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Dahme-Spreewald Viele Kinder, wenige Hebammen
Lokales Dahme-Spreewald Viele Kinder, wenige Hebammen
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11:48 22.02.2017
Der Babyboom ist da. In den vergangenen Monaten gibt es in der gesamten Region eine Zunahme an Geburten. Die Folgen sind hier aber noch nicht so gravierende wie in Berlin. Quelle: dpa
Dahmeland-Fläming

Es kann kaum eine bessere Nachricht geben: „Babyboom in der Region“ meldete die MAZ kürzlich. Im vergangenen Jahr kamen in den Krankenhäusern in Ludwigsfelde, Luckenwalde und Königs Wusterhausen so viele Kinder zur Welt wie seit langem nicht mehr. Doch der Babyboom hat auch seine Schattenseiten, wie sich nur ein paar Kilometer entfernt zeigt. Die Szenen, die sich auf den nahe gelegenen Berliner Geburtsstationen abspielen, muss man sich dramatisch vorstellen. In Friedrichshain etwa mussten die Kreißsäle eines Klinikums im Januar an 13 Tagen gesperrt werden, Rettungswagen mit Schwangeren in den Wehen mussten sich ein anderes Ziel suchen. in Kreuzberg musste eine frisch gebackene Mutter im Kreißsaal übernachten, es gab kein freies Zimmer für sie und ihr Neugeborenes. Und Berlins berühmtestes Krankenhaus, die Charité, musste Frauen, die ihr Kind zur Welt bringen wollten, wegschicken. Für sie war kein Platz im ältesten Krankenhaus der Hauptstadt.

Dünne Personaldecke

So weit ist es in Dahmeland-Fläming nicht. Doch auch in Teltow-Fläming und Dahme-Spreewald sind die Geburtshelferinnen alarmiert. „Die Personaldecke ist ohnehin dünn, sowohl in den Kliniken als auch bei den Freiberuflerinnen“, sagt Martina Schulze, die Vorsitzende des Hebammenverbands Brandenburg. Das hat Auswirkungen, die Mutter und Kind ebenso zu spüren bekommen wie die Hebamme selbst: „Wenn mehr Kinder geboren werden und gleichzeitig nicht mehr Hebammen da sind, bedeutet das ganz einfach mehr Arbeit für die einzelne Kollegin“, sagt Schulze. „Wir tun alles, um eine bestmögliche Versorgung zu gewährleisten“, betont die erfahrene Geburtshelferin. Doch ab einem bestimmten Punkt sei diese nicht mehr zu beeinflussen. Zumal, wenn nicht alles zu 100 Prozent nach Plan läuft. „Kinder kommen, wann sie wollen, nicht, wann sie sollen“, sagt Schulze, die in ihren 16 Jahren als Hebamme selbst um die eintausend Schwangere begleitet hat. Schwierig werde es vor allem, wenn eine Kollegin mehrere Frauen betreue, bei denen die Wehen dann unplanmäßig zeitgleich begännen.

Krankenhäuser geben sich entspannt

In den Krankenhäusern der Region gibt man sich dagegen entspannt. „Es ist richtig, dass wir im Klinikum Dahme-Spreewald 2016 insgesamt 1332 Neugeborene hatten, so viele wie lange nicht“, sagt der Chefarzt der Gynäkologie und Geburtshilfe in Königs Wusterhausen, Rüdiger Müller. Dieser erfreuliche Trend zu Familie setze sich in diesem Jahr fort. „Es steht genug Personal zur Verfügung, ebenso sind die notwendigen Räumlichkeiten vorhanden“, sagt der Chefarzt, „weggeschickt wird niemand, auch die Bettenkapazität reicht. Es kann höchstens einmal vorkommen, dass ein gewünschtes Familienzimmer, in dem auch der Kindsvater übernachtet, belegt ist.“ Im Ludwigsfelder Krankenhaus sind im vergangenen Jahr 454 Kinder zur Welt gekommen, 24 mehr als 2015. „Schwangere sind in unserem Krankenhaus herzlich willkommen und können sich darauf verlassen, bestens betreut zu werden“, sagt ein Sprecher des evangelischen Hauses im Landkreis Teltow-Fläming.

