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Dahme-Spreewald Symposium für Henryk Bereska: „Ich kam, sah und ging...“
Lokales Dahme-Spreewald Symposium für Henryk Bereska: „Ich kam, sah und ging...“
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15:44 05.12.2018
Beim Symposium für Henryk Bereska zum fünften Geburtstag der Karl-Dedecius-Stiftung waren auch seine Frau und Tochter anwesend. Quelle: Andrea Müller
Kolberg/Słubice

„Auf einem Berg aus Sand“, heißt ein Buch mit Texten von Henryk Bereska, der es liebte, auf jenem Berg aus Sand in Kolberg – seinem „Kaff“, wie er es mit großer Zuneigung nannte – zu arbeiten. Henryk Bereska, der 2005 starb, brachte Lesern der früheren DDR polnische Autoren wie Zbigniew Herbert, Stanisław Wyspianski oder Tadeusz Rózewicz näher, indem er ihre und viele Bücher weiterer polnischer Autoren ins Deutsche übersetzte.

Jetzt widmete ihm die Stiftung „Karl-Dedecius-Literaturarchiv“ an der Universität Viadrina in Frankfurt (Oder) aus Anlass ihres fünfjährigen Bestehens ein Symposium am Collegium Polonicum in Słubice. Eröffnet wurde es von der Präsidentin der Viadrina, Julia von Blumenthal. „Henryk Bereska wollte immer im Schatten stehen, aber er hat Gewaltiges geleistet“, würdigte sie die Arbeit des Übersetzers.

Julia von Blumenthal, die Präsidentin der Viadrina, eröffnete das Symposium. Quelle: Andrea Müller

Zu Gast waren auch der Verwaltungsdirektor des Collegium Polonicum, Krzysztof Wojciechowski, sowie der Vorsitzende der Dedecius-Stiftung, Hans-Gerd Happel. Gelehrte aus Krakau und aus Schlesien waren genauso angereist wie Berufskollegen, etwa die Dedecius-Preisträgerin Eliza Borg, seine Familie mit Ehefrau Gilda Bereska und Tochter Odette Bereska. Auch Freunde aus Berlin und Kolberg waren gekommen, um sich an den Wegbegleiter, Freund, Dichter, Autor und Übersetzer zu erinnern. Hendrik Liersch aus Kolberg sprach davon, dass eine Übersetzung nicht nur das Übertragen der Wörter von einer Sprache in die andere sei, sondern die „Suche nach der Seele“ eines Textes.

Bereska hatte in der DDR Germanistik und Slawistik studiert

Henryk Bereska wurde 1926 im schlesischen Szopienice in der Nähe von Katowice geboren, wo gerade die Weltklimakonferenz stattfindet. Seine Tochter Odette zitierte beim Symposium aus ihrem Tagebuch, das sie als Kind – vom Vater dazu verdonnert – zu schreiben hatte. „Sogar die Blumen waren verstaubt“, heiße es darin und charakterisiert auf eindrückliche Weise die Gegend, in der Bereska im Dreieck aus drei Ländern groß geworden ist, in der er zwischen den Sprachen wechseln konnte wie ein Fährmann zwischen den Ufern. Der Zweite Weltkrieg machte ihn zum Soldaten, verschonte ihn aber. Später ließ er sich in der DDR nieder, wo er Germanistik und Slawistik studierte.

Bis 1955 war er beim Aufbau-Verlag angestellt, entschied sich aber später aus politischen Gründen, lieber selbstständig zu arbeiten. Bereska protestierte mit seiner Unterschrift gegen die Ausbürgerung von Wolf Biermann. Er zog diese auch nicht zurück, als seine Frau Gilda deswegen drangsaliert wurde. Die beiden hatten sich übrigens zwar in Berlin zuerst getroffen, doch die Liebe zwischen ihnen wuchs im märkischen Sand zwischen Königs Wusterhausen und Kolberg.

Henryk Bereska übertrug Zeit seines Lebens mehr als 200 Bücher aus dem Polnischen ins Deutsche. Ein Großteil der polnischen Bücher fand in Kolberg seine neue Sprache. Das Nichts in seinem „Kaff“ schien ihn zu inspirieren. Familie wie Freunde und Berufskollegen berichteten beim Symposium, wie dieser Mann mit den Texten rang, stets nach neuen, passenden Wörtern suchte und alle damit „drangsalierte“, bis sie gefunden waren. Er nahm die Bücher auseinander, sezierte sie, bis er zu Herz und Seele vordrang. Das machte ihn tatsächlich zu einem Fährmann vom polnischen Ufer hinüber ans deutsche.

Nachlass geht ins Dedecius-Archiv

So gesehen war das Collegium Polonicum direkt an der Oder zwischen Frankfurt (Oder) und Słubice, zwischen Deutschland und Polen ein passender Ort für das Symposium. 2004 hatte Henryk Bereska sein Lebenswerk samt aller literarischer Akten der Viadrina übergeben. Der Vorlass, bestehend aus über 40 Metern Akten, gehört seither zum Bestand der Europa-Universität. 2013 wurde dort auch die Karl-Dedecius-Stiftung gegründet. So sind dort nun die beiden Großen der Übersetzungen aus dem Polnischen vereint, die ihr Leben lang getrennt arbeiten mussten wegen der Grenze, die Deutschland zerschnitt, zerteilt durch den Eisernen Vorhang, der die Welt in Ost und West zerbrach. Karl Dedecius, der Ruhm erlangte für seine genialen Übersetzungen aus dem Polnischen ins Deutsche, war der Bekanntere von beiden. Henryk Bereska aber war sein Pendant im Osten. Heute sieht man sein Schaffen auf Augenhöhe mit dem von Dedecius – auch dies wurde beim Symposium in vielen Wortbeiträgen deutlich, zumal das Dedecius-Archiv nun um den Nachlass des Wahl-Brandenburgers erweitert wird.

Darüber hinaus wurde Henryk Bereska in der Bibliothek des Collegium Polonicum eine Ausstellung mit Dokumenten aus seinem Privat- wie Arbeitsleben gewidmet. So ist dort auch ein Zeugnis zu finden, das dem damals Zehnjährigen gerade mal ein „Genügend“ in Deutsch und nur ein „Gut“ in Polnisch bescheinigte.

Erstaunlich, wie sich dieser Junge entwickelte. Henryk Bereska erhielt für seine Arbeit später zahlreiche Auszeichnungen. Im Jahr 2002 wurde ihm die Ehrendoktorwürde der Universität Breslau verliehen. Während des Symposiums in Słubice zeigte Magdalena Handerek einen Film über den Fährmann zwischen den Sprachen Deutsch und Polnisch mit Erinnerungen von seiner Frau Gilda Bereska und Tochter Odette Bereska.

Von Andrea Müller

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