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Dahme-Spreewald Urne statt Sarg
Lokales Dahme-Spreewald Urne statt Sarg
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10:25 20.11.2016
Friedhofsgärtner Burkhard Koch hat vor dem Totensonntag wieder viel zu tun. Quelle: Danilo Hafer
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Dahmeland-Fläming

In den vergangenen Tagen hatte Burkhard Koch wieder viel zu tun. Rund 80 Gräber musste der 54-Jährige Friedhofsgärtner auf dem Nordfriedhof in Bestensee winterfest machen. „Wenn es auf den Totensonntag zugeht, haben wir immer reichlich zu tun“, sagt Koch. Auf drei Friedhöfen entfernt er die Sommerbepflanzungen auf den Gräbern und legt Tanne und Gestecke aus. Doch auch wenn die Tage vor dem Totensonntag immer stressig sind, so viel wie früher hat Koch nicht mehr zu tun. Jedes Jahr fallen ein paar Gräber weg. „Im Schnitt glätten wir jedes Jahr 15 Gräber, nicht einmal die Hälfte kommt wieder dazu“, sagt er. Das verändert auch das Gesamtbild des Friedhofs. Schon heute sind auf dem Nordfriedhof viele Freiflächen zu sehen. Vor 20 Jahren, sagt Koch, seien die Grabstellen noch voll belegt gewesen. Dort, wo einst Grabsteine und Einfassungen aus Stein das Bild prägten, wächst heute teilweise Rasen.

Nach Aussage des Instituts für kommunale Haushaltswirtschaft werden bereits heute mehr als 30 Prozent der Friedhofsflächen in Deutschland nicht mehr benötigt. Im Umgang mit solchen Freiflächen sieht auch die Stadt Luckenwalde eine der größten Herausforderungen. „Durch den Trend zur Urnenbestattung wird immer weniger Fläche zur Beisetzung benötigt. Wir versuchen mit neuen Bestattungsformen wie Baumbestattungen und dem Angebot von Erdgemeinschaftsanlagen, den Überhang zu kompensieren“, teilt das Friedhofsamt mit. Flächen die man derzeit nicht benötigt, werden temporär als Grünfläche gepflegt.

Lebensbedingungen beeinflussen die Bestattungsart

Einen der Hauptgründe, warum sich immer mehr Menschen gegen eine klassische Erdbestattung entscheiden, sieht das Friedhofsamt Luckenwalde vor allem in den heutigen Lebensbedingungen vieler Menschen. Auf Grund des Arbeitsmarktes, bei dem die Menschen der Arbeit hinterherziehen und nicht mehr das ganze Leben auf einer Stelle stattfindet, seien die Angehörigen zeitlich und räumlich kaum noch in der Lage, eine Grabpflege durchzuführen.

Auch in Königs Wusterhausen nehme der Anteil der Urnenbestattungen zu, sagt Sprecherin Katja Klinner mit. Die Gesamtzahl der Bestattungen auf den zehn städtischen Friedhöfen sei aber auf gleichem Niveau. „Vor dem Hintergrund größerer Freiflächen werden neue Ideen für den Erhalt oder die Umgestaltung der Friedhöfe entwickelt“, so Klinner. Freiflächen könnten unter anderem für Themengräber, wie etwa Baumurnengräbern, genutzt werden. Diese gibt es bereits auf dem Friedhof in der Potsdamer Straße. Trotz der Veränderungen, oder vor allem deswegen, betrachtet die Stadt Königs Wusterhausen die Friedhöfe als wichtiges Kulturgut. Neben seiner eigentlichen Funktion stünden dabei auch der Parkcharakter, den ein Friedhof hat und dessen harmonische Gestaltung im Mittelpunkt, heißt es.

Halbanonyme Grabstätten sind beliebt

„Immer mehr Menschen entscheiden sich für anonyme oder halbanonyme Gräber“, beobachtet auch Burkhard Koch in Bestensee. Unter zehn Beisetzungen sei im Schnitt eine klassische Erdbestattung. Auf dem Nordfriedhof gibt es daher inzwischen zwei Anlagen für anonyme und halbanonyme Bestattungen. Vor kurzem wurde zudem ein Baumgrab angelegt. „Für viele Menschen sind diese Bestattungen einfach weniger aufwendig, denn ein klassisches Grab muss man schon dreimal in der Woche gießen und nach dem rechten schauen“, so Koch. Und Geld für einen Friedhofsgärtner hätten längst nicht alle. Dabei sei eine Jahrespflege mit rund 150 Euro nicht sehr teuer.

