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Und dann kam die Kuppe

MAZ-Selbstversuch im Offroad-Park Kallinchen Und dann kam die Kuppe

Seit 1997 betreibt Ulrich Hausmann in Kallinchen seinen Offroad-Park. Dort können sich große Kinder mit Geländewagen und Quads austoben. Das Prunkstück des Fuhrparks: Ein slowakischer Militärlaster aus dem Jahr 1973 – MAZ-Reporter Martin Küper hat sich hinter das Steuer gewagt.

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Ulrich Hausmann (r.) erklärt MAZ-Reporter Martin Küper die Besonderheiten des Tatra 813 .

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Kallinchen.  Manchmal ist der Fahrer halt sensibler als das Fahrzeug“, sagt Ulrich Hausmann, nachdem ich seinen Tatra 813 mit Ach und Krach über eine Hügelkuppe getrieben habe. Da kämpfe ich mich schon seit einer Stunde mit dem slowakischen Militärlaster durch den märkischen Sand. Baujahr 1973, 290 PS, Achtrad-Antrieb. Die Hitze in der Fahrerkabine, der ohrenbetäubende Lärm des Zwölf-Zylinder-Motors und die wachsende Nervosität meines Fahrlehrers haben mich gefügig gemacht. Sonst würde ich sein Urteil wohl als Beleidigung auffassen.

Dabei hatte doch alles ganz vielversprechend angefangen an diesem sonnigen Vormittag im Offroad-Park in Kallinchen. Zündschlüssel umdrehen, Kupplung kommen lassen, Gas geben – genau wie bei dem Kleinwagen, den ich sonst fahre. Nur dass der keine Raketenstellung auf der Ladefläche tragen oder Panzer aus dem Dreck ziehen kann. Aber darum geht es ja schließlich all den großen Kindern, die hierherkommen: Mal ein Echte-Kerle-Auto fahren und dabei für kurze Zeit den schnöden Alltag vergessen. Den immerhin weiß ich hinterher wieder zu schätzen.

Da kann er noch lachen

Da kann er noch lachen: der MAZ-Reporter im Tatra

Quelle: Irmscher

Aber noch fühle ich mich wie ein Kind am Weihnachtsmorgen. Auf der kurzen Strecke zwischen den Lagerhallen des Fuhrparks und dem drei Millionen Quadratmeter großen Gelände aus Sandpisten, Hügelkuppen und Waldwegen gilt noch die Straßenverkehrsordnung. Sobald wir Sand unter den Reifen haben, lässt mich Hausmann ans Steuer: „Wir haben eine Genehmigung als Motorsportbetrieb“, erklärt der Geschäftsführer der Firma Teltow-Fläming-Ring, zu der auch der Offroad-Park gehört. „Aber einen PKW-Führerschein sollte man schon haben.“ Noch eine kurze Einweisung in die Besonderheiten des Gefährts, los gehts. „Den Rückwärtsgang werden wir ja hoffentlich nicht brauchen“, sagt Hausmann noch.

Angst vor dem Koloss unter mir habe ich nicht, zur Not habe ich schließlich einen Profi an der Seite und eine joviale Kollegin im Rücken. Das erste Fahrgefühl: Erstaunlich langsam. Die Kraft des monströsen Motors ist deutlich zu spüren, aber der sandige Untergrund macht das Fortkommen zu einer zähen Angelegenheit. „Wir fahren hier auch keine Rallye“, sagt der gebürtige Thüringer Hausmann. Und das ist vielleicht auch besser so, denn das Lenken des acht Meter langen Riesen fordert schon bei schlappen 20 Kilometern pro Stunde die volle Aufmerksamkeit: „Für jede Kiefer, die wir umfahren, müssen wir drei neue pflanzen“, kommentiert Hausmann lakonisch.

Es geht bergauf und bergab

Es geht bergauf und bergab.

Quelle: Irmscher

Nachdem ich die ersten Lenkmanöver absolviert, ein paar Senken durchfahren und mehrere kleine Sandhügel plattgemacht habe, bin ich offenbar bereit für die erste Herausforderung des Tages: Kuppe fahren. „Du stellst dich gerade vor den Hügel und gibst so lange Gas, bis die Vorderräder in der Luft sind“, erklärt mir Hausmann, der im früheren Leben Polizist war. „Das Fahrzeug will vielleicht nach links oder rechts ausbrechen, aber du fährst einfach geradeaus!“ Kein Problem, denk ich, Gas geben und draufhalten! Klassischer Fall von Rechnung-ohne-die-Kuppe-gemacht. Ich trete das Gaspedal durch, der Wagen bricht aus und meine Hände am Steuer folgen ihm wie ein Lamm an der Leine. Der Motor säuft ab, noch bevor wir die Kuppe erreicht haben. Hausmanns Enttäuschung: Nicht zu übersehen. Dann also doch der Rückwärtsgang: „Das Wichtigste: Nicht auf die Bremse treten!“, erklärt mir Hausmann mit wachsendem Unmut. Kein Problem, denke ich, Rückwärtsgang und runterollen! Das geht mir dann doch etwas zu schnell, instinktiv trete ich auf die Bremse, der Motor säuft ab. Hausmanns Enttäuschung: Nicht zu überhören.

Über die Kuppe ging es nicht so einfach für den Reporter und den Tatra

Über die Kuppe ging es nicht so einfach für den Reporter und den Tatra

Quelle: Irmscher

Es folgt: Kuppe fahren, die Zweite. Aber ersparen wir uns die Details. Beim dritten Versuch schließlich treibe ich das Fahrzeug mit jaulendem Motor über die Anhöhe, der erlösende Moment, in dem die Vorderreifen in der Luft hängen und der Tatra sich langsam auf der anderen Seite herabsenkt. Das T-Shirt ist mittlerweile durchgeschwitzt, der Blutzuckerspiegel im Keller und auf ein Lob von Hausmann muss ich wohl nicht mehr hoffen. Aber ich will mich nicht beschweren, andere zahlen 200 Euro für den Spaß. Und als der Schweiß langsam trocknet, denke ich: Mit dem Hausmann könnte man auch mal einen trinken gehen.

Von Martin Küper

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