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Unternehmer suchen dringend Azubis

Arbeitsmarkt Dahmeland-Fläming Unternehmer suchen dringend Azubis

In wenigen Wochen startet das neue Ausbildungsjahr: Mehr als die Hälfte aller Lehrstellen sind in der Region Dahmeland-Fläming noch nicht besetzt. Vor allem im Gaststättengewerbe und im Handwerk fehlt der Nachwuchs. Die Situation auf dem Arbeitsmarkt verschärft sich von Jahr zu Jahr. Doch es gibt Hoffnung auf eine langfristige Lösung.

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Messen, Informationsstände und Schnuppertage: Arbeitsagenturen und Betriebe gehen bei der Suche nach Azubis immer mehr auf Schulabgänger zu.

Quelle: dpa

Dahmeland-Fläming. Gute Zukunftsaussichten für Schulabgänger, schlechte für Unternehmer: Den Jugendlichen, die in der kommenden Woche das letzte Mal die Schulbank drücken, stehen in der Region Dahmeland-Fläming insgesamt 1934 Ausbildungsplätze zur Verfügung – 1033 davon sind immer noch offen. Das heißt: Mehr als die Hälfte der Lehrstellen in der Region, 53,41 Prozent, bei denen die Ausbildung in den kommenden Wochen starten soll, ist noch nicht besetzt. Ein Negativtrend, der sich von Jahr zu Jahr weiter verschärft.

Nach Angaben der zuständigen Arbeitsagenturen in Cottbus und Potsdam sind in den Kreisen Teltow-Fläming und Dahme-Spreewald insgesamt noch 833 junge Menschen auf der Suche nach einer Perspektive für die Zeit nach der Schule. Somit kommen auf einen Suchenden 1,24 freie Lehrstellen. Rein rechnerisch ein leicht zu lösendes Problem, doch die Realität auf dem Arbeitsmarkt sieht komplexer aus.

Hintergrund

In Teltow-Fläming sind der Arbeitsagentur für das Ausbildungsjahr 2016 1064 Lehrstellen gemeldet worden. Das sind 79 mehr als noch im Vorjahr.

Von 1014 suchenden Jugendlichen in Teltow-Fläming sind aktuell noch 464 ohne Ausbildungsstelle. Im Gegenzug dazu sind 579 Lehrstellen unbesetzt.

Der Arbeitsagentur Cottbus wurden für Dahme-Spreewald 870 Lehrstellen gemeldet, davon sind noch 454 frei.

Im Kreis hatten sich 825 Jugendliche als suchend gemeldet. 369 von ihnen haben noch keine Stelle gefunden.

Auch kurz vor Ausbildungsbeginn gibt es viel Bewegung. Wer sucht, kann sich auf der Jobbörse der Arbeitsagenturen über freie Stellen informieren.

Wie Doreen Ließ, Pressesprecherin der Arbeitsagentur in Potsdam erklärt, passen die Profile der Jugendlichen und der Betriebe nicht immer gut zusammen. Das betreffe zum Beispiel die geforderten Schulnoten oder auch die vagen Vorstellungen von dem Beruf. Viele Jugendliche wüssten auch kurz vor dem Schulabgang noch nicht, was sie einmal beruflich machen wollen. Andere würden noch auf ihr Zeugnis warten und sich erst danach bewerben.

Wer früh anfängt, hat Zeit für die Berufswahl

Doreen Ließ rät Schülern deshalb, sich rechtzeitig zu kümmern, am besten ein Jahr vor Schulende. „Zum Schluss hat man so viel mit den Prüfungen zu tun, da bleibt kaum Zeit für die Berufswahl“, sagt sie. Wer kurz vor Schluss aus Angst vor dem Nichts eine Entscheidung treffe, breche die Ausbildung häufiger wieder ab. Die Arbeitsagentur rät Jugendlichen daher, in den Ferien Praktika zu machen oder Schülerjobs anzunehmen. „Ein persönlicher Kontakt ist viel wichtiger als das Abschlusszeugnis“, sagt Ließ.

Die Branchen, in denen noch die meisten Azubis gesucht werden, sind Verkehr und Logistik, sowie Handel und Tourismus. Besonders Köche, Restaurantfachleute, Verkäufer und Lagerlogistiker fehlen. Wie Thorsten Golm, Sprecher der Industrie- und Handelskammer (IHK) in Cottbus mitteilt, sei in der Region besonders das Gaststättengewerbe vom Nachwuchsmangel betroffen.

Beliebt: Medienbranche und Tierpfleger

Beliebt hingegen sind laut Golm Ausbildungen in der Medienbranche, in kaufmännischen Berufen sowie als Tierpfleger. Besonders in der Medienbranche gebe es nur wenige Ausbildungsberufe – wie zum Beispiel den des Mediengestalters – auf die sich deutlich mehr Schulabgänger bewerben, als Plätze vorhanden sind.

Ein Betrieb, der zum August noch einen Auszubildenden sucht, ist die Dachbaufirma Erhard Fricke und Sohn in Trebbin. Wann genau sie den letzten Dachdecker ausgebildet haben, weiß Prokuristin Gabriele Fricke-Hakmann gar nicht mehr. „Das ist schon vier oder fünf Jahre her“, sagt sie. Auch für dieses Jahr macht sie sich kaum Hoffnungen. Im vergangenen Jahr hatte sie sich zu dieser Zeit noch gefreut: Ein Azubi war gefunden worden, der Vertrag bereits unterzeichnet. Doch zwei Tage vor Arbeitsbeginn ist dann der junge Mann wieder abgesprungen. „Er hatte kurzfristig noch etwas besseres gefunden“, erzählt Gabriele Fricke-Hakmann.

Nachwuchsmangel wird zum Problem

Die Gründe für den Nachwuchsschwund sind nach Ansicht der Prokuristin vielfältig. Da ist etwa die schlechte Nahverkehrsanbindung, da viele Schulabgänger noch zu jung sind, um selbst zum Betrieb zu fahren. Andere Bewerber hätten zu große Probleme in der Schule. „Wer nicht einmal den Satz des Pythagoras kennt, wird es schwer haben“, sagt Fricke-Hakmann. Außerdem mutmaßt sie, dass immer mehr junge Menschen lieber studieren.

Auch Ines Weitermann, Sprecherin der Handwerkskammer Potsdam, sagt, dass sich zu wenige junge Menschen für Ausbildungen entscheiden. Sie nennt das „alarmierend“. „Wir brauchen die Handwerksberufe“, sagt sie. „Eine Gesellschaft kann nicht nur von Doktoranden leben.“ Die Situation auf dem Ausbildungsmarkt ist wegweisend für die Zukunft der regionalen Wirtschaft.

Eine Lösung des Problems könnte langfristig die Ausbildung von jungen Flüchtlingen sein. Laut Anja Wierik, Sprecherin der Arbeitsagentur Cottbus, starten in diesem Oktober einjährige Praktikantenprogramme mit Flüchtlingen, so wie sie bereits mit schwer vermittelbaren Jugendlichen laufen. „Wir hoffen, dass sich daraus Ausbildungsverträge für die kommenden Jahre ergeben“, sagt sie.

Von Anja Meyer

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