Den Trend nach neuen Bestattungsformen hat man auch in Mittenwalde erkannt. „In diesem Jahr haben wir alle städtischen Friedhöfe mit halbanonymen Baumgräbern ausgestattet“, sagt die Leiterin der Ordnungsverwaltung, Gabriele Frenzel. Nachdem die ersten Gräber dieser Art im Stadtkern gut aufgenommen worden seien, habe sich die Stadt entschieden, solche auch in den Ortsteilen anzulegen. Dabei wird zumeist ein neuer Baum gepflanzt, um den herum acht Grabflächen angelegt sind. Je nach Wunsch können diese dann mit einem Gedenkschild, das an den Verstorbenen erinnert, versehen werden. „Bei diesen Gräbern ist die Pflege für die Angehörigen nicht mehr so aufwendig, sie müssen nicht mehr jede Woche auf den Friedhof kommen“, sagt Gabriele Frenzel.

Wildschweine verursachen Probleme

Friedhofsverwaltungen werden immer wieder vor Herausforderungen gestellt. Und nicht immer haben diese etwas mit den Beisetzungen zu tun. Manchmal sind sie auch tierischer Natur. „Wildschweine suchen in der Tat auch auf Friedhöfen nach Blumenzwiebeln, deshalb sind stabile Zäune wichtig, aber auch, dass die Besucher die Tore schließen“, sagt Katja Klinner von der Stadt Königs Wusterhausen. Die Stadt will die Zäune an ihren Friedhöfen sukzessive erneuern.

Hintergrund

Auf dem Dahmer Friedhof wird am heutigen Sonnabend um 13.30 Uhr die Grabstätte einer Tuchmacherfamilie als Erinnerungsstätte ihrer Bestimmung übergeben.

Über zwölf Generationen hat die Tuchmacherdynastie Schmidt in Dahme begehrte Textilien für die Bevölkerung und für Militär, Post, Industrie und Eisenbahn hergestellt. Um auf die Bedeutung der Tuchmacher aufmerksam zu machen, haben Nachkommen der Familie die Grabstätte auf ihre Kosten Instand setzen lassen. Die Gedenkstätte soll mit einer kurzen Information, mit Gebet und Musik vorgestellt werden.

Zur feierlichen Einsegnung des Partnergartens auf dem Friedhof „Vor dem Baruther Tor“ in Luckenwalde wird am Sonntag um 15.30Uhr eingeladen – im Anschluss an den Gedenkgottesdienst in der Kapelle, der um 14 Uhr beginnt.

Der Partnergarten ist eine neue Begräbnisform. Er ist einem kleinen Garten ähnlich und mit Doppelurnenstellen besetzt, sodass Ehepaare und Lebenspartner beieinander bestattet werden können.

Auch in Luckenwalde sei das Problem der Wildtiere groß, weshalb Zäune erhöht wurden. „Außerdem haben wir einen Wildzaun gesetzt, der auch in der Erde tiefer verankert wurde, damit Wildschweine ihn nicht untergraben“, teilt das Friedhofsamt mit. Sollte es viele Beschwerden über Wildschäden geben, benachrichtige die Stadt einen Jäger. Zudem werden bei Bedarf auch Treibjagden durchgeführt.

In sechs Jahren plant Friedhofsgärtner Burkhard Koch etwas kürzer zu treten. Den Betrieb wird dann sein Sohn übernehmen, so wie Burkhard Koch 1998 die Gärtnerei von seinem Vater übernahm. In den 80 Jahren, in denen es das Familienunternehmen bereits gibt, habe sich viel verändert. Die Gründe, aus denen sich heute immer mehr Menschen für eine andere Bestattungsform als die klassische Erdbestattung entscheiden, kann Burkhard Koch verstehen. Dennoch stimmt ihn die Entwicklung etwas traurig. „In den vergangenen Jahren ist schon viel an Friedhofskultur verloren gegangen“ sagt er. Man müsse sich von dem Bild, das man bisher von einem Friedhof hatte, verabschieden.

Von Danilo Hafer

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