Hebammen-Situation ist knapp

Martina Schulze hört solche Versicherungen gern. Sie sagt, es sei in einem Flächenland wie Brandenburg besonders unverantwortlich, werdende Mütter nicht aufzunehmen: „Eine Frau unter Wehen 40 Kilometer weiter fahren lassen, das geht nicht.“ Auch der Verwaltungsleiter des DRK-Krankenhauses in Luckenwalde, Enrico Ukrow, schätzt die Lage momentan nicht dramatisch ein, doch für die Zukunft klingt er wenig optimistisch: „Derzeit haben wir räumlich und personell noch keine gravierenden Engpässe zu verzeichnen, so dass auch niemand weggeschickt werden muss“, sagt Ukrow. Er weiß, dass die Lage auf dem Hebammenmarkt angespannt ist – die professionellen Geburtshelferinnen sind, anders als Ärzte, dazu berechtigt, eine Geburt zu leiten. „Die Hebammen-Situation ist durchaus knapp“, sagt Ukrow, doch derzeit schätze er sie als noch beherrschbar ein.

Wichtige Partner für die Eltern

Hebammen sind nicht nur diejenigen, die Geburten leiten. Sie sind schon während der Schwangerschaft wichtige Partnerinnen der werdenden Eltern, führen Geburtsvorbereitungskurse durch. Nach der Niederkunft sorgen sie für die Mütter im Wochenbett, überwachen die Rückbildung, viele beraten auch bei Stillproblemen. Was dabei ins Auge fällt: Immer weniger freiberufliche Hebammen bieten überhaupt noch Geburtshilfe an.

Zahl der außerklinischen Geburten konstant

Einige haben Verträge mit Krankenhäusern, sie führen die sogenannten Beleggeburten durch. Andere arbeiten wegen der in den vergangenen Jahren stark gestiegenen Versicherungsgebühren hingegen gar nicht mehr im Kreißsaal. Das trifft besonders die Frauen, die ihr Kind außerhalb der Klinik zur Welt bringen wollen. „Die Zahl der außerklinischen Geburten liegt weiterhin relativ konstant bei etwa zwei Prozent“, sagt Martina Schulze. Dort sei die Problematik auf den ersten Blick nicht so sichtbar, aber die Personaldecke auch seit Jahren zunehmend dünner: „Es gibt immer weniger Hebammen, die eine Geburt im Geburtshaus oder eine Hausgeburt betreuen.“ Das sei insofern problematisch, als dass den Frauen eine Wahlmöglichkeit genommen werde. Im Land Brandenburg führt der Hebammenverband nur vier der Häuser auf, zwei davon liegen in der Landeshauptstadt Potsdam. „Nicht jede Frau, die nicht im Krankenhaus gebären möchte und die Bedingungen dafür erfüllt, kann ihren Wunsch auch erfüllen“, sagt Martina Schulze.

Mehr Engagement gewünscht

Sie wünscht sich Engagement von den Betroffenen. Es brauche zunächst mehr Personal in den Kliniken, sagt Schulze. „Überall gibt es mehr Kinder, nirgends gibt es mehr Hebammen – oder Ärzte, oder Schwestern. Da muss aufgestockt werden.“ Auch räumlich müsse etwas getan werden. Zudem appelliert sie an ihre Berufskolleginnen. „Wir Hebammen müssen mehr junge Frauen für unseren Beruf begeistern, der leider selbst nicht besonders familienfreundlich ist. Ein Dreischichtsystem oder Bereitschaft, dabei selten eine ordentliche Bezahlung. Das lädt zu wenig Berufsnachwuchs ein.“ Das müsse sich ändern.

Kinder kriegen ohne Klinik?

Die Zahl der Frauen, die sich für eine Geburt außerhalb der Klinik entscheiden, liegt bei zwei bis fünf Prozent.

Wenn keine Risikoschwangerschaft vorliegt, gelten Haus- oder Geburtshausgeburten als ebenso sicher wie die klinische Niederkunft.

Nicht-klinische Geburten bringen weniger Eingriffe mit sich: Im Krankenhaus werden 53 Prozent der Wehen eingeleitet, im Geburtshaus nur sieben Prozent. Dammschnitte sind auf ein Drittel reduziert, Kaiserschnitte um drei Viertel seltener.

Die Kosten für die Betreuung übernimmt in beiden Fällen die jeweilige Krankenkasse.

Doch auch die Mütter tragen Verantwortung, findet Martina Schulze: „Die Frauen müssen ihre Rechte einfordern“, sagt sie. Nur so könne sichergestellt werden, dass sie auch künftig die wichtige Unterstützung der Hebammen während Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett erhalten könnten – auch, wenn die positive Entwicklung der Geburtenzahlen wie prognostiziert in den kommenden Jahren weitergeht.

Von Saskia Kirf

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