Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 8 ° Sprühregen

Navigation:
Steinchen um Steinchen

Schulzendorf Steinchen um Steinchen

Elisabeth Jeske ist für ihre Verdienste als Mosaizistin im Jahr 2000 zur Ehrenbürgerin von Schulzendorf ernannt worden. Sie wäre am 8. August 95 Jahre alt geworden. In ihrer Werkstatt in der Karl-Liebknecht-Straße wohnt heute ihr einstiger Schüler Helmut Mencke. Er kam Mitte der 1970er-Jahre in die Werkstatt, die bis heute vom Leben und Schaffen der Mosaizistin erzählt.

Schulzendorf 52.3589937 13.5963632
Google Map of 52.3589937,13.5963632
Schulzendorf Mehr Infos
Nächster Artikel
Wie die Zukunft wird, wissen wir nicht

Die Jungebloedt/Jeske-Werkstatt in der Schulzendorfer Karl-Liebknecht-Straße. Hier wohnt heute Helmut Mencke, der viele Jahre Jeskes Mitarbeiter war und sie nach ihrem Tod fortführte.

Quelle: Andrea Müller

Schulzendorf. Helmut Mencke sitzt über ein Mosaik gebeugt und fügt Steinchen für Steinchen in das Bild. Es heißt „Elisabeth“ und es ist nicht irgendeine Frau. Es ist Elisabeth Jeske, Ehrenbürgerin von Schulzendorf, bekannte Mosaizistin mit einer schier unzählbaren Anzahl von Werken. Sie wäre am 8. August 95 Jahre alt geworden.

Elisabeth Jeske ist in Berlin geboren und kam 1940 – mit Anfang 20 – in die „Zauberburg“. So nannte man die Mosaikfabrik von Puhl und Wagner, dessen künstlerischer Leiter Heinrich Jungebloedt war. Er wurde ihr Herr und Meister, brachte der jungen Frau bei, wie man sich den Mosaiken nähert nach dem Prinzip teile und herrsche. Treffender kann man die Arbeit eines Mosaikkünstlers kaum beschreiben, müssen doch zunächst aus grobem Material die Mosaiksteinchen gelöst werden, um sie dann wieder zu einem großen Ganzen zusammen zu setzen.

Der Mosaikkunst zugewandt

Nach dem Krieg verließen Jungebloedt und Jeske die Fabrik, um sich in eigener Werkstatt nicht mehr der Produktion von Mosaiken, sondern der Mosaikkunst zu widmen. Die Werkstatt wurde im Elternhaus von Elisabeth Jeske errichtet. Es befindet sich in der Schulzendorfer Karl-Liebknecht-Straße. Mosaike an der Wand weisen auf die einstige Werkstatt hin, in der Jeske bis zu ihrem Tod im Jahr 2002 gewirkt hat. „Es ist fast unmenschlich, was Heinrich Jungebloedt und Elisabeth Jeske in ihrem Leben geschaffen haben“, sagt Klaus Schädel, Ortschronist in Schulzendorf.

Tatsächlich ist ihr Werk äußerst umfangreich. Neben eigenen Mosaiken haben sie – nach dem Tod von Jungebloedt 1976 hat Elisabeth die Arbeit allein und später mit ihrem Schüler Helmut Mencke weitergeführt – auch wertvolle Mosaiken restauriert. Dazu gehört die Ravenna-Kuppel im Bode-Museum in Berlin, die Mosaiken im Berliner Dom und im Paul-Gerhardt-Haus in Mittenwalde. Weitere Werke sind Mosaike am Rathaus in Eisenhüttenstadt, am ehemaligen Staatsratsgebäude der DDR in Berlin, im Sportforum Weißensee, in der Röntgenklinik im Klinikum Buch, in der Sport- und Mehrzweckhalle sowie in Kindergärten in Schulzendorf, Eichwalde und Schwedt.

Auch in der Kirche von Schulzendorf ist eines ihrer Mosaike zu finden. Zwei Mosaike befinden sich in Schulzendorf auf dem ehemaligen Datschen-Grundstück von Jungebloedt und Jeske. Noch immer ist ungeklärt, ob sie gerettet werden können, da das Grundstück bereits verkauft ist und der Abriss samt der Mosaike droht. Die Liste ihrer Schöpfungen ließe sich fortsetzen.

Eine besondere Frau

„Elisabeth war eine besondere Frau“, sagt Mencke, der heute 70 Jahre alt und im Ruhestand ist. Bis heute bekommt er Anfragen, wenn es um komplizierte Mosaik-Restaurierungen geht. In dem Fach gibt es kaum noch Künstler oder Kunsthandwerker. „Ein Mosaik zu machen, ist oft zu teuer und langwierig“, hält Mencke eine Erklärung dafür bereit. Er bewohnt die einstige Werkstatt, in der kaum etwas verändert ist seit damals.

Die Räume haben etwas Museales. Mosaiken von Jungebloedt und Jeske hängen an den Wänden. Gleichzeitig sieht es so aus, als würden die Arbeiten sogleich fortgeführt. Material und Werkzeug liegen bereit. Es ist, als ob die Zeit eingefroren ist und doch weiterläuft. Bis heute hat Mencke die Taschenuhr der Mosaikkünstlerin aufbewahrt. „Sie zog sie nicht am Rädchen auf, sondern drehte die Uhr“, sagt ihr Schüler und macht es vor.

Es ist Sinnbild dafür, wie sie – die Künstlerin, die Arbeiterin, die Philosophin, Denkerin und Herrscherin – die Welt auf den Kopf gestellt hat, um nur einem zu dienen: der Kunst. Sie hat dafür auch auf manches verzichtet – zum Beispiel auf eigene Kinder – und doch alles bekommen: ein erfülltes Leben.

Mencke war, als er in ihrer Werkstatt anfing, so etwas wie ein Spund. „Jung und dumm“, wie Jeske zu sagen pflegte. Dabei war er damals schon ein gestandener Entwicklungs-Ingenieur in volkseigenen DDR-Betrieben in Zeuthen. „Trotzdem habe ich bis dahin noch nie so viele Rückmeldungen zu meinem Verhalten und meiner Arbeit erhalten“, reflektiert Mencke.

Der Zauberlehrling

Der Zauberlehrling entwickelte sich an der Seite der Meisterin, auch wenn er ihr manchmal den Hals umdrehen hätte können wegen ihrer Strenge und Geradlinigkeit. „Aber wenn ich nach der Arbeit mit dem Rad nach Hause fuhr, habe ich meist schon wieder gelacht“, so Mencke. Die beiden wurden ein Team wie es vorher das Gespann Jungebloedt/Jeske war. Jeske sagte einmal: „Alles, was ich über Mosaike weiß, weiß ich von Herrn Jungebloedt.“ Mencke sagt: „Alles, was ich vom Mosaik weiß, weiß ich von Frau Jeske.“ Möglicherweise war Mencke für Jeske so etwas wie ein Sohn, obwohl sie bis zum Schluss per Sie waren. Sie starb 2002 in seiner Anwesenheit.

Helmut Mencke ist fast fertig mit seinem Elisabeth-Mosaik. Steinchen um Steinchen hat sich ein Bild zusammen gefügt, das einem Traum zu entliehen scheint. Teile und herrsche – es ist auch zu seiner Lebensphilosophie geworden.

Von Andrea Müller

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Dahme-Spreewald

Wie wichtig sind Ihnen Bio-Lebensmittel?

57811e88-cc1d-11e5-9fb5-3858ea6ed044
Babys aus Oberhavel (6)

Babys aus Oberhavel, Januar/Februar 2016

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg