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Stephan Loge will Landrat bleiben

Wahl in Dahme-Spreewald Stephan Loge will Landrat bleiben

Seit acht Jahren ist Stephan Loge (SPD) Verwaltungschef in Dahme-Spreewald – und will es auch nach dem 11. Oktober bleiben. Er kandidiert erneut für den Posten des Landrats und tritt dabei gegen drei Herausforderer – darunter seinen Sozialdezernenten – an.

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Landrat Stephan Loge (SPD) nach der Kreistagssitzung am Mittwochabend in Wildau.

Quelle: Gerlinde Irmscher.

Königs Wusterhausen. Vor gut einer Woche hatte Stephan Loge ein Déjà-vu. Am Flughafen BER war aufgefallen, dass eingebaute Lüftungsventilatoren zu schwer für die Zwischendecke sind. Loges Behörde musste die Baustelle stillegen. Es war ein Montag, als die Pressemitteilung raus ging, und ab 11 Uhr klingelte Loges Handy unablässig. Presseanfragen von überall. Loges Stellvertreter waren gerade alle außer Dienst, beim Flughafenmanagement ging niemand ans Telefon, der Landrat musste den Journalisten selbst erklären, warum die Baubehörde von Dahme-Spreewald der größten deutschen Baustelle mal wieder eine Genehmigung versagt. Und er musste auch allein mit der Enttäuschung darüber fertig werden, dass beim Bau des Flughafens wohl auf niemanden Verlass ist. Und menschliche Enttäuschungen sitzen bei Stephan Loge, 56 Jahre alt und amtierender Landrat von Dahme-Spreewald, immer tief.

Es war wie damals im Mai 2012, als Loges Baubehörde die Eröffnung des Flughafens platzen ließ, und anschließend der Höllensturm losbrach. Auch damals sei er allein gewesen, erzählt er. Nur waren die Aufregung, die Sensation, das mediale Interesse damals natürlich noch ein ganzes Stück größer. Die Tage im Mai hätten sicher zu den gewaltigsten Herausforderungen in seiner Amtsperiode gehört, sagt Loge. Zumindest, was seine Fähigkeiten als Krisenmanager angeht.

Hintergrund

Der Landrat für Dahme-Spreewald wird am 11. Oktober gewählt. Es bewerben sich Birgit Uhlworm (UBL), Jens-Birger Lange (AfD), Carsten Saß (CDU) und der amtierende Landrat Stephan Loge (SPD). Sie alle wurden in der MAZ mit Porträts vorgestellt.

Beim Wahlforum der MAZ kann man die Kandidaten live erleben. Das Forum findet am Dienstag, 6. Oktober, ab 19 Uhr im Sitzungssaal des Rathauses Königs Wusterhausen statt. Ein Erscheinen um 18.30 Uhr wird empfohlen.

Sollte kein Kandidat die absolute Mehrheit bekommen und dabei mindestens 15 Prozent der Wahlberechtigten auf sich vereinen, gibt es eine Stichwahl. Dabei treten die beiden Kandidaten mit den meisten Stimmen gegeneinander an. Termin der Stichwahl ist der 8. November.

Schon wegen dieses Flughafens, weil das alles so schief ging damals, und weil so viele Hoffnungen, Erwartungen, so viele Chancen des Landkreises an diesem BER hängen, schon allein deshalb wolle er unbedingt Landrat bleiben. Er will sich für die Mittelschicht einsetzen, für neuen Wohnraum. „Ich möchte gerne die Ergebnisse dessen sehen, was wir in den vergangenen acht Jahren aufgebaut haben“, sagt er. Aber er will auch unbedingt als Landrat dabei sein, wenn dieser Flughafen endlich eröffnet wird.

Am 11. Oktober tritt Stephan Loge als SPD-Kandidat bei der Landratswahl an. Seine Kandidatur war parteiintern unumstritten. Loge bringt nicht nur die Erfahrung von acht Jahren als Verwaltungschef in Dahme-Spreewald mit, er ist auch Kreisvorsitzender seiner Partei und sitzt im SPD-Landesvorstand, wo man schon allein wegen seines Auftretens beim BER-Debakel einiges von ihm hält.

Auch seine Bilanz der vergangenen acht Jahre ist positiv: Der Kreis ist in vielen Rankings vorn dabei, er gehört zu den wirtschaftlich stärksten Landkreisen, den reichsten, denen mit der niedrigsten Arbeitslosigkeit und den größten Entwicklungschancen in den neuen Bundesländern. Die Kreisumlage ist rekordverdächtig niedrig und trotzdem kann sich der Kreis als einziger in Brandenburg selbst finanzieren. Er profitiert vor allem von der überbordenden Einnahmesituation der Gemeinde Schönefeld. Aber auch daraus muss man als Landrat erst einmal etwas machen: ein gutes wirtschaftliches Klima schaffen etwa, Sozialpakete schnüren, in die Infrastruktur investieren. Vieles davon hat der Landkreis unter Loge tatsächlich erreicht. „Und ich bin stolz, dass wir die finanzielle Lage stabilisieren konnten“, sagt Loge.

Dass ihn das Leben auf den Landratsposten führte, ist einigen Zufällen und glücklichen Fügungen geschuldet. Loge stammt aus Görlitz. In der DDR arbeitete er als Dispatcher und Fahrdienstleister bei der Reichsbahn. Als er nach der Wende – wegen Willy Brandt – in die SPD eintrat, verdonnerte man ihn bei seiner ersten Mitgliederversammlung dazu, das Amt des Beigeordneten zu übernehmen. Vier Jahre später wurde er Baubürgermeister der 40 000-Einwohner-Stadt Freital, wo er einige Jahre darauf als Oberbürgermeister kandidierte. Er scheiterte knapp und musste danach seinen Posten räumen.

Loge erzählt, wie er am 19. Januar 2002 quer durchs Land fuhr, drei Vorstellungsgespräche führte und zwei Jobs angeboten bekam. Einer war ein Dezernentenposten in Glauchau, der andere in Lübben, wo Loge den damaligen Landrat Martin Wille (SPD) unter anderem damit überzeugte, dass er – obschon Sachse – nicht sächsisch sprach. Die Entscheidung war klar, sagt Loge. Seine Großmutter hatte in Lübben gelebt, er habe die Stadt schon als Kind geliebt.

Bis 2008 blieb Loge Vizelandrat. Als es um Willes Nachfolge ging, die aufgrund der Kreistagszusammensetzung ein SPD-Mann sicher hatte, setzte er sich in einer parteiinternen Abstimmung knapp gegen Wolfgang Starke durch. Loge enthielt sich der Stimme, was ihn fast die Wahl gekostet hätte. „Aber ich wollte am nächsten Tag noch in den Spiegel schauen können“, sagt er.

Die schwierigsten Situationen der Wahlperiode kamen unvorhergesehen: der Busunfall, bei dem 2010 am Schönefelder Kreuz 13 Menschen starben; das Hochwasser 2013, als Loge Teile des Spreewalds fluten ließ, um Lübben vor den Wassermassen zu retten; das BER-Desaster und die Flüchtlingskrise, die Loge als die größte Herausforderung beschreibt. Und es gibt eine weitere große Aufgabe: die Kreisgebietsreform, die den Landkreis nachhaltig verändern könnte. An dieser Reform wolle er mitwirken, sagt Loge. Er wolle sicherstellen, dass die guten Bedingungen, die der Landkreis derzeit hat, auch in einem anderen Konstrukt noch funktionieren.

Von Oliver Fischer

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