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Trostmusik statt Totenmesse

Projektchor führt Johannes Brahms’ „Ein deutsches Requiem“ in Jüterbog und Mittenwalde auf Trostmusik statt Totenmesse

Sogar aus England kommen Sängerinnen und Sänger für „Ein deutsches Requiem“ von Johannes Brahms, das am Samstag und Sonntag in Mittenwalde und Jüterbog zu hören sein wird. Ein besonderes Chorprojekt, das von der Berlin-Brandenburgischen Kammerphilharmonie begleitet werden wird.

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Der Projektchor bei der großen Probe in der St.-Moritz-Kirche in Mittenwalde. Rund 120 Sänger wirken bei dem vierstimmigen Requiem mit.

Quelle: Heidrun Voigt (3)

Mittenwalde. „Takt 76 muss tragfähig sein. Ihr habt Euch total zurückgehalten, obwohl das so eine schöne Stelle ist, bitte noch einmal.“ Kirchenmusikdirektor Peter-Michael Seifried hebt den Taktstock, der Chor setzt ein. Johannes Brahms’ „Ein Deutsches Requiem“ wird in der Mittenwalder St.-Moritz-Kirche geprobt. Am Sonnabend führen die Sängerinnen und Sänger mit der Berlin-Brandenburgischen Kammerphilharmonie das Werk in Mittenwalde und am Sonntag in St. Nikolai in Jüterbog auf.

Der Chor hat sich eigens für das Projekt zusammengefunden. Die insgesamt 120 Sänger kommen aus Potsdam, Berlin, Teltow-Fläming, Dahme-Spreewald, Dresden und sogar England. Der Chor der Kathedrale in Arundel, mit dem die Chöre der Jüterboger Kirchengemeinde eine Partnerschaft pflegen, wird mitsingen.

Insgesamt drei Mal hat der Projektchor sich getroffen. Dazu kamen Proben für die einzelnen Stimmlagen. „Wir wollen Menschen motivieren, die nicht in einem festen Chor singen. Etwa die Hälfte betrifft das beim Requiem“, sagt Peter-Michael Seifried. Alle zwei bis drei Jahre führt der Kreiskantor des Kirchenkreises Zossen-Fläming ein solches Projekt durch. Fast alle großen Passionen wurden schon aufgeführt.

Die Idee, sich an Brahms’ Requiem mit seinen anspruchsvollen Chorsätzen heranzuwagen, kam von Christine und Jörg Borleis. Er ist Kantor in Teupitz, sie in Mittenwalde. „Die Kollegen waren erst skeptisch, es sei zu schwer und zu teuer. Ich bin total glücklich, dass es was geworden ist“, sagt Christine Borleis mit strahlendem Gesicht. Natürlich singt das Paar auch mit. „Für mich gibt es nichts Tröstlicheres als diese Musik. Es geht um existenzielle Fragen im Text, die jeden Menschen bewegen“, so die Kantorin. Für Peter-Michael Seifried ist diese Musik überzeitlich.

Brahms Requiem ist keine Totenmesse, sondern als Trostmusik für die Hinterbliebenen konzipiert. Es stützt sich auf Texte des Alten und des Neuen Testaments. Der Tod von Brahms Freund Robert Schumann und der Tod seiner Mutter haben das Opus beeinflusst. Uraufgeführt wurde es 1867. Der Projektchor bringt es in der Fassung für Kammerorchester und Chor von Ingo Schulz. Es ist zu sehen, wie hochkonzentriert die Sänger und Musiker proben und wie viel Freude sie dabei haben.

„Die Stimmung hier ist sehr gut“, findet Margarete Ochholt. Sie ist Mitglied in der Singakademie Potsdam. Dort hat sie schon einmal das Requiem gesungen. Für Eva-Maria Silter vom Ludwigsfelder Kirchenchor ist es die erste Begegnung mit Brahms. „Ich singe Sopran und habe meine Stimme mit einer CD eingeübt“, sagt sie. Das Probenwochenende im Februar in Dahme mit dem Chor war für sie etwas ganz Besonderes.

Und dass sich das Üben gelohnt hat, ist zu hören. Die Solisten Elisabeth Fischer (Sopran) und Florian Hille (Bassbariton) loben den Projektchor. Fischer hat an der Berliner UdK Gesang studiert. Hille an der Musikhochschule „Hanns Eisler“ und in Paris. Beide betonen, dass sie Brahms lieben. „Im Dezember werde ich das Requiem noch einmal in Paris singen. Ich freue mich wahnsinnig drauf“, verrät Florian Hille. Der Chor belohnt die Solisten für ihre Parts mit bewunderndem Applaus. Und auch Dirigent Peter-Michael Seifried, der souverän und sensibel durchs Requiem führt, auf jedes Pianissimo und jeden gestalterischen Akzent achtet, wird lange beklatscht. Die Chormitglieder haben seine Herausforderung mit Freude angenommen. Peter-Michael Seifried ist sich sicher, dass die 120 Sänger die Konzerte gut meistern werden.

Der Mittenwalder Kirche bescheinigt der Dirigent übrigens eine ausgezeichnete Akustik. Mittenwaldes Pfarrer Christoph Kurz, der auch mitsingt, sagt stolz: „Die Akustik ist die beste, die es hier weit und breit gibt, und unsere Kirche ist strahlend schön.“ Überzeugen kann man sich davon am Samstag, wenn das Requiem aufgeführt wird. Der Erlös der Ausgangsspende wird für die Konzertkosten verwendet. Das Konzert am Sonntag in St. Nikolai ist den auf der Flucht nach Europa gestorbenen Menschen gewidmet. „Wir werden auch Gäste aus dem Migrantenheim dort haben und für ein Flüchtlingsprojekt in Jüterbog sammeln“, so Seifried.

Info: Tickets kosten 15, ermäßigt 10 Euro, Beginn ist jeweils um 17 Uhr.

Von Heidrun Voigt

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