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Volkshochschulen mit langer Tradition

Dahmeland-Fläming Volkshochschulen mit langer Tradition

Umgang mit Haustieren, Sinnsuche für Menschen ab 50 oder ein Arabischkurs: Es gibt kaum ein Thema, das in der Volkshochschule nicht aufgegriffen wird. Die Bildungseinrichtungen haben eine lange Tradition – ihr Programm ändert sich jedoch mit den gesellschaftlichen Anforderungen. In der Region sind sie mittlerweile der wichtigste Anbieter für Integrationskurse.

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Senioren nutzen besonders gern die Angebote der Volkshochschulen.

Quelle: Andreas Kaatz

Dahmeland-Fläming. Über das Leben nachdenken, die Endlichkeit der eigenen Existenz reflektieren und nach dem tieferen Sinn des Lebens suchen – das können ältere Menschen ab 9. November jeden Mittwochabend gemeinsam in der Volkshochschule (VHS) in Königs Wusterhausen. Der Kurs heißt „Lebenssinn und Sinnsuche – existenzielle Fragen für die ‚Silver Generation’“, er gehört zum Programmbereich Gesundheit und ist nur einer von rund 600 jährlich laufenden Kursen der VHS im Landkreis Dahme-Spreewald. Addiert man die Seminare der VHS in Teltow-Fläming hinzu, können die Bürger der Region Dahmeland-Fläming jährlich aus etwa 1260 Kursen zur privaten Weiterbildung wählen.

Das haben im vergangenen Jahr auch 12 468 Menschen in der Region getan – gut 2000 mehr als noch im Jahr 2005. Daran zeigt sich: Volkshochschulen sind auch heute noch ein beliebter Ort des Lernens für Jedermann.

Immer mehr Programme mit beruflichem Nutzen

Es ist ein Modell mit langer Tradition. Auf Initiative von Arbeiterbildungsvereinen gründeten sich Mitte des 19. Jahrhunderts die ersten Schulen für das Volk. In Ostdeutschland entstanden die meisten Volkshochschulen zu Beginn der Weimarer Republik. Nach dem Zweiten Weltkrieg nahmen sie ihre Arbeit wieder auf. Das damals entwickelte Konzept gilt noch heute: Menschen aus der Mitte der Gesellschaft bieten Weiterbildungen für die Mitte der Gesellschaft an.

Zu DDR-Zeiten war das Programm eher auf private Interessen ausgerichtet. Ein Image, das Volkshochschulen noch anhaftet. Doch es geht längst nicht mehr nur um Strickkurse und Nähstunden. Mehr denn je haben die Einrichtungen einen gesellschaftlichen Auftrag zu erfüllen. Wie Evelyn Dahme,Leiterin der Geschäftsstelle des Brandenburgischen Volkshochschulverbands erklärt, bieten die Schulen immer mehr Programme mit beruflichem Nutzen an. „Im Zuge des demografischen Wandels wird es immer wichtiger, auch gering qualifizierte Menschen für den Arbeitsmarkt zu aktivieren“, sagt sie.

Weiterbildungsgesetz regelt die VHS-Struktur

Ein wichtiger Programmpunkt ist deshalb die Grundbildung, zu der unter anderem Alphabetisierungskurse zählen. „So können auch Langzeitarbeitslose wieder für den Arbeitsmarkt fit gemacht werden“, so Evelyn Dahme. Die anderen Programmbereiche sind Sprachen, Gesellschaft, Kultur, Gesundheit, EDV & Beruf.

Volkshochschulen in der Region

Im vergangenen Jahr hat die VHS Teltow-Fläming 660 Kurse und 41 Vorträge angeboten. In Dahme-Spreewald waren es 581 Kurse.

An den Seminaren nahmen in Teltow-Fläming 6100 Menschen teil, an denen in Dahme-Spreewald 6368.

An beiden Schulen arbeiten je etwa 150 Dozenten, die meisten als freiberufliche Honorarkräfte. Etwa 80 Prozent haben einen Hochschulabschluss.

In beiden Kreisen liegt ein Schwerpunkt auf dem Erlernen von Sprachen.

Etwa 50 Prozent der Teilnehmer sind älter als 50 Jahre. Nur ein geringer Teil ist jünger als 18 Jahre. Um die Jugend langfristig für die Angebote der Volkshochschulen zu gewinnen, veranstaltet die VHS Dahme-Spreewald jährlich den Talent-Campus.

Beide Schulen arbeiten gern mit Partnern wie Bibliotheken zusammen.

Das Weiterbildungsgesetz der jeweiligen Bundesländer regelt die VHS-Struktur. Im Land Brandenburg sind die Schulen in kommunaler Trägerschaft. Das heißt, die Landkreise und kreisfreien Städte sind für sie zuständig. „Die Volkshochschule hat sich als feste, nicht mehr wegzudenkende Einrichtung in der Bildungslandschaft von Dahme-Spreewald etabliert“, sagt Kreissprecherin Heidrun Schaaf.

