops veranstaltet, in denen Geflüchtete Hausvisionen im Maßstab 1:10 entwerfen. „Es werden hunderte Objekte entstehen“, sagt Abuzer Güler. Im kommenden Frühjahr wird es dann in Berlin eine Ausstellung aller Hausmodelle geben. „Sie sollen zu einer Stadt zusammengefügt werden“, erläutert Linda Weichlein von der Stiftung Genshagen. Eine Stadt der Erinnerung und der Zukunft gewissermaßen, denn einige der Häuser werden denen gleichen, in denen die Erbauer früher in ihren Heimatländern gelebt haben. Andere dagegen sind Visionen, verschmelzen das früher Gesehene mit dem heute Erlebten, sind inspiriert von Palästen oder Hochhausbauten.

Sidou Diédhiou hat sogar das Innere seines Hauses konzipiert. „Schau mal“, zeigt er durch das dreieckige Giebelfenster in die obere Etage, „da sind fünf Zimmer, ein Bad. Und hier ist die Treppe.“ Er geht an die Längsseite und deutet ins Erdgeschoss. Eine kleine Tür gibt es noch an der Giebelseite, sie ist aber nicht der Eingang. „Eine Tür zum Garten“, sagt Sidou Diédhiou und schaut dabei in den Park. Wo dieses Haus stehen könnte? Er überlegt. „Vielleicht in Siethen.“ Ihm gefalle es dort mit dem vielen Wasser, erklärt er. Wenn er sein Haus beschreibt, dann erläutert er es auch, stellt sich vor, wie er abends in seinem Garten am Wasser sitzt, jedes Kind hat ein eigenes Zimmer, und unterkellert ist das Haus auch, denn er möchte Platz haben. Früher, erzählt der aus dem Tschad stammende junge Mann, habe er als Maurer gearbeitet. Nun bei dem Genshagener Workshop fügt er nicht Ziegel auf Ziegel, sondern bastelt passgenaue puppenstubenwinzige Fenster aus fester Plastikfolie. „So kleinteilig habe ich noch nie gearbeitet“, sagt er lächelnd.

Häuser aus Obstkisten

Bis zu acht Teilnehmer hat die Genshagener Modellbauwerkstatt, noch bis Freitag entstehen dort Häuser aus alten Obstkisten, Bauresten, Pappe, Sperrholz, Drahtgittern. „Alle Materialien sollen sichtbar sein“, erläutert Abuzer Güler, der Maler und Grafiker ist und sich seit vielen Jahren in Projekten der „Schlesischen 27“ engagiert.

Dieses Jugend- und Kulturzentrum in Berlin-Kreuzberg wurde 1982 durch Christel Hartmann-Fritsch aufgebaut, die seit 2009 Geschäftsführerin  des  Bereichs „Kunst- und Kulturvermittlung in Europa“ der Stiftung Genshagen ist. So ergeben sich vielversprechende Synergien.

„Kulturelle Bildung ist immer auch interkulturelle Bildung“, benennt Christel Hartmann-Fritsch das Anliegen der Stiftung, sich zunehmend auch für Kulturprojekte für Geflüchtete einzusetzen und einige selbst zu veranstalten. Parallel zu „Casa mia“ wird es dieser Tage auch eine Tagung geben im Schloss: „Das visionäre Potenzial der Kunst – Kunst und Kulturelle Bildung im Kontext von Flucht, Ankommen und Zukunftsgestaltung“ heißt diese als Laborwerkstatt bezeichnete Veranstaltung. Dabei werden auch konkrete, zum Teil jetzt schon im Schlosspark sichtbare künstlerische Perspektiven vorgestellt. Die Hausbauwerkstatt im Zofenhaus wird dann ebenfalls präsentiert. Denn Masoud Mohammadis architektonische Erinnerung an Afghanistan und die Häuser der anderen Teilnehmer des Projektes zeigen einen so spannenden wie für alle Seiten lehrreichen Weg, über die Kunst miteinander in Kontakt zu treten.

Von Karen Grunow

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