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Ungestörter Streifzug über den Pannen-BER

Flughafen Berlin Brandenburg Ungestörter Streifzug über den Pannen-BER

Offenbar scheint es um die Sicherheit am Pannenflughafen BER in Schönefeld nicht gut bestellt zu sein. Ein Ludwigsfelder konnte sich vollkommen unbehelligt auf dem gesicherten Gelände bewegen, bis ins Chef-Büro und ins Terminal. Beim Flughafen gibt man sich ob dieses Sicherheitslecks kurz angebunden.

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Ein Schnappschuss vom BER-Terminal.

Quelle: privat

Schönefeld. Diese Baustelle ist seit Jahren bundesweit als der Schandfleck der Region bekannt – doch damit nicht genug. Nun hat das Milliardengrab BER anscheinend auch noch ein Sicherheitsproblem.

Zumindest legt die Erfahrung, die der Ludwigsfelder Gerome Jeames kürzlich auf der Baustelle machte, diesen Gedanken nahe. Der 32-Jährige hatte eigentlich nur einen Ansprechpartner gesucht. „Ich wusste, dass da ein Bürocontainer steht“, sagt er, „und da bin ich hingegangen.“ Am Container erlebte Jeames die erste Überraschung: Die stabile Stahltür mit Code-Sicherung ist nicht verschlossen, im Gegenteil. „Die Tür war angelehnt“, sagt Jeames, „und einmal herumgeschlossen, so dass der Schließbolzen herausstand und die Tür nicht zufallen konnte.“

Der Ludwigsfelder Gerome Jeames konnte sich unbehelligt auf dem Flughafen-Gelände bewegen

Der Ludwigsfelder Gerome Jeames konnte sich unbehelligt auf dem Flughafen-Gelände bewegen.

Quelle: privat

Menschenleere Flure

Die Tür zu den Büros des neuen Flughafens – zu dem Flughafen, der ein Drehkreuz für Europa werden soll – steht offen. Und Gerome Jeames geht hindurch. Er habe sich gedacht, dass irgendwer in dem provisorischen Bürogebäude sein müsse, sagt er. Doch das ist offenbar ein Irrtum. Die Fotos, die Jeames in den Containern macht, zeigen menschenleere Flure, eine Teeküche, ein Büro, in dem volle Aktenschränke stehen. Was in den Ordnern ist, ob es womöglich sicherheitsrelevante oder sensible Daten sind, vermag Gerome Jeames nicht zu beurteilen. Ihm sei das verlassene Gebäude komisch vorgekommen, sagt er. Schließlich stößt er auf einen Serverraum. „Lauter Kabel und die Steuerung der Klimaanlage waren da drin“, erinnert sich der Ludwigsfelder. Er sei dann lieber wieder gegangen – hier waren seine gesuchten Ansprechpartner offenbar nicht.

Menschenleer

Menschenleer: der BER.

Quelle: privat

So beschließt Jeames, es im Terminal zu versuchen. „Der erste Sicherheitsmann hat mich abgewiesen“, sagt er, „doch an einem anderen Eingang kam ich problemlos rein.“ Er habe nur behaupten müssen, einen Dienstausweis zu besitzen und den im Auto vergessen zu haben. Festes Schuhwerk sei dem Sicherheitsdienst wichtig gewesen. „Dann konnte ich mich dort frei bewegen“, so Jeames. Gepäckbänder, Abfertigung, freie Bahn bis zum Rollfeld. Niemand beachtet den Mann, der mit seiner Statur und dem platinblonden Haar durchaus auffällt.

Offensichtliches Sicherheitsleck

Beim Flughafen selbst gibt man sich ob dieses offensichtlichen Sicherheitslecks kurz angebunden. Man bestreitet nicht, dass Jeames durch Büros und Hallen bummeln konnte. Angesichts der zahlreichen Beweisfotos, die er machte, wäre das auch kaum möglich. „Doch die Person erlangte keinen Zutritt in den Luftsicherheitsbereich“, teilt Flughafen-Sprecher Lars Wagner auf Anfrage mit. Zum Luftsicherheitsbereich eines Flughafens gehören zumindest alle Flächen, die Passagiere und Gepäck nach den Sicherheitskontrollen durchlaufen.

Auf dem sechs Jahre nach dem ursprünglich anvisierten Eröffnungstermin noch immer im Bau befindlichen Großflughafen gibt es weder Gepäck noch Fluggäste. Für Flughafensprecher Wagner heißt das: „Passagiere waren zu keiner Zeit gefährdet. Der Flugbetrieb wurde nicht beeinträchtigt.“ Das will die Bundespolizei, die für die Luftsicherheit am Flughafen verantwortlich sein wird, so nicht stehenlassen. „Da der BER noch nicht eröffnet ist, gibt es keinen Luftsicherheitsbereich“, sagt der Sprecher der Bundespolizeidirektion Berlin, Matthias Lehmann. Der Baustellenbetreiber sei verantwortlich für die Sicherheit und damit auch für verlässliche Zugangskontrollen. „Deren Sache wäre es dann auch, eine Anzeige zu stellen“, so Lehmann. Dies sei jedoch bislang nicht geschehen.

Es sei problemlos gewesen, sich im BER umzuschauen, so Jeames

Es sei problemlos gewesen, sich im BER umzuschauen, so Jeames.

Quelle: privat

Im gesicherten Bereich der Baustelle

Der Sprecher betont: „An einem funktionierenden Flughafen wäre es unvorstellbar, dass so etwas passiert.“ Wer in die nicht öffentlichen Bereiche des Flughafens vordringen wolle, müsse die Luftsicherheitsüberprüfung der Bundespolizei über sich ergehen lassen. Auch beim Bundesverband der Sicherheitswirtschaft zeigt man sich wenig begeistert. „Zwar unterliegt der BER als Baustelle nicht den gleichen Sicherheitsbestimmungen wie ein Flughafen“, sagt eine Sprecherin, „aber ich empfehle dem Auftraggeber und dem Sicherheitsdienst dringend, den Vorfall mit den Mitarbeitern vor Ort zu klären.“

Die sollen Jeames zufolge kein Risiko in ihm gesehen haben. „Als ich dachte, jetzt ist es mal gut, standen da sechs oder sieben Sicherheitsleute“, sagt er, „da habe ich angenommen, es gibt Ärger.“ Aber nichts dergleichen passiert. „Die haben noch Witze gemacht, ich hätte wohl den falschen Flughafen erwischt.“ Die Flughafengesellschaft prüft jetzt nach eigener Aussage, wie Jeames in den gesicherten Bereich der Baustelle eindringen konnte.

Ein Büro, ein Aktenschrank, doch weit und breit ist niemand zu sehen

Ein Büro, ein Aktenschrank, doch weit und breit ist niemand zu sehen. Die Tür zum Bürokomplex fand Jeames lediglich angelehnt vor.

Quelle: privat

Einer hält sich indes aus allem heraus: Der frisch gekürte Aufsichtsratsvorsitzende, der Staatssekretär Rainer Bretschneider, will das Sicherheitsleck nicht kommentieren. Er lässt mitteilen, dies sei die Aufgabe der Geschäftsführung.

Von Saskia Kirf

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