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Unterwegs mit dem Ordnungsamt

Der Herr der Knöllchen Unterwegs mit dem Ordnungsamt

Auf Tour mit Christian Koch vom Ordnungsamt Rangsdorf – der Beamte wird bei seiner Arbeit geliebt und gehasst. Der 45-Jährige kann sich jedoch keinen schöneren Beruf vorstellen. Das hat viele Gründe. Einer davon hat mit der Begegnung der unterschiedlichsten Menschen und Charaktere zu tun.

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Knöllchen verteilen ist nur ein kleiner Teil der Arbeit von Christian Koch vom Rangsdorfer Ordnungsamt.

Quelle: Melanie Höhn

Rangsdorf. Jeder Tag ist für Christian Koch wie eine Expedition in den Dschungel. Nie weiß er, was ihn erwartet; und keiner der Rangsdorfer hat eine Ahnung, wann genau er morgens seine Arbeit aufnimmt. Wenn der Verwaltungsangestellte dann mit seiner dunklen Uniform vor ihnen steht, wird er von jedem erkannt, viele ahnen nichts Gutes. „Wir sind noch unbeliebter als die Polizei“, sagt Christian Koch über seinen Berufsstand – der 45-Jährige ist beim Ordnungsamt in Rangsdorf beschäftigt. Doch er liebt seinen Job. „Es ist mein Traumberuf, weil er sehr vielfältig ist. Das Schönste daran: Man ist viel draußen und trifft Menschen.“

Bemerkungen über Verstöße stapeln sich bereits in seinem Fach, als er um 7 Uhr das kleine Büro im Rathaus betritt. Aber er ist gut gelaunt. Vier Stunden Außendienst hat er vor sich und will sich zunächst einen Gesamtüberblick über Rangsdorf, Großmachnow und Klein Kienitz verschaffen – sein Einzugsgebiet. Er will keine Zeit verlieren und eilt zum Auto, sorgfältig klebt er die Ordnungsamt-Schilder von außen an den Geländewagen. Das allein hat schon Signalwirkung. Bald werden die ersten Schüler von ihren Eltern zur Grundschule gebracht – spätestens 7.20 Uhr muss er in der Clara-Zetkin-Straße angekommen sein. Die Eltern parken hier oft im absoluten Halteverbot. Viele erspähen ihn schon aus den Augenwinkeln und fahren eilig weg. „Manchen Eltern kommen regelrecht Laserschwerter aus den Augen, wenn sie mich sehen. Andere freuen sich über meine Anwesenheit“, sagt er. Ein Vater bemerkt ihn jedoch nicht, ruhig spricht ihn Christian Koch auf das Halteverbot an. „Nur zehn Sekunden hier anzuhalten kann den Verkehr ins Stocken bringen“, erläutert der gebürtige Berliner die Situation. Für Christian Koch ist die Arbeit vor der Schule eine Herzensangelegenheit, ihm ist die Sicherheit der Kinder sehr wichtig.

Nicht alle Rangsdorfer haben einen Groll auf ihn

Als die Schulglocke um 8 Uhr läutet, ist seine Arbeit hier getan. Doch bevor er in seinen Dienstwagen steigen kann, quetscht sich noch der Schulbus an ihm vorbei. Christian Koch ist oft hier, der Busfahrer der Linie 713 grüßt ihn. Oft wird er auch im Supermarkt direkt angesprochen. „Manche Leute können Amt und Person nicht trennen und regen sich über mich auf“, erzählt er. Während seiner Arbeit kann es vorkommen, dass ihm manche den Stinkefinger zeigen, ihn beleidigen, hupen oder sich schriftlich im Rathaus beschweren. Er könnte das zur Anzeige bringen – doch das möchte er nicht: „Ich will den Menschen auch nach Dienstschluss noch in die Augen schauen können.“ Nicht alle Rangsdorfer haben einen Groll auf ihn, viele fühlen sich durch seine Arbeit beschützt.

Hintergrund

Die Ordnungsämter erzielen ein Großteil ihrer Erträge über Buß- und Verwarngeld, etwa wegen Falschparkens oder Ordnungsverstößen. Hier eine Übersicht der Einnahmen einiger Gemeinden aus dem Jahr 2015:

Rangsdorf: 21 000 Euro.

