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Dahme-Spreewald Tucholsky-Abend im Bürgertreff
Lokales Dahme-Spreewald Tucholsky-Abend im Bürgertreff
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00:19 23.11.2017
Zum Schauspiel-Ensemble gehörten beim Tucholsky-Abend in Halbe Klaus Weiger, Andriane Rimscha und Bernd Kummer (v.l.). Quelle: Christian Dederke
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Halbe

„Politik kann Spaß machen“, verkündet Jens Wollenberg die Botschaft des Abends zum Abschluss der Veranstaltung. Eröffnet hatte er das Tucholsky-Programm mit den Worten: „Satire ist ein politisches Mittel.“ Wollenberg ist einer der kreativen Köpfe hinter diesem Programm, das am Sonnabend im Bürgertreff in Halbe aufgeführt wurde.

Zusammenstellung, Regie und Moderation übernahm Wollenberg, der sich schon sein Leben lang mit dem Journalisten und Schriftsteller Kurt Tucholsky (1890 bis 1935) beschäftigt. Kurt Tucholsky zählt zu den bedeutendsten Publizisten der Weimarer Republik. In seiner Zeit als politisch engagierter Journalist, erwies er sich als wachsamer Gesellschaftskritiker. So gehörte er zu einen der wenigen Menschen, die vor der Bedrohung durch den Nationalsozialismus warnten.

Halbe unterstützt

„So viel Unterstützung wie in Halbe kriegen wir nirgends“, sagte der in Schulzendorf lebende Jens Wollenberg mit Begeisterung. Gerade in Halbe das Tucholsky-Programm aufführen zu können, ist ihm sehr wichtig. Er hat die Aktivitäten im Ort gegen Rechts schon vor Jahren begleitet, selbst in Halbe auch mal einen Kurzfilm mit Jugendlichen gedreht. „Dieser Abend steht im Zeichen des Friedens, der Demokratie und gegen Fremdenfeindlichkeit“, eröffnete Arnold Mosshammer, stellvertretender Vorsitzender des Fördervereins des lokalen „Aktionsbündnisses gegen Heldengedenken und Naziaufmärsche in Halbe“, den unterhaltsamen Abend. Der Förderverein und das landesweite „Aktionsbündnis gegen Gewalt, Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit“ veranstalteten den Tucholsky-Abend zusammen.

Lesung mit Chansons und Szenen

Der Termin der Lesung mit Chansons und Szenen ist mit Bedacht gewählt worden, denn für den Vortag des Volkstrauertages organisierten die Aktionsbündnisse gemeinsam mit vielen Partnern viele Jahre lang Demonstrationen gegen Rechtsextremismus. Sie versuchten, mit friedlichen Bürgerfesten die nach der Wende einsetzende und zunehmende Vereinnahmung der Halber Kriegsgräberstätte Waldfriedhof durch Rechtsextreme einzudämmen. Kurt Tucholsky mit seinen satirischen Texten eignet sich dafür auf wunderbare Weise. „Das ist eine Widerspieglung der Zeitumstände. Und man kann immer etwas lernen“, beschrieb Jens Wollenberg die Veranstaltung in Halbe.

Dafür hat er sich eine bewährte Runde zusammengestellt. Geleitet wird sie von dem früher an vielen Berliner Bühnen und im Fernsehen präsenten Schauspieler Bernd Kummer, der für sein Engagement als Regisseur einer aus nichtbehinderten und behinderten Darstellern bestehenden Theatergruppe der Fürst-Donnersmarck-Stiftung mit dem Bundesverdienstorden ausgezeichnet worden ist. Seit zwölf Jahren schon arbeitet Kummer mit Tobias Bartholmeß zusammen. Der Pianist lehrt an der Berliner Universität der Künste und tritt unter anderem an der Neuköllner Oper auf. Das Ensemble vervollständigen Adriane Rimscha und Klaus Weiger. Das Bühnenbild schuf Susanne Thäsler-Wollenberg, Ehefrau von Jens Wollenberg. Es zeigt verschiedene Motive von Gemälden des Künstlers Carl Gross, ein Zeitgenossen Tucholskys. Charakteristisch sind die dunklen Farben und die Motive aus dem Deutschland der 1920er und 1930er Jahre. „Mein Anspruch war es, ein Bühnenbild zu finden das sowohl in die Räumlichkeiten passt, als auch zum Programm“, erklärte Susanne Thäsler-Wollenberg die Kulisse.

Anekdoten aus dem Leben

Im ersten Teil des Programms wurden allgemeine und politische Themen behandelt und Jens Wollenberg leitete elegant mit einigen Anekdoten über Tucholskys Leben von Szene zu Szene. Unterhaltsam für das Publikum war das Stück über ein Ehepaar. Jenes Paar erzählt einen Witz oder bessergesagt, versucht es. Jeder Ehepartner fällt dem anderen ins Wort und so zieht sich der Witz hin – belustigend für das Publikum in Halbe – und so es ging in die Pause. Der weitere Teil des Abends beschäftigte mit den erotischen Stücken vom Lebemann Tucholsky.

„Ich möchte den Bürger über den Parteigrenzen hinaus erreichen“, sagte der bekennende Linke Wollenberg und ergänzte: „Daher freut es mich, dass an diesem Nachmittag so viele neue Gesichter zu sehen und ich zwei Drittel der Besucher nicht aus einer Partei kenne.“

Viel Lob und Anerkennung gab es vom Publikum für die Organisatoren des Tucholsky-Abends und natürlich auch für die Schauspieler. Und es wurde in Halbe beschlossen, diese Form der Veranstaltung am Volkstrauertag im kommenden Jahr fortzusetzen.

Von Christian Dederke

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