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Thomas Otto wacht über das Freibad

Miersdorf Thomas Otto wacht über das Freibad

Im Miersdorfer Freibad wacht Bademeister Thomas Otto über die Sicherheit von jährlich 22 000 Badegästen. Und er tut weit mehr, als er laut Saisonvertrag mit der Gemeinde Zeuthen eigentlich müsste. So bringt er unter anderem Flüchtlingskindern das Schwimmen bei.

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Thomas Otto führt im Miersdorfer Freibad die Regie.

Quelle: Heidrun Voigt

Miersdorf. Sommer, Sonne, Badespaß. Die Freibadsaison kommt auf Touren und Thomas Otto hat alle Hände voll zu tun. Die Arbeit für den Schwimmmeister des Freibades Miersdorf beginnt schon lange bevor die Badegäste kommen. Morgens um acht Uhr dreht nur ein Entenpaar genüsslich eine Runde im Nichtschwimmerbereich. „Die sind zahm und manchmal ganz schön frech“, sagt Otto und lacht. Er beginnt sauberzumachen, gießt die Blumenkästen, wässert den Rasen, überprüft das Sanitärgebäude und dreht ein paar Schrauben an einer Klinke fest. Um 10 Uhr öffnet er das Tor. Die ersten Gäste stürmen ins Bad. „Meine Hauptaufgabe besteht natürlich in der Badeaufsicht und darin, Erste Hilfe zu leisten“, sagt der braun gebrannte Mann. Er sitzt vor seinem Büro und hat alles im Blick. Otto erzählt, dass schon sein Vater Schwimmmeister war und er in Westberlin aufgewachsen sei. Jetzt wohne er im schönsten Ort Brandenburgs – in Zeuthen.

Thomas Otto hat BWL studiert und später umgesattelt. Er ist Dozent für Sauna- und Wirtschaftskunde und bildet Fachangestellte für Bäderbetriebe aus. „Die Mindestqualifikation, die man haben muss, um als Bademeister zu arbeiten, ist der Rettungsschwimmer“, so Otto. Der sportliche Mittfünfziger besitzt diesen Nachweis seit seinem zwölften Lebensjahr. Seit 2012 ist er bei der Gemeinde angestellt. Davor arbeitete er zwei Jahre als Aushilfe im Freibad Miersdorf, im „Miersi“, wie es von den Zeuthenern genannt wird.

Robinson-Inseln sind heiß begehrt

Wenn Zeit bleibt, gibt der Bademeister Flüchtlingen Schwimmunterricht. „Die Integrationsbeauftragte Zeuthens hat mich gefragt und jetzt mache ich das“, sagt er. Angefangen habe es mit einem 14-jährigen, syrischen Jungen, der sehr ehrgeizig war und innerhalb von drei Wochen schwimmen gelernt hat. Jetzt kümmert sich Thomas Otto um einen Vater mit seinem sechsjährigen Sohn und einen 18-Jährigen.

„Hallo Thomas, dürfen wir eine kleine Strandmuschel aufbauen?“, fragen zwei Mädchen in gelben Badeanzügen. „Na klar“, lautet die Antwort. Immer wieder fragen Kinder nach Matten und Robinson-Inseln fürs Wasser. Robinson-Inseln sind mit Planen bespannte Lkw-Reifen und sehr beliebt. „Leider haben wir nur noch drei Reifen und vier Matten, da könnten wir neue gebrauchen. 300 Euro kostet eine Insel, vielleicht findet sich ein Sponsor“, hofft der Bademeister. Er lobt die Gemeinde, dass sie viel in das Freibad investiere. Im vergangenen Jahr wurde ein Sonnensegel für rund 2000 Euro aufgestellt. Das Jahr zuvor ein großer Seestern auf dem Wasser, der 3000 Euro kostete. Zwei neue Leitern und die Uferabgrenzung sowie die Abgrenzung zur Straße wurden neu gemacht. „Wir bekommen auch einen Parkplatz, auf einem Teil der großen Wiese, und 2017 sind auch die Häuser dran. Das Hauptgebäude mit meinem Büro und dem Erste-Hilfe-Raum und das Sanitärgebäude werden saniert“, so Otto.

Rund 300 Besucher täglich

Im vergangenen Jahr besuchten 22 000 Gäste das Freibad. Im Durchschnitt kommen täglich rund 300 Leute zwischen 10 und 20 Uhr, schätzt Thomas Otto. Darunter die dritten Klassen der Grundschule zum Wald, die ihren Schwimmunterricht absolvieren, und auch Hortgruppen baden hier regelmäßig. Neulich entdeckte der Hort aus Schmöckwitz das „Miersi“. „Wir haben den Tipp von Eltern bekommen. Mit dem Bus dauert es nur ein Viertelstündchen, und es ist einfach schön hier“, schwärmt Erzieherin Gabriele Winkler.

Thomas Otto erzählt von Gästen, die extra aus Spandau, Marzahn und Neukölln kommen, weil es ihnen am Miersdorfer See sehr gefällt. „Es gibt einen großen Teil Stammgäste, die seit 40 bis 60 Jahren hier schwimmen. Mein ältester Schwimmer ist 89“, so der Bademeister.

Wasserpegel kann reguliert werden

Er erzählt, dass das Schwimmbad 1930 eröffnet wurde. Den See gibt es seit 1900. „Das war eine Tongrube, dann sind sie auf eine Wasserader gestoßen und über Nacht lief alles voll“, erzählt Otto. Im vergangenen Jahr wurde ein Tiefbrunnen errichtet, nachdem der Wasserpegel um 80 Zentimeter gesunken war. Nun kann bei Bedarf Wasser dem See zugeführt werden. Zudem sorgt eine Umwälzpumpe in der Mitte des Sees dafür, dass ausreichend Sauerstoff im Wasser ist. Zum Freibad gehört neben der Liege- und Familienwiese eine große Wiese, auf der Volley-, Basket- und Fußball gespielt werden kann.

Thomas Otto hat noch einen Kollegen an seiner Seite, der für 20 Stunden angestellt ist. Und was macht der Schwimmmeister nach dem 15. Oktober, wenn die Saison vorbei ist? Er geht seiner Dozententätigkeit nach und arbeitet als Saunameister in Berlin.

Von Heidrun Voigt

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