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Gräbendorf Surfen in Zeitlupe

Das langsame Internet im Ferienlager am Hölzernen See in Gräbendorf lässt Mitarbeiter und Gäste verzweifeln – und wird zunehmend auch zu einem wirtschaftlichen Problem. Hoffnungen ruhen auf dem Breitbandausbau.

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Mitarbeiter Dirk Töpper am Rechner. Das Senden von E-Mails schon mal fünf Minuten dauern, wenn das Internet stabil ist.

Quelle: Frank Pawlowski

Gräbendorf. Als sich neulich Besucher abends ein Fußballspiel im Internet anschauen wollte, wunderten sie sich, warum das nicht klappte. Bei den Übertragungsraten im Ferienlager am Hölzernen See in Gräbendorf ist ein solches Unterfangen illusorisch. „Wir ernteten ungläubige Blicke, als wir erklären mussten, dass man bei uns nicht streamen kann“, sagt Mitarbeiter Dirk Töpper. Der 24-Jährige ist für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig.

Das war ärgerlich für die Gäste, aber für die Mitarbeiter des Kinder- und Jugenderholungszenrums Kiez ist das noch das geringste Problem. Das Senden von E-Mails kann bis zu fünf Minuten dauern. Und beim Empfang von elektronischen Nachrichten bangen die Mitarbeiter jedes Mal, dass keine Anhänge über fünf Megabytes dabei sind. Sie würden das System sofort lahmlegen. Der Kontakt zur Außenwelt via Internet, lebenswichtig für einen touristischen Betrieb wie das Kiez, ist unter diesen Umständen fast unmöglich. Eine Gruppe von Ukrainern und Franzosen, die derzeit ein Freiwilligenjahr absolvieren, scheitert regelmäßig beim Versuch, sich über Skype mit Familien und Freunden in der Heimat auszutauschen. Gespräche verlaufen, wenn sie überhaupt zustande kommen, zeitversetzt. Es dauert bis zu zwei Minuten, bis das gesprochene Wort beim Gegenüber ankommt.

Sturmtief Xavier hat die Lage verschärft

Dabei zahlt das Kiez monatlich fast 170 Euro für einen Satelliten-Internetanschluss, der theoretisch Übertragungsraten von 16 000 Mbits bieten soll. Die werden laut Dirk Töpper aber nicht annähernd erreicht. Der Tarif hat außerdem ein begrenztes Datenvolumen. Für die Arbeitsplätze der Kiezverwaltung sind das 30 Gigabyte im Monat, für die Gäste 10 Gigabyte. Ein Klacks angesichts der jährlich 60 000 Übernachtungen. Ist das Volumen aufgebraucht, wird die ohnehin schon lahme Geschwindigkeit nochmals gedrosselt. „In der Hauptsaison ist das in der Regel nach spätestens zwei Wochen der Fall“, erzählt Dirk Töpper. Das Sturmtief Xavier hat die Lage zusätzlich verschärft. Eine der beiden Telefonleitungen ist bis auf weiteres ausgefallen, das Fax funktioniert nur noch sporadisch.

Töpper und seine Kollegen müssen deshalb oft die privaten Internetanschlüsse daheim nutzen, zum Beispiel zur Pflege der Webseite oder zur Kommunaktion mit Kunden und mit Firmen. Nur 15 Kilometer von der S-Bahn in Königs Wusterhausen entfernt befindet man sich in diesem Winkel der Gemeinde Heidesee im Internet-Niemandsland. Das wird laut Dirk Töpper zunehmend zu einem wirtschaftlichen Problem. Etliche Firmenkunden seien schon abgesprungen, weil sie hier ihre Meetings nicht wie gewohnt durchführen können. „Wir brauchen Hilfe bei der Sicherung unserer Zukunft“, sagt er. Seit 2012 bemüht sich das Kiez vergeblich um schnelles Internet. Große Anbieter winkten ab. Die Erschließung selbst zu bezahlen, übersteigt die Möglichkeiten des gemeinnützigen Kiez-Betreibers bei weitem. Ein Anbieter errechnete die stattliche Summe von 250 000 Euro dafür.

Wirtschaftsförderung prüft Ausbau

Die Hoffnungen ruhen nun auf dem geplanten Breitbandausbau im Landkreis, der mit 34 Millionen Euro gefördert wird. Bis zum Frühjahr 2019 sollen mehr als 95 Prozent der Haushalte über schnelles Internet mit einer Übertragungsrate von mindestens 50 Mbit/s verfügen. So wurde es zum Start des Projekts im Frühjahr verkündet. Aber an das Kiez hatten die Planer dabei zunächst gar nicht gedacht. Es sei nicht unterversorgt, wurde zum Entsetzen von Dirk Töpper mitgeteilt. Bei der Wirtschaftsfördergesellschaft Dahme-Spreewald, die federführend beim Ausbauprogramm ist, kennt man das Problem inzwischen. „So wichtige Einrichtungen haben wir durchaus auf dem Schirm. Der Breitbandausbau für das Kiez wird geprüft“, sagte Geschäftsführer Gerhard Janßen am Montag der MAZ.

Von Frank Pawlowski

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