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Vom Störenfried zum Schulleiter

Königs Wusterhausen Vom Störenfried zum Schulleiter

Tilo Rosenkranz aus Königs Wusterhausen hat ein aufregendes Pädagogenleben hinter sich. Darüber hat er ein lesenswertes Buch geschrieben. Der Weg zum Schulleiter war für ihn alles andere als vorgezeichnet. Er war als Schüler ein Störenfried und machte viele Fehler, wie er zugibt.

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Tilo Rosenkranz auf dem Hof in der Bahnhofstraße, die Familie wohnte über der heutigen Gaststätte Jagdschloss 1896. In der Hand hält er seine Autobiografie.