Ludwigsfelde: etwa 370 000 Euro.

Luckenwalde: 63 000 Euro.

Jüterbog: 98 000 Euro.

Blankenfelde-Mahlow: 72 000 Euro.

Langsam entfernt er sich von der Schule und entdeckt wenig später eine Matratze vor einem Hauseingang. „Hausrat darf nur 24 Stunden vor der Entsorgung nach draußen gestellt werden. Ich werde kontrollieren, ob diese Frist eingehalten wird“, sagt er. Seine morgendliche Tour führt ihn weiter zum Strandbad: Hunde müssen dort an der Leine sein. Doch weit und breit ist niemand zu sehen. Im Sommer machen die Badegäste hier manchmal Probleme, erinnert er sich: „Letztes Jahr haben Berliner Gäste versucht, mich zu bestechen. Sie wollten mir 100 Euro geben, damit sie vor dem Bad parken können. Und sie grillten, das ist aber verboten. Viele Rangsdorfer regt das auf, da prallen Kulturen aufeinander.“ In solchen Momenten zu vermitteln, auch das ist sein Job, denn Bürgergespräche machen einen großen Teil seiner Arbeit aus. „Man muss schon mit den Leuten sprechen. Viele erzählen mir von ihrem Kummer. Für den Beruf braucht man Menschenkenntnis“, erklärt er. Eine einheitliche Ausbildung gibt es nicht, Christian Koch ist gelernter Bäcker, machte danach eine Bankausbildung und sattelte während der Bankenkrise um. Zehn Jahre arbeitete er auch im Katastrophenschutz und fuhr Rettungswagen.

Bürgergespräche gehören zu seinem Job

An diesem Mittwoch erreicht sein silberner Geländewagen gegen 9 Uhr das Gewerbegebiet am Südring-Center. Dort achtet er vor allem auf die Parkweise der Lkw-Fahrer, doch aus Sicherheitsgründen kontrolliert er die Fahrer nur zu zweit. Oft muss er den Betroffenen mit Händen und Füßen erklären, was er möchte. Der Gesamtüberblick in Rangsdorf ist geschafft. Erster Anlaufpunkt im drei Kilometer entfernten Großmachnow ist die Grundschule. Gelegentliches Delikt ist hier das Parken im verkehrsberuhigten Bereich. Doch heute ist alles gut, Christian Koch kann weiterfahren zum Mühlenberg. Dort entdeckt er ein Müllproblem, Bürger laden dort immer wieder Rasenschnitt, Müllsäcke oder Bauschutt ab – wie ein Detektiv dokumentiert er die Verstöße.

Wieder in Rangsdorf angekommen, stehen noch die Nachkontrollen der Straßenreinigung an. Am Ortseingang trifft er auf Anneliese und Rolf Winkler, die sich über Raser in ihrer Straße und Nachbarn beschweren, die ihr Laub nicht ordentlich wegkehren; Christian Koch und hat ein offenes Ohr für die beiden. Sein letzter Akt an diesem Vormittag: Zwei Knöllchen vor dem Rangsdorfer Rathaus verteilen, denn in den Autos lag keine Parkscheibe. „Jetzt muss ich schneller sein als der Bürger“, sagt er, während er mit seinem mobilen Datenerfassungsgerät den Tatbestand dokumentiert und zwei Fotos damit schießt. Den Bürgern winken 10 Euro Bußgeld.

Manchmal gibt es Gnade

Manchmal haben die Leute Glück, wenn sie rechtzeitig wieder am Auto sind, doch jede Situation sei anders, sagt der Angestellte und fügt hinzu: „Was für mich gar nicht geht, sind Feuerwehrzufahrten. Aber wenn ich einer Person schon ansehen kann, dass der Strafzettel eine große finanzielle Belastung ist, kommt derjenige schon mal mit einer Verwarnung davon.“ Entscheidend ist, wie ihm die Leute begegnen, „ob protzig oder einsichtig“, wie er sagt. „Auf der einen Seite gibt es die Straßenverkehrsordnung, auf der anderen regelt das Leben viele Dinge. Oft kommt aber mein Herz durch.“

Von Melanie Höhn

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