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Vernetzung ist die halbe Miete

Dahmeland-Fläming Vernetzung ist die halbe Miete

In den 1990er Jahren flossen Millionen in Fernradtrassen, heute wird eher in kleine Wege und Querverbindungen investiert. Was fehlt: eine Vernetzung. Regionenübergreifend sind oft keine Wege ausgeschildert.

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Ein Radweg-Hinweis in Königs Wusterhausen.

Quelle: Gerlinde Irmscher

Dahmeland-Fläming. Wenn Axel von Blomberg über das Radfahren südlich von Berlin spricht, dann kommen ihm nicht nur wohlwollende Formulierungen über die Lippen. Axel von Blomberg ist leidenschaftlicher Radfahrer. Er hat vor vielen Jahren den ADFC in der Region mitbegründet, ist Tourenführer, er hat viele Bücher über die Radwege Brandenburgs geschrieben, über die Jahre hat er sich fast jeden Radweg in Dahme-Spreewald und Teltow-Fläming erradelt. Das Erlebnis sei aber durchwachsen, sagt er, und das nicht nur, weil der große Fernradweg Berlin – Leipzig aus seiner Sicht schlecht geplant und auch schlecht umgesetzt ist. Es fehle darüber hinaus am vielleicht Wichtigsten: einer Vernetzung.

Hintergrund

Wesentliche Vorgaben für das Radwegenetz sind in den Neunzigerjahren von Bund und Land gemacht worden. Damals wurden vorrangig Fernradwege gebaut und gefördert – teilweise allerdings in Unkenntnis der tatsächlichen Bedarfe. Viele der damals angelegten Radwege befinden sich heute in schlechtem Zustand und werden nicht in dem Maße genutzt wie erhofft.

Ein Förderprogramm der ILB soll aber zumindest die Unterhaltung dieser Wege erleichtern. Mehrere Kommunen aus dem Landkreis Dahme-Spreewald haben schon für die Modernisierung einiger Streckenabschnitte des Dahme-Radwegs Förderung beantragt.

Es gebe herrliche Rundkurse, sagt Blomberg, die Fläming-Skate, den 123 Kilometer langen Dahme-Radweg für ganz Engagierte. Aber wer von diesen Routen abweichen will, der habe es schwer. „Es gibt einen ausgeschilderten Weg am Nottekanal, eine sehr attraktive Verbindung von Königs Wusterhausen nach Mittenwalde, glitzerndes Wasser, Bäume, keine Autos, der kommt bei meinen Leuten gut an“, sagt er. Aber in Mittenwalde hänge man dann in der Luft. „Wie komme ich von dort aus nach Rangsdorf oder Blankenfelde? Es sind keine Wege ausgeschildert, da wurde nicht in Netzen gedacht, das ist Kirchturmpolitik, wie sie in touristischen Zusammenhängen leider weit verbreitet ist“, sagt er. Das ist wohl richtig zum Teil. Zum Teil aber auch nicht.

Ein mühsames Geschäft

Detlef Gärtner (SPD) ist Beigeordneter in Teltow-Fläming und zuständig für Radwege im Landkreis. Er war schon im Amt, als der frühere Landrat Peer Giesecke (SPD) die Fläming-Skate bauen ließ, ein Millionenprojekt, das neben Skatern auch dem Radtourismus zugute kommt. Gärtner ist so etwas wie der Radfahr-Lobbyist in der Kreisverwaltung und er hat in den vergangenen 25 Jahren viele Projekte gelingen, aber auch einige versanden sehen. Sein jüngstes Beispiel: Ein Radweg zwischen dem Zossener Ortsteil Zesch am See und dem benachbarten Teupitz. Bei diesem Weg habe es vor zehn Jahren ein Einvernehmen zwischen Teltow-Fläming und Dahme-Spreewald gegeben, sagt Gärtner. Dann aber gab es planerische Schwierigkeiten. Als die geklärt waren, ging Teltow-Fläming das Geld aus. Und jetzt, das der Landkreis wieder zahlungskräftiger ist, will Dahme-Spreewald nicht mehr. Detlef Gärtner: „Planung und Bau von Radwegen sind ein sehr mühsames Geschäft.“