Kreise tragen die Hälfte der Kosten

Zusammen mit Landesmitteln tragen die Landkreise etwa die Hälfte der Kosten für das Unterrichtsangebot. Die andere Hälfte kommt aus den Kursbeiträgen. Für eine 45-minütige Unterrichtseinheit in einer Fremdsprache an der VHS Dahme-Spreewald werden nach Angaben von Leiter Serge Lacombe derzeit 2,80 Euro pro Kursteilnehmer fällig. Das jährliche Budget der VHS Dahme-Spreewald beträgt etwa 1,3 Millionen Euro. Zum Budget der VHS in Teltow-Fläming konnten keine Angaben gemacht werden.

Aufgrund der vorgegebenen Struktur unterhält auch der Landkreis Teltow-Fläming die Volkshochschule mit Sitz in Luckenwalde. Dort laufen nach Angaben von VHS-Leiterin Andrea Staeck 660 Kurse im Jahr, etwa 60 Prozent davon im Haupthaus. Damit alle Bürger aus dem Kreis Zugang zu günstiger Fortbildung haben, gibt es auch dezentral organisierte Angebote – meistens in den vom Kreis getragenen Schulen. So etablierten sich Ludwigsfelde, Jüterbog, Rangsdorf, Zossen und Blankenfelde-Mahlow als VHS-Außenstellen in Teltow-Fläming. „Wenn die Anfrage da ist, organisieren wir auch an anderen Orten Kurse“, sagt Andrea Staeck. Als exotischstes Angebot nennt sie etwa Feng Shui oder ein Seminar zum Umgang mit Tieren, in dem man lernt, Beziehungen zu Hund oder Katze aufzubauen.

Mindestteilnehmerzahl liegt bei sechs Personen

Die VHS in Dahme-Spreewald hat zwei Sitze – in Königs Wusterhausen und in Lübben. Im Norden des Kreises werden vor allem in Eichwalde, Schönefeld und in Zeuthen zusätzlich Kurse angeboten. „Wir sind aber auch für andere Orte offen“, sagt Serge Lacombe, der die VHS seit 1994 leitet. „Am schönsten ist es, wenn die Menschen auf uns zukommen, sich ein bestimmtes Angebot wünschen und wir das realisieren können.“ Dazu ist eine Mindestteilnehmerzahl von sechs Personen notwendig – und natürlich muss ein Dozent gefunden werden. Wer als VHS-Dozent arbeiten will, der braucht nicht unbedingt einen formalen Abschluss. Viel mehr zählen Erfahrungen und spezielle Kenntnisse. Dennoch haben etwa 80 Prozent der Lehrer heute einen Hochschulabschluss. Immer wieder gibt es Diskussionen um niedrige Honorare der freiberuflichen Dozenten, viele lehren daher auch nur nebenberuflich an der VHS.

Im Laufe der Jahre veränderten sich an beiden Volkshochschulen in der Region die Kursinteressen. Laut Serge Lacombe steht das Sprachenlernen seit jeher an erster Stelle, in jüngster Zeit gewinnt der Programmbereich Gesundheit immer weiter an Bedeutung. Meldeten sich in den 1980er und 1990er-Jahren noch viele Menschen für Computerkurse an, so gibt es dafür mittlerweile nur noch wenig Nachfragen. „Das Wissen ist jetzt einfach da“, sagt Lacombe. Stattdessen spielen Kurse wie Yoga, Autogenes Training, Qui Gong, Achtsamkeit oder das Seminar „Fit im Alltag“ eine große Rolle. „Die Leute werden immer älter und sich darüber bewusst, dass sie etwas Präventives machen müssen“, sagt Lacombe.

Sprachkurse liegen hoch im Kurs

Dagmar Hellmund leitet den Fachbereich Sprachen. „Englisch steht bei uns seit langem an erster Stelle“, sagt sie. „Und auch Italienisch, Spanisch, Schwedisch und Norwegisch werden gut nachgefragt.“ Den Vorteil des Sprachenlernens an der Volkshochschule sieht Dagmar Hellmund darin, dass es in der Gruppe ohne Druck in kleinen Schritten vorangeht. „Wer etwa für den Beruf einen Intensivkurs benötigt, ist an einer Sprachenschule wahrscheinlich besser aufgehoben“, sagt sie. Der Spaß an der Sache ist für sie dabei genauso wichtig, wie der Inhalt des Kurses. „Beim Lernen an der VHS geht es ja auch darum, dass man fit im Kopf bleibt“, sagt Hellmund. Dazu sei das Lernen in Kleingruppen besonders förderlich.

Dagmar Hellmund würde sich über einen Arabisch-Kurs an der VHS Dahme-Spreewald freuen. Einen geeigneten Lehrer hätte man sogar schon gefunden, doch aktuell ist das Interesse nicht da. In Teltow-Fläming ist das anders. Dort läuft ein Arabischkurs für Anfänger bereits im vierten Semester. Darunter sind laut Andrea Staeck vor allem Leute, die beruflich oder ehrenamtlich häufig mit Flüchtlingen zu tun haben.

Derzeit besuchen aber auch viele arabischsprachige Menschen die Volkshochschulen in der Region. Denn sie sind der wichtigste Anbieter für die vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) geförderten Integrationskurse. „Das ist unser neuer Schwerpunkt“, sagt Serge Lacombe. „In diesem Sommer haben die ersten Kurse begonnen.“

Von Anja Meyer

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