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Über die Strukturreform im Erzbistum Berlin

MAZ-Serie „Religion in der Region“ Über die Strukturreform im Erzbistum Berlin

Die katholische Kirche in der Region hat immer stark von polnischen Zuwanderern gelebt, darum stehen ihre Gotteshäuser auch meist in der Nähe der Bahnhöfe. Aktuell beschäftigt die katholischen Gläubigen aber vor allem die laufende Strukturreform im Erzbistum Berlin. Die MAZ sprach mit dem Pastoralreferenten Markus Papenfuß über die Reform und die Sorgen der Gläubigen.

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Markus Papenfuß

Quelle: Walter Wetzler

Dahmeland-Fläming. Markus Papenfuß (56) ist Pastoralreferent beim Erzbistum Berlin. Er ist mitverantwortlich für die Strukturreform im Erzbistum und war zuletzt viel unterwegs in den katholischen Gemeinden der Region.

Am Ende der Strukturreform im Jahr 2020 sollen aus 105 Pfarreien etwa 30 neue Pfarreien werden. Ist der Priestermangel im Erzbistum derart eklatant?

Markus Papenfuß : Es stimmt, die Zahl der Priester geht zurück, aber die Zahl der Gemeindereferenten fast noch dramatischer. Das sind in der Regel Religionspädagogen, die sich in den Gemeinden zum Beispiel um die Arbeit mit Jugendlichen, Familien oder Senioren in besonderer Weise kümmern. Ausgangspunkt für den aktuellen Prozess ist die Tatsache, dass wir über Gottesdienste, Kitas oder Caritas höchstens 15 Prozent der Katholiken erreichen mit unseren Angeboten und unserer Botschaft. Wir wollen das Interesse an Kirche stärken.

Was kann eine Strukturreform in dem Zusammenhang leisten?

Papenfuß : Die neu entstehenden pastoralen Räume sollen vermehrt Verwaltungsaufgaben von den Gemeinden übernehmen, damit die sich stärker auf den seelsorgerischen Bereich konzentrieren können. Priester sind schließlich keine Verwaltungsfachleute. Außerdem werden sich die Gemeinden stärker vernetzen und in der Jugendarbeit mehr gemeinsame Projekte auf den Weg bringen, um ein gemeinsames Erlebnis zu schaffen. Heute sind viele Gemeinden einfach zu klein, um das zu leisten.

Wie reagieren die Gemeindemitglieder auf die Reformideen?

Papenfuß : In der aktuellen Findungsphase werden sich die einzelnen Gemeinden ihrer Stärken bewusster, weil sie miteinander reden und schauen, wo sie sich ergänzen. Manche befürchten, dass ausgerechnet in ihrem Ort der Sonntagsgottesdienst gestrichen wird, aber es gelingt mehr und mehr, von einer negativen Sichtweise wegzukommen, dass wir immer weniger werden. Stattdessen wollen wir schauen, wo Kirche aufblühen kann.

Ist die Befürchtung berechtigt, dass Sonntagsgottesdienste verloren gehen?

Papenfuß : In der neuen Verwaltungsstruktur wird man sicher schauen müssen, wie sich Gottesdienste anders organisieren lassen. Der Priestermangel ist eine Realität, mit der wir rechnen müssen. In manchen Orten halten Ruheständler den Gottesdienst, oder die Priester hetzen von einer Messe zur nächsten. Denkbar ist etwa, dass man Gottesdienste zu anderen Tageszeiten hält oder an Orten, an denen sich Menschen sonntags eben aufhalten, in Ausflugsgebieten zum Beispiel. Oder wenn vormittags niemand da ist, ist es doch sinnvoller, den Gottesdienst am Nachmittag zu feiern.

Wie kommen diese Ideen bei den Gläubigen an?

Papenfuß : Viele Ideen kommen aus den Gemeinden selbst, an manche Ideen muss man sich auch erst gewöhnen. Viele Gemeinden erkennen aber auch die Chance, Mitglieder neu anzusprechen, zum Beispiel Katholiken, die nicht in die Sonntagsmesse um 10.30 Uhr kommen. Wir wissen ja gar nicht, warum die nicht kommen und es ist schwierig herauszufinden. Aber genau das interessiert uns.

Wie ist der aktuelle Stand bei der Strukturreform?

Papenfuß : Begonnen wurde der Prozess Anfang 2013 und die ersten drei pastoralen Räume, wie die Einheiten dann heißen sollen, sind inzwischen eröffnet. In elf weiteren Fällen gibt es positive Absichtserklärungen, zum Beispiel von den Gemeinden Zossen, Luckenwalde, Blankenfelde und Teltow, die künftig gemeinsam einen pastoralen Raum bilden wollen. Von Eichwalde und Königs Wusterhausen gibt es noch kein Votum, aber dort ist man auf einem guten Weg. Es besteht auch kein Grund zur Eile.

Wer entscheidet eigentlich über die Fusion der Gemeinden?

Papenfuß : Das Votum der bisherigen Pfarreien geben der Pfarrgemeinderat und der Kirchenvorstand ab. Diese Gremien wurden im vorigen November neu gewählt. Liegen die positiven Voten aus den Gemeinden vor, prüfen wir, ob alle Aspekte berücksichtigt wurden, wir befragen auch die Nachbargemeinden. Die Bestätigung erfolgt durch den Erzbischof, der in allen bisherigen Fällen das Votum bestätigt hat.

Brandenburg ist seit 1539 protestantisch, welche Tradition hat hierzulande der Katholizismus?

Papenfuß : Der Katholizismus in Brandenburg hat immer stark vom Zuzug von außen gelebt, besonders die polnischen Saisonarbeiter sind prägend gewesen. Das sieht man schon an der Lage der Kirchen, die stehen oft in der Nähe der Bahnhöfe.

Welche Rolle spielt der Papst für die Katholiken in Deutschland?

Papenfuß : Wenn es Kritik am Papst gibt, muss sich auch der Brandenburger Katholik für ihn rechtfertigen. Besonders deutlich wurde das, als ein Deutscher Papst war. Denn der Papst ist unsere Marke, unser Aushängeschild in der Öffentlichkeit, im Guten wie im Schlechten. Papst Franziskus gilt als Symbol für Aufbruch, er steht auch in der Öffentlichkeit gut da. Das färbt auch auf die Kirche in der Brandenburger Diaspora ab.


Von Martin Küper

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