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Vom NPD-Mann zum Feuerwehr-Jugendwart

Kreis Dahme-Spreewald Vom NPD-Mann zum Feuerwehr-Jugendwart

Reinhard Golibersuch war in den 1980er-Jahren eine feste Größe in der Neonazi-Szene Westberlins. Nach der Wende zog er in den Landkreis Dahme-Spreewald und gründete einen NPD-Kreisverband. Heute ist Golibersuch Jugendwart der Feuerwehr in Halbe. In der Region stellt man sich nun die Frage: Muss der Mann gehen?

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Der NPD-Mann sollte die Feuerwehr verlassen

Normalerweise löscht die Feuerwehr Brände. Bei den Feuerwehrleuten in Halbe gibt es derzeit aber auch noch andere Probleme.

Quelle: Foto: dpa

Dahmeland-Fläming. Wie umgehen mit dem Fall Reinhard Golibersuch? Im Amt Schenkenländchen herrscht Ratlosigkeit, nachdem der RBB vor kurzem über die dunkelbraune Vergangenheit des Jugendwarts der Freiwilligen Feuerwehr in Freidorf berichtete, einem Ortsteil von Halbe. Reinhard Golibersuch war demnach eine feste Größe in der Neonazi-Szene Westberlins in den 1980er Jahren. Nach der Wende zog er nach Halbe und machte die Gegend zum Aufmarschgebiet für Neonazis. Mitte der 1990er Jahre gründete er den NPD-Kreisverband Spree und war bis vor zehn Jahren dessen Vorsitzender. Golibersuchs Stellvertreter als Jugendwart, Eckhard Laurisch, kommt in dem Beitrag ebenfalls vor: Er hatte bei Facebook antisemitische Kommentare gepostet.

MAZ-Kommentar: Der NPD-Mann sollte die Feuerwehr verlassen

Im Amt Schenkenländchen stellt sich nun die Frage, ob man den früheren NPD-Funktionär Golibersuch von seinem Posten entheben oder ob man das Gespräch suchen und sich seiner Ideologie stellen soll. Vertreter der Feuerwehr haben vor allem die Sorge, dass ihre Institution unter Generalverdacht gerät.

Bericht über umstrittenen Feuerwehrmann

Das RBB-Magazin „Klartext“ hat in der Sendung vom 25. November über den Fall Golibersuch berichtet.

Reinhard Golibersuch war demnach eine feste Größe in der Neonazi-Szene Westberlins in den 1980er-Jahren. Nach der Wende zog er nach Halbe und machte die Gegend zum Aufmarschgebiet für Neonazis. Mitte der 1990er-Jahre gründete er den NPD-Kreisverband Spree und war bis vor zehn Jahren dessen Vorsitzender.

Auch Golibersuchs Stellvertreter als Jugendwart, Eckhard Laurisch, kommt in dem Beitrag vor: Laurisch hatte bei Facebook antisemitische Kommentare gepostet.

Amtsdirektor entscheidet, ob Golibersuch gehen muss

„Wir sind gerade dabei, alles zu klären und haben schon Gesprächstermine mit dem Amtsdirektor und der Kreisjugendfeuerwehr vereinbart“, sagt Michael Fischer, der Ortswehrführer von Halbe. Bei der Amtsverwaltung war in den vergangenen Tagen niemand für eine Stellungnahme zu erreichen. Die Entscheidung, ob Golibersuch seinen Posten in der Jugendarbeit räumen muss oder nicht, liegt bei Amtsdirektor Thomas Koriath. Schwierig dürfte die Entscheidung nicht zuletzt deshalb werden, weil Golibersuch versuchen könnte, seine Wiedereinsetzung einzuklagen.