Eine Frage der Zuständigkeit

Das gilt auch in größeren Zusammenhängen. Landrat Giesecke hatte beim Bau der Fläming-Skate auch zwei Anbindungen an Berlin vorgesehen. „Eine entlang der B101 und eine entlang der B96, dazu noch eine nach Potsdam entlang der B246“, erinnert sich Gärtner. Das wäre ein guter Ausgangspunkt für ein Netz. Dass diese Anbindungen bis heute nicht vollständig hergestellt sind, habe mit zahlreichen Faktoren zu tun. Zum einen gebe es die Frage der Zuständigkeit. Einen straßenbegleitenden Radweg baut in Deutschland derjenige, dem auch die Straße gehört. Bei Bundesstraßen ist es der Bund, bei Landesstraßen das Land. Und nur bei Kreisstraßen der Kreis. „Wir können dem Bund schlecht sagen, dass sie Radwege bauen sollen“, sagt Gärtner.

Die Realität sieht deshalb so aus, dass die Kreisverwaltung jedes Jahr bei Treffen mit dem zuständigen Landesbetrieb darauf hinweist, wie wichtig die Radwege aus Sicht des Landkreises sind. Manchmal wird dann ein Stück geplant und gebaut, manchmal auch nicht. Für einen Abschnitt entlang der B246 bei Trebbin hat der Landkreis sogar die Ausschreibung und die Bauaufsicht übernommen, weil man beim Landesbetrieb dafür keine Kapazitäten hatte. So kam man Stück für Stück zu Radwegen – aber auch mehr als zehn Jahre nach Beginn der Planungen ist es immer noch so, dass Wege plötzlich enden und auf Bundesstraßen führen. „Das zu ändern, braucht einfach Zeit“, sagt Gärtner.

Wissenschaft für sich

Dass das Anlegen und Ausschildern von Radstrecken eine Wissenschaft für sich ist, kann auch Dana Klaus berichten, wenngleich aus anderen Zusammenhängen. Sie ist beim Tourismusverband Dahme-Seen für die Radtouristen zuständig und war dabei, als vor einigen Jahren neue Touristenrouten ausgearbeitet wurden. Man hatte damals erkannt, dass die meisten Touristen etwa einen halben Tag für eine Tour einplanen und die großen Fernradwege sich dafür kaum eigenen. Das Büro, das die neuen Rundfahrten geplant hat, hat die Touristen dann nach wissenschaftlichen Kriterien in Typen eingeteilt: der Naturradler, die Familie, der sportliche Radfahrer. Für die wurden spezielle Touren ausgearbeitet, etwa die „Pack die Badehose ein“-Tour, die anschließend entsprechend beworben wurden. Tatsächlich zog man damit deutlich mehr Radtouristen in die Region. Ein Effekt, auf den auch Daniel Sebastian Menzel, Geschäftsführer des Tourismusverbandes Fläming hofft. Sein Verband hat extra für das Luther-Jahr Reformationsrouten zusammengestellt. „Wir hoffen, dass wir damit auch Vielradlern, die schon jeden Radweg kennen, etwas Neues bieten können“, so Menzel.

Knotenpunkt-Wegweisung

Das Problem ist nur, dass die Touristen bei dieser Art von Touren stets auf Karten angewiesen und wenig flexibel in der Streckenführung sind. Abhilfe soll die so genannte „Knotenpunkt-Wegweisung“ schaffen, ein Konzept, das Dana Klaus einen „großen Hoffnungsschimmer“ nennt. Das ist ein relativ neues Beschilderungssystem, dass bereits in einigen anderen Landkreisen erfolgreich getestet wurde, und das sich nicht nach Orten oder Wegmarken richtet, sondern nur nach Kreuzungen, also Knotenpunkten. Diese sind auf Karten vermerkt und auch auf Wegweisern verzeichnet. Der Tourist kann sich damit seine Route selbst zusammenstellen – und er kann sie bei Bedarf auch variieren. Aber auch dieses System ist nicht von heute auf morgen installiert. Der Landkreis Dahme-Spreewald hat kürzlich dafür Fördergeld beantragt. Wenn das bewilligt ist, muss noch ein umfangreiches Konzept geschrieben werden. Nach Aussage von Kreissprecherin Heidrun Schaaf wird es vor 2018/19 mit der Knotenpunkt-Wegweisung wohl nichts.

Von Oliver Fischer

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