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Streitbar, aber nicht umstritten

Kirche in Bestensee und Umgebung Streitbar, aber nicht umstritten

Franziskus Jaumann ist Pfarrer in Bestensee und Umgebung. Sein Amtsantritt war nicht leicht. Vieles lag brach. Der 35-Jährige begeistert die Menschen und holt sie zurück in die Kirche. Mit Jaumann kann man über Gott und die Welt reden. Der Mann ist streitbar, aber nicht umstritten. Schon jetzt bedauern viele, dass er in zehn Jahren wieder gehen wird.

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Franziskus Jaumann ist Pfarrer für fünf Gemeinden. Seine offizielle Dienstzeit hat gerade erst begonnen und er hat doch schon viel erreicht.

Quelle: Foto: A. Müller

Bestensee. Franziskus Jaumann, Pfarrer für Bestensee und Pätz, Gräbendorf, Prieros und Dolgenbrodt hat den Glauben an Gott und die Kirche zurück geholt in die Gemeinde. Nach längerer Vakanz ist der junge Mann – Jahrgang 82 – hier nun wieder der Mann Gottes. Seit seinem Amtsantritt hat Jaumann den einstigen Paradiesgarten um das Pfarramt in der Woitschach-Straße in Bestensee „umgegraben“ und wie er sagt, „viele Scherben gefunden“. Die Metapher steht für ein Aufräumen in vielen Bereichen – von der Verwaltung bis hin zu den Finanzen. Jaumann hat seine reguläre Dienstzeit hier gerade erst angefangen. Doch auch sein Abschied steht schon fest. „Länger als zehn Jahre will und kann ich nicht bleiben“, sagt er, blickt aber mit viel Freude auf diesen Zeitraum, in dem sich inhaltlich so viel ändern soll, dass er selbst in den Hintergrund treten kann.

Reden über Gott und die Welt

Momentan kann davon keine Rede sein. Der junge Familienvater von zwei Kindern hat eine ansteckende Begeisterung in sich. Sprichwörtlich kann man mit ihm über Gott und die Welt reden. Das zieht die Menschen an und lässt die Kirchgemeinde wieder auferstehen. Jaumann meint, dass er in drei, vier Jahren als Person ein Stück zurück treten kann, weil sich dann hier eine Eigendynamik entwickelt haben wird und eine Gemeinde, die in sich arbeitet.

Mit seinen 35 Jahren gehört Jaumann zu den jüngsten Pfarrern. Er stammt nicht von hier, sondern aus Schwarzenhausen, einem Ort in der Nähe von München. Später zog er mit den Eltern nach Ingolstadt und von dort in die deutsche Hauptstadt. „Mein Vater war nach Berlin versetzt worden“, so Jaumann. Nach dem Abi ging er zurück nach Bayern und leistete Wehrdienst. „Ich komme aus einer wenig christlich geprägten Familie“, blickt der junge Mann zurück in die eigene Vergangenheit. Er erinnert sich an immer sehr präsente Religionslehrer. „Hier wurde der Keim gesetzt, der dann begann zu wachsen und zu blühen“, erklärt der Pfarrer. Direkt nach dem Militär fing Jaumann an, Theologie zu studieren und spricht vom Wurf ins kalte Wasser – schon wegen der drei zu erlernenden Sprachen Latein, Griechisch und Hebräisch. Doch die konnte er lernen. „Den Glauben aber kann man nicht lernen“, meint er. Denn der werde von Gott in den Menschen wie ein Samen in die Erde eingesetzt. „Es liegt an uns, ob wir ihn gießen und pflegen“, so Jaumann, der aber der Überzeugung ist, dass der Samen des Glaubens von allein aufgeht. Irgendwann und selbst dann, wenn er lange Zeit in einer Art Winterschlaf verharrte. „Der Glaube ist das, was trägt und Halt gibt“, findet er. Der Glaube sei aber auch nichts Statisches, das unveränderlich ein für alle mal festgeschrieben steht. Jaumann selbst spricht von mehreren Glaubenskrisen. „Es ist schwer auszuhalten, dass Gott so viel Böses zulässt“, beginnt der Pfarrer laut zu denken und fährt fort: „Es liegt nicht in unserer Hand. Glauben ist vor allem auch Vertrauen.“ Das schließe aber nicht aus, auf Gott auch mal richtig sauer zu sein. Die Antwort auf die damit verbundenen Fragen müsse jedoch jeder für sich selbst finden. Leider mache die Weltlage den Glauben nicht leichter. Der Mensch sei zu schrecklichen wie großartigen Dingen fähig. „Letzteres müssen wir mehr ins Bewusstsein rücken – gerade bei der gegenwärtigen Situation.“

Authentisch im Glauben und Handeln

Seine Arbeit trägt längst Früchte. Jaumann ist streitbar, aber nicht umstritten. Der Mann ist authentisch in seinem Glauben wie Handeln. Das wird geschätzt. Es kommen mehr Leute zu den Gottesdiensten in die Kirchen. Franziskus Jaumann nimmt sich darüber hinaus Zeit für den persönlichen Kontakt, für Gespräche und Seelsorge. Er bietet Sprechzeiten an, während derer die Leute ihn im evangelischen Pfarramt in Bestensee antreffen. Telefonisch sei er schwer zu erreichen, gesteht er ohne Umschweife. Aber es sei immer ein Anrufbeantworter geschaltet, da könne jeder drauf sprechen, der ein Anliegen habe. „Ich rufe zurück“, verspricht er.

Von Andrea Müller

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