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Dahme-Spreewald „Ständig angehupt“: Was man als Fahrlehrer erlebt
Lokales Dahme-Spreewald „Ständig angehupt“: Was man als Fahrlehrer erlebt
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21:09 23.11.2017
Rainer Sydow ist seit 40 Jahren Fahrlehrer in der Gemeinde Heidesee. Quelle: Gerlinde Irmscher
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Potsdam

Rainer Sydow (61) aus Friedersdorf (Dahme-Spreewald) arbeitet seit 1977 als Fahrlehrer. 1990 machte er sich selbstständig mit seiner Fahrschule in Heidesee. Im MAZ-Interview erzählt er über Drängler, Druck von außen und Delikatessen für den Fahrlehrer.

Herr Sydow, leiden Sie mit, wenn Ihre Schüler durch die Prüfung fallen?

Ja, selbstverständlich! Es tut immer weh, wenn ein Fahrschüler durch die Prüfung fällt.

Was macht Fahrschüler vor einer Prüfung besonders nervös?

Das Schlimmste, was Fahrschülern passieren kann, ist Druck von außen, von Freunden und Verwandten. Ich kann mich sogar an einen Fall erinnern, in dem der Arbeitgeber Druck auf eine Fahrschülerin ausgeübt hat. Sie war noch in der Probezeit ihrer Ausbildung, als der Betrieb Stress machte, ihr würde gekündigt, wenn sie den Führerschein nicht vor Beendigung der Probezeit bestehe. Dadurch hatte sie so einen Druck dahinter, dass sie anschließend durch die Prüfung gefallen ist. Ich habe dann mit dem Betrieb gesprochen, dass das so nicht in Ordnung ist.

Treten Sie als Fahrlehrer in solchen Situationen „auf die Bremse“?

Ja, indem ich keine Prüfungen mehr unter solchen Drucksituationen mache. Viele wollen genau am 18. Geburtstag oder zu Weihnachten eine Prüfung fahren, um dann der ganzen Familie den Führerschein zeigen zu können. Ich erinnere mich an die Fahrstunden mit einer älteren Dame. Sie wollte ihrem Mann zu Weihnachten ihre Fahrerlaubnis schenken, um ihn und ihre Kinder zu beeindrucken. Da hab ich aber nicht mitgespielt. Das wäre wegen des zu großen Drucks sicher in die Hose gegangen. Ihre Prüfung hat sie dann zwei Wochen später gemacht – und bestanden.

Beim Thema Autofahren meint jeder, mitreden zu dürfen. Was halten Sie davon?

Gut gemeinte Tipps oder Sprüche von der Familie kommen nicht gut an. Gerade die Großeltern sagen gern, sie hätten die Fahrschule in fünf, sechs Sitzungen durchgerattert. Und raten dem Enkel dann, einfach ruhig zu bleiben und besonders langsam zu machen. Da kommt dann auch hinzu, dass man in der Prüfung nicht anders fahren soll als während der normalen Fahrstunden. Einer meiner Fahrschüler hatte den Rat seines Großvaters aber zu wörtlich genommen. Er fuhr die gesamte Prüfung über viel zu langsam, auch nachdem ihn der Prüfer mehrfach aufforderte, das Tempo zu erhöhen. Daher fiel er durch.

Woran liegt es, dass manche Fahrschüler selbst mehrfach ihre Prüfung nicht bestehen?

Meistens ist es Nervosität. Wenn die Schüler hektisch werden, können sie sich nicht mehr konzentrieren und dann machen sie natürlich viel mehr Fehler, als wenn sie ruhig bleiben.

Was sind denn die häufigsten Gründe, dass die Prüfungen nicht bestanden werden?

Auf jeden Fall die ungenügende Verkehrsbeobachtung. Ob beim Fahrstreifenwechsel oder beim Abbiegevorgang, egal, ob in der Stadt, auf der Landstraße oder Autobahn, wenn da nicht richtig geguckt wird, kann das ganz böse enden.

Beschweren sich Eltern bei Ihnen?

Ab und zu schon. Sie bekommen aber nur Auskunft, bis die Kinder volljährig sind, danach darf ich nichts mehr sagen. Es gab eine Schülerin, die wegen des Überfahrens eines Stop-Schildes durchgefallen war. Abends rief mich ein Vater an, der völlig außer sich war. Er beleidigte mich und drohte, die Fahrschule wegen Geldschneiderei zu verklagen. Ihm habe ich geraten, er solle mal ins Fehlerprotokoll der Tochter sehen. Eine Stunde später rief er noch einmal an und entschuldigte sich bei mir.

Gibt es Situationen, die Sie als Fahrlehrer auf die Palme bringen?

Eigentlich nicht. Nur ein einziges Mal saß ich an der Seite einer Schülerin, die ununterbrochen über andere Verkehrsteilnehmer geschimpft hat. Ihr habe ich klargemacht, dass das so nicht geht.

Wie reagieren Sie, wenn jemand hinter ihrem Fahrschulwagen ungeduldig wird?

Es passiert ständig, dass wir angehupt werden. In solchen Fällen habe ich einen Spruch für die anderen Verkehrsteilnehmer. Wenn einer meiner Fahrschüler zum Beispiel den Motor an einer Ampel abwürgt und der Hintermann ungeduldig hupt, dann sage ich meinem Fahrschüler: Steig aus, lauf nach hinten und bitte den anderen Autofahrer: „Starten Sie doch bitte das Auto für mich neu, ich kriege es nicht hin. Ich biete Ihnen auch an, solange weiter zu hupen.“ Danach hupen sie nie wieder! (lacht)

Darf man bei Ihnen im Auto eigentlich trinken oder essen?

Nein, während der Fahrt ist das natürlich nicht erlaubt. Aber vor etlichen Jahren haben zwei 18-jährige Fahrschülerinnen während einer gemeinsamen Überlandfahrt um eine Pause gebeten und dann ganz überraschend einen Picknickkorb aus dem Kofferraum gezaubert. Das war toll!

Was ist das Gefährlichste im Straßenverkehr?

Das sind definitiv die Geschwindigkeitsüberschreitungen! Durch Raserei kommt man nicht mehr um die Kurve, fährt automatisch zu dicht auf, dadurch ist auch der Bremsweg länger und schon haben wir ein Problem. Geschwindigkeitsdelikte sind die Hauptunfallursache.

Was sagen Sie zum Klischee, Frauen können nicht einparken?

Das mit dem Einparken ist Quatsch. Da sind weder die Jungs noch die Mädchen besser. Alle üben das mit mir und dann klappt das.

Von Josefine Kühnel

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