Feuerwehr fühlt sich pauschal verurteilt

Doch soweit denkt man bei der Feuerwehr noch gar nicht. „Wir müssen jetzt erst mal über alles reden und dann schauen, wie wir weiter vorgehen“, sagt Ortswehrführer Fischer. „Herr Golibersuch macht ausgezeichnete Jugendarbeit und hat meines Wissens nichts mehr mit der rechten Szene zu tun.“ Bei der Feuerwehr in Halbe sei man frustriert über den RBB-Beitrag: „Da wird die Feuerwehr insgesamt in die rechte Ecke gestellt“, sagt Fischer. „Aber wenn wir beim Sommerfest im Flüchtlingswohnheim in Massow auftreten, berichtet darüber niemand.“

Ähnlich argumentiert Christian Liebe, der Kreisjugendwart des Feuerwehrverbands Dahme-Spreewald: „Wir dulden keine Unterwanderung von rechts und arbeiten diesen Fall intensiv auf“, sagt Liebe. „Aber Rechtsradikalismus ist ein gesamtgesellschaftliches Problem und wir verwahren uns dagegen, als Feuerwehr insgesamt in die rechte Ecke gestellt zu werden.“ Gegen schwarze Schafe in den eigenen Reihen müsse man allerdings vorgehen und weitere Maßnahmen im Fall Golibersuch prüfen: „Aber was wir nicht brauchen, sind Schnellschüsse“, sagt Liebe.

Forderung nach Absetzung des umstrittenen Feuerwehrmannes

Gerd Heine äußert sich eindeutig: „Die Amtsverwaltung sollte den Mann absetzen“, sagt der Kreisbrandmeister von Teltow-Fläming. „Wer der Gesellschaft schaden will, hat in der Feuerwehr nichts zu suchen.“ Heine befürchtet folgendes Szenario: „Stellen Sie sich vor, es brennt in einem Flüchtlingsheim und der Mann will nicht helfen, weil er keine Ausländer mag.“ Tatsächlich hatten sich laut RBB Freunde der Freidorfer Feuerwehr bei Facebook in diese Richtung geäußert: Dass die Bewohner des Heims in Massow nach mehreren Fehlalarmen zufrieden sein könnten, wenn im Ernstfall überhaupt noch eine Feuerwehr zu Hilfe käme.

Gerd Heine weiß selbst von einem aktuellen Fall in seinem Landkreis zu berichten, bei dem ein stadtbekannter Neonazi in die freiwillige Feuerwehr drängt. Zu beschließen hätten darüber die aktiven Mitglieder des Ortsverbandes. Und die hätten den Mann aus Furcht schließlich aufgenommen. „Der Staat muss sich hier klar bekennen und eine härtere Gangart einlegen“, fordert Heine.

Experte rät von einer schnellen Entscheidung ab

Das sieht Thomas Weidlich anders. Er ist systemischer Berater und arbeitet für „Ohne Blaulicht“, ein politisches und soziales Beratungsprojekt des Landesfeuerwehrverbands. Thomas Weidlich plädiert dafür, eine kritische Auseinandersetzung mit Golibersuch zu führen: „Ich würde hier keinem vorschnellen Bann das Wort reden, sondern mir einen Diskurs mit einem langen Atem wünschen.“ Das Problem sei nicht behoben, wenn man Golibersuch einfach ausschließt: „Das Gespräch zu suchen ist sicherlich der anspruchsvollere Weg, aber diesem Anspruch können sich die Amtsverwaltung und die Feuerwehr ruhig stellen.“

Selbst wenn sich Golibersuch nicht glaubhaft von seiner Vergangenheit distanzieren könne, müsse er seinen Posten nicht räumen, glaubt Weidlich: „Der Fall bietet die Gelegenheit, Herz und Verstand gegen diese Ideologie zu immunisieren und das finde ich allemal interessanter, als ein wohlfeiles und vorschnelles Bekenntnis gegen Rechts, das nur unter öffentlichem Druck zustande kommt.“ Es sei zwar ungewiss, ob sich Golibersuch auf einen solchen Prozess einließe, aber den Versuch sei es auf jeden Fall wert: „Eine vorschnelle Entlassung könnte zu Empörung führen und am Ende stärken wir genau das, was wir schwächen wollten.“

Von Martin Küper

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