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Streit in Wohnungsbaugenossenschaft

Wildau Streit in Wohnungsbaugenossenschaft

In der Wohnungsbaugenossenschaft Wildau gibt es Streit: Vorstand und Aufsichtsrat wollen vor allem die elektrischen Anlagen und die Heizungen sanieren und modernisieren. Einige Mieter fürchten Mieterhöhungen und wollen Vorstand und Aufsichtsrat ablösen lassen.

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An dieses Gebäude in der Wagnerstraße 18 will die Genossenschaft künftig zwölf Wohnungen anbauen.

Quelle: Franziska Mohr

Wildau. Seit Jahrzehnten trägt die Wohnungsgenossenschaft Wildau (WGW) vor allem ein Markenzeichen vor sich her: die niedrigsten Mieten in der Region. Dennoch rumort es jetzt unter den 448 Mitgliedern, und zwar gewaltig.

Hintergrund

Die Wohnungsgenossenschaft Wildau (WGW) entstand 1990 und stellt einen Zusammenschluss der drei bisherigen Arbeiter-Wohnungsbau-Genossenschaften (AWG) Wildau, Zeuthen und Niederlehme dar. Die AWG Wildau wurde bereits 1957 gegründet.

448 Mitglieder zählt die WGW derzeit. Ihr Durchschnittsalter liegt bei 68 Jahren. Das Unternehmen verfügt aktuell über 382 Wohnungen zwischen 40 bis 72 Quadratmeter und 159 Garagen.

Die durchschnittliche Kaltmiete liegt bei 4,27 Euro, die Leerstandsquote bei Null.

Die Miete für eine Garage wurde 2017 von monatlich 15 Euro auf 40 Euro angehoben.

Der Grund sind angekündigte Sanierungen, geplante Neubauten sowie Gutachten unter anderem vom Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU), die der Genossenschaft einen Rückstau bei der Instandhaltung von etwa 13 Millionen Euro bescheinigen. Bei einem Durchschnittsalter der Mitglieder von 68 Jahren findet sich im Bestand keine einzige alters- oder gar behindertengerechte Wohnung. „Unser Unternehmen ist im 60. Jahr seines Bestehens, obwohl keine Wohnung leer steht, einfach nicht mehr marktfähig“, umschreibt die seit Sommer 2016 im Amt befindliche Aufsichtsratsvorsitzende Catrin-Susann Buck die Situation. „Mit dem Schild niedriger Mieten vor dem Bauch ist hier seit über 20 Jahren kaum investiert worden“, ergänzt der technische Vorstand Carsten Kröning. Das Ergebnis seien zugesetzte Rohre und geringer Wasserdruck, Schimmel, hoffnungslos veraltete Elektroanlagen und mangelhafter Brandschutz. Aufsichtsrat und Vorstand wollen dies ändern. Das aber trifft auf den erbitterten Widerstand einiger Mitglieder.

Strangsanierung beginnt im Juli

Der Vorstand kündigte an, dass er bis Ende 2021 im gesamten Bestand die Stränge sanieren sowie moderne Heizungs- und Belüftungsanlagen einbauen lassen will. Die Kosten dafür werden Kröning zufolge auf insgesamt neun Millionen Euro geschätzt. Diese Strangsanierung soll im Juli in den Wohnungen in der Wagnerstraße 2a bis 2c beginnen.

„Mit der geplanten Sanierung schmeißt die Genossenschaft 1,5 Millionen Euro zum Fenster raus, die der teilweise erst vor drei bis vier Jahren vorgenommene Einbau von neuen Gasthermen in unseren Wohnungen kostete“, empört sich Mieterin Kerstin Fenner aus der Straße der AWG.

Gebot der Stunde

„Ihr Einbau war ein großer Fehler“, räumt der erst seit einigen Monaten im Amt befindliche Kröning in Bezug auf die Gasthermen ein. Aber wenn jetzt die Stränge in den Wohnungen geöffnet werden, müsse dies zukunftsorientiert und nachhaltig sein, auch wenn dies bedeute, erst einmal etwas rückgängig zu machen. Zukünftig gebe es eine Heizungszentrale für mehrere Blöcke, so dass die Wartungskosten minimiert werden. Die Gasthermen verschwänden aus den Wohnungen. Dies ist laut Kröning im Interesse des Brandschutzes und des hohen Alters vieler Mieter ein Gebot der Stunde.

Das sehen die Mieter Petra Späthe und Ursula Degner aus der Wagnerstraße ähnlich. „Natürlich freuen wir uns nicht darauf, tagelang im Dreck zu sitzen, aber die Sanierung ist überfällig“, sagt Petra Späthe. Es sei auch gut, das die Mieter künftig nicht mehr mit Gas umgehen müssen.

Was passiert mit der Miete?

Die Gretchenfrage aber ist, was passiert mit der Miete? Hier sichern Buck und Kröning übereinstimmend zu: „Im Zuge der Strangsanierung werden die Bewohner nicht mit einem Cent mehr Miete belastet.“ Dabei handle es sich zu 85 Prozent um Instandhaltungen, die nicht auf die Miete umgelegt werden dürfen. Und bei den verbleibenden 15 Prozent sei der bürokratische Aufwand letztlich höher als der finanzielle Nutzen. Dabei verhehlen beide nicht, dass es Mieterhöhungen geben wird. „Bei der WGW wurden die Mieten seit mehr als 20 Jahren nicht angehoben“, sagt die Aufsichtsratsvorsitzende. Die fälligen moderaten Anpassungen stünden aber in keinem Zusammenhang mit der Sanierung. Kerstin Fenner aber erwartet künftig drastische Mietsteigerungen. Sie fordert laut Satzung die unverzügliche Einberufung einer außerordentlichen Mitgliederversammlung zur Abberufung und Neuwahl eines Aufsichtsrates, weil eines der drei Mitglieder aus bisher nicht bekannten Gründen sein Mandat niederlegte. Um dieser Forderung Nachdruck zu verleihen, hat Fenner eigenen Angaben zufolge schon 151 Unterschriften gesammelt.

Mitglieder dürfen gespannt sein

Die Aufsichtsratschefin aber will die Mitglieder erst im Juni zur planmäßigen Versammlung einladen. Sie begründet dies vor allem damit, dass der Aufsichtsrat von drei auf fünf Mitglieder aufgestockt werden soll und die Stellen ausgeschrieben wurden. Qualifiziertes Personal stehe dafür aus den eigenen Reihen nicht zur Verfügung. Für Fenner, selbst in einer Hausverwaltung tätig, ist dies „für so eine kleine Genossenschaft völlig überzogen.“ Als unerhört charakterisiert sie auch die Absicht, die monatliche Vergütung der Aufsichtsratsmitglieder auf 450 Euro sowie der Aufsichtsratsvorsitzenden sogar von aktuell 300 Euro auf 600 Euro zu erhöhen. Die Genossenschaft lässt jetzt rechtlich prüfen, in welchem Zeitrahmen die Mitgliederversammlung stattfinden muss. Egal wann, auf ihren Verlauf dürfen die Mitglieder gespannt sein.

Von Franziska Mohr

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