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Verwalten oder gestalten?

Stichwahl in Mittenwalde Verwalten oder gestalten?

Mittenwalde wählt. Am Sonntag treten bei der Stichwahl zwei Kandidatinnen an. Maja Buße (CDU) will genauso Bürgermeisterin werden wie Hedda Dommisch (parteilose Einzelkandidatin). Eine braucht Quorum wie Mehrheit, um das höchste Amt in der Stadt bekleiden zu können. Worin unterscheiden sich die Kandidatinnen? Wer hat Visionen? MAZ bat beide zum Streit-Gespräch.

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Maja Buße (CDU, l.) und Hedda Dommisch (parteilos) beim Streit-Gespräch in der MAZ-Redaktion in Königs Wusterhausen.

Quelle: Gerlinde Irmscher.

Mittenwalde. Bei den Stichwahlen am Sonntag, dem 17. Juli, in Mittenwalde stehen zwei Kandidatinnen zur Auswahl: Maja Buße (CDU) und Hedda Dommisch (parteilose Einzelkandidatin). MAZ bat beide zuvor noch einmal zu einem Streit-Gespräch in die Redaktion.

Wie sieht Ihre Vision für Mittenwalde in den nächsten zwanzig Jahren aus?

Buße: Ich möchte, dass wir das Stadtentwicklungskonzept erstellen. Wir sollten ein Konzept entwickeln mit externer Beratung in Zusammenarbeit mit der Verwaltung und dem Bürgermeister. Das Ergebnis sollte dann in den Ausschüssen beraten werden. Für mich ist weiter wichtig, dass wir die leeren Gewerbegebiete füllen. Wir sollten zusehen, dass wir die Ortsteile, in denen es freien Bauraum gibt, füllen und Investoren für Wohnungsbau finden.

Dommisch: Für Mittenwalde geht es darum, die Infrastruktur zu entwickeln, damit der Bürger sich hier wohl fühlt. Wir wollen den Wohnungsbau vorantreiben und dies für jede Klientel. Gleichzeitig müssen wir das Gewerbe entwickeln. Wir haben Gewerbegebiete, die noch nicht besiedelt sind.

Tourismus spielt keine Rolle?

Buße, Dommisch: Doch, doch.

Aber die „Paul-Gerhardt-Stadt Mittenwalde“ wird es nicht geben?

Dommisch: Die Bezeichnung wurde abgelehnt. Das wurde nicht mit der nötigen Mehrheit beschlossen. Aber die Möglichkeit besteht , dem Bürger noch mal zu vermitteln, den Namen Paul Gerhardt für touristische Zwecke zu nutzen.

Ist diese Entscheidung nicht symptomatisch für Mittenwalde – die Ortsteile gegen die Kernstadt?

Buße: Fünf Ortsteile hatten sich im Vorhinein für die Zusatzbezeichnung ausgesprochen. Dem Beschluss hätte sicher gut getan, noch einmal deutlich darauf hinzuweisen, dass es eine freiwillige Angelegenheit ist. Ich habe jetzt bei der Paul-Gerhardt-Gesellschaft angerufen. Pfarrer Böttler wird noch einmal hierher kommen und uns erläutern, warum und wie wir als Stadt vom Namen Paul Gerhardt profitieren können.

Dommisch: Ich muss aber sagen, als Verwaltung haben wir informiert. In der SVV, im Tourismusausschuss und auch gegenüber den Ortsvorstehern ist gesagt worden, man sieht hier die Möglichkeit, den Tourismus zu fördern.

Wer von Ihnen beiden bezieht die Ortsteile besser ein?

Buße: Das müssen andere entscheiden. Wichtig ist, dass die Vorlagen aussagekräftiger vorbereitet werden, so dass weniger Fragen bei den Abgeordneten offen bleiben. Der Informationsbedarf ist enorm. Wenn wir konstruktiv zusammenarbeiten, werden wir bessere Fachentscheidungen treffen können.

Frau Buße, was machen Sie anders als Frau Dommisch?

Buße: Frau Dommisch sieht alles aus der Sicht einer Verwaltungsmitarbeiterin, einer Kämmerin, die sie seit 25 Jahren ist. Sie hat da ihren gefestigten Blickwinkel. Ich betrachte das aus dem Blickwinkel einer Abgeordneten, einer Lokalpolitikerin und nicht als Verwaltungsangestellte.

Was machen Sie, Frau Dommisch, anders als in dem Jahr, in dem Sie bereits amtierende Bürgermeisterin waren?

Dommisch: Ich war Vertretung und habe versucht, die anstehenden Aufgaben fortzuführen.

Was machen Sie jetzt anders?

Dommisch: Ich möchte besser mit den Ortsbeiräten zusammenarbeiten. Die Bürger können in die Arbeit mit einbezogen werden, so könnte ein Bürgerhaushalt eingeführt werden.

Buße: Einen Bürgerhaushalt hat die CDU-Fraktion vor zwei, drei Jahren schon vorgeschlagen. Damit sind wir gnadenlos gegen geschlossene Türen gerannt seitens der Politik, aber auch seitens der Verwaltung. Das hätte ja schon längst gemacht werden können.

Dommisch: Richtig. Aber da gab es noch Gesprächsbedarf.

Buße: Das hätte doch seitens der Verwaltung angeschoben werden können. Für uns war es erledigt, weil wir gesehen haben, es ist nicht gewollt. Man hätte vom Rathaus aus doch auch mal an uns herantreten können, um Vorschläge zu unterbreiten, wie man vielleicht einen Konsens hinkriegt. Da ist bis heute nichts passiert.

Dommisch: Es wurde sich aber damit auseinander gesetzt und nun muss man sehen, was man machen möchte und da kann man sicher auch mit der Politik drüber reden.

Buße: Das ist doch immer nur Hätte, Wenn und Aber. Ohne dich jetzt zu scharf zu kritisieren, Hedda, aber wenn wir wirklich gesehen hätten, dass in diesem Jahr Vertretung auch nur der Ansatz von Veränderung gekommen wäre, dann hätten wir als CDU-Stadtverband keinen eigenen Kandidaten aufgestellt. Du hättest schon Änderungen vollziehen können.

Dommisch: Machen wir uns mal nichts vor, wenn Vorschläge zur Veränderung gekommen sind, ist man dem doch nie gefolgt.

Buße: Welche Vorschläge gab es denn? Mir sind keine bekannt. Es ist das laufende Tagesgeschäft abgearbeitet worden

Worin unterscheidet sich Ihr Führungsstil?

Buße: Für mich ist es wichtig, dass es eine Veränderung gibt. Und die wird durch mich vollzogen, weil ich nun einmal nicht Verwaltungsmitarbeiterin bin, sondern von außen komme und mich engagiere. In der Verwaltung ist es wichtig, dass die Mitarbeiter wieder motiviert, gefordert und gestärkt werden. Sie treffen momentan keine Entscheidungen, die eigentlich in ihrer Kompetenz und in ihrer Gehaltsstufe liegen. Ich möchte die Mitarbeiter stärken, dass sie dafür wieder das Selbstvertrauen finden.

Warum hat sich das noch nicht verändert?

Dommisch: Ich denke, mein Führungsstil ist recht gut. Es ist bereits angesprochen worden, dass die Mitarbeiter nicht so entscheidungsfreudig sind. Wir arbeiten daran, führen Dienstberatungen durch. Ein Teamtag ist angedacht.

Stichwort Gemeindegebietsreform: Angenommen, Mittenwalde wächst nicht. Mit wem würde Mittenwalde zusammengehen wollen? Wäre Bestensee eine Option?

Buße: Bestensee und Mittenwalde – das ging beim alten Bürgermeister gar nicht. Das wird bei Frau Dommisch und mir mit Sicherheit anders laufen. Ich gehe davon aus, dass da schon erste lockere Gespräche geführt wurden.

Dommisch: Ja, man hat schon mal in Richtung Bestensee geschaut. Wir haben ja jetzt im Vorhinein schon die Möglichkeit, über Kooperationen etwas zu gestalten. Mit Herrn Quasdorf sind aber noch keine Gespräche gelaufen. Bisher haben wir nur geschaut, wie man über Kooperationen zusammenarbeiten kann und Synergien gewonnen werden können.

Welche Ortsteile haben die größten Entwicklungs-Defizite?

Dommisch: Defizite würde ich nicht sagen.

Telz gehörte früher zu Zossen. Ist der Ortsteil heute Stiefkind?

Dommisch: Telz ist kein Stiefkind. Er ist immer mit berücksichtigt worden, es fand Straßenbau statt, das Gemeindehaus wurde ausgebaut, die Radwegeanbindung nach Mittenwalde erfolgte.

Buße: Jeder Ortsteil hat seinen Fokus. Nichtsdestotrotz ist bei so manchem der Eindruck da, dass er hinten ansteht. Wenn man sich zum Beispiel überlegt, wie lange es in Schenkendorf-Krummensee mit dem Gehwegbau gedauert hat. In anderen Ortsteilen wurden dagegen Straßen gemacht, die noch hätten warten können.

Dommisch: Streitpunkt war die Straße zwischen Schenkendorf und Krummensee. Es hat wirklich lange gedauert, bis sie in die Prioritätenliste kam. Nun erfolgt der Gehweg- und Straßenbau.

Mittenwalde hat neben Paul Gerhardt viel zu bieten. Allerdings scheint die Stadt in einem Dornröschenschlaf zu schlummern: Wer von Ihnen küsst Mittenwalde wach?

Buße: Ich küsse Mittenwalde wach, weil ich frisch und neu bin.

Dommisch: Ich küsse Mittenwalde wach, weil ich alle mit ins Boot nehme.

Das Gespräch führten

Andrea Müller und Lothar Mahrla.

Von Andrea Müller

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