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„Sucht kann man nicht heilen, nur stoppen“

Königs Wusterhausen „Sucht kann man nicht heilen, nur stoppen“

Sie ist seit 13 Jahren clean, weiß aber, wie schnell man auch als trockene Alkoholikerin wieder rückfällig werden kann: Katharina Matuschek. Ihr Leben lief alles andere als glatt. Erst ein Rebel, dann Opfer einer Vergewaltigung. Der Alkohol nahm ihr die Probleme – dachte sie. Nun ist es anders und sie macht Frauen in Königs Wusterhausen Mut.

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Mittlerweile hat Katharina Matuschek ihr Leben wieder im Griff.

Quelle: Josefine Sack

Königs Wusterhausen. Katharina Matuschek steht mitten im Leben: Die 45-Jährige ist verheiratet, lebt mit ihrem Mann und Hund Charly in Königs Wusterhausen. Regelmäßig kommen ihre Kinder zu Besuch. Gerade absolviert sie eine Umschulung zur Kauffrau im Gesundheitswesen. Doch so glatt lief es nicht immer bei der vierfachen Mutter.

„Ich war mit 13 Jahren der größte Rebell, den es gab“, sagt Katharina Matuschek rückblickend. Sie wächst in Westberlin auf, die alleinerziehende Mutter ist mit der pubertierenden Tochter überfordert. „Da hatte ich schon den ersten Knacks weg“, so Matuschek. Aus den Fugen gerät ihr Leben, als sie 16 Jahre alt ist. Katharina Matuschek umgibt sich mit den falschen Leuten, nach der Schule zieht sie mit der Clique um die Häuser. Es vergeht kein Nachmittag ohne Alkohol und Cannabis. Vielleicht wäre sie wieder davon losgekommen, wäre dem jungen Mädchen nicht das Unfassbare passiert: Katharina wird sexuell missbraucht, kurze Zeit später wird sie von ihrem damaligen Freund schwanger.

Bisher gibt es in der Stadt keine reine Frauengruppen

Den Schock ertränkt sie in noch mehr Alkohol. Sie heiratet jung, wird wieder schwanger, auch ihr Mann ist Alkoholiker. Die Ehe zerbricht – und mit ihr die gerade einmal 18 Jahre alte Katharina Matuschek. Darüber, dass man ihr ihre Kinder weggenommen und ihre Familie sie fallen gelassen hat, kommt sie nicht hinweg. Die junge Frau versinkt in Drogen, lebt auf der Straße, prostituiert sich. Irgendwann rappelt sie sich mit Anfang 20 auf, lässt die Finger vom Alkohol. Es geht bergauf, sie lernt einen Mann kennen, der Vater ihrer Zwillinge. Doch auch diese Ehe geht in die Brüche. Matuschek muss ihre Zwillinge in Pflegefamilien geben. Die Scham, wieder versagt zu haben, lässt sie erneut zur Flasche greifen. Als Matuschek mit Anfang 30 im Krankenhaus aufwacht, weiß sie: So kann es nicht weitergehen. Sie beginnt eine Therapie in Berlin. Später zieht sie in eine eigene Wohnung, findet Arbeit als Gebäudereinigerin und lernt ihren jetzigen Mann kennen. Nach und nach kommen die Kinder zurück.

Suchtberatungsstelle in Königs Wusterhausen

Die Selbsthilfegruppe für Frauen trifft sich immer freitags in der Zeit von 18.15 bis 20 Uhr im Kellertreff „Hexenküche“ im Schulweg 1a in Königs Wusterhausen.

Das Angebot richtet sich an alle Frauen, die Suchtprobleme haben, in schwierigen Situationen Halt suchen und ihre Erfahrungen teilen möchten.

Die „Hexenküche“ ist Teil der Suchtberatung des Landkreises, einem Angebot des Tannenhofs Berlin-Brandenburg. Wie der Name des sozialen Trägers verrät, begann dessen Geschichte 1979 mit dem Tannenhof als erster Einrichtung, dem heutigen „Zentrum I“ in Berlin-Lichtenrade.

Die Suchtberatungsstelle Dahme-Spreewald richtet sich an Frauen, Männer und Jugendliche mit Alkohol-, Drogen- oder Medikamentenproblemen sowie mit Essstörungen, Glücksspiel- und Mediensucht. Auch für Angehörige von Abhängigen ist sie eine wichtige Anlaufstelle.

Kontakt zur Frauen-Selbsthilfegruppe: Tel. 01 52/52 70 93 46 und per E-Mail unter katze.kw70@gmail.com

13 Jahre läuft alles gut, bis nach einem Burnout vor drei Jahren der Rückfall kommt. „Sucht kann man nicht heilen, nur stoppen“, sagt Matuschek und: „Sucht ist wie ein Stück Schokolade, das vor einem liegt und man darf es nicht anrühren.“ Ihre zurückgewonnene Familie wollte Matuschek nicht wieder verlieren und begibt sich erneut in Therapie. Mittlerweile lebt sie in Königs Wusterhausen. Anfang des Jahres gründete sie eine Selbsthilfegruppe für Frauen. Zwar gibt es in der Stadt bereits anonyme Gruppen, jedoch keine reinen Frauengruppen. Das wollte Matuschek ändern. „Frauen, gerade Mütter, haben mit ganz anderen Schamgefühlen zu kämpfen als Männer“, sagt sie. Sie selbst habe es stets Überwindung gekostet, in gemischten Gruppen über ihre Gefühle und Ängste zu sprechen und sie glaubt, dass es vielen betroffenen Frauen ähnlich geht.

Von Josefine Sack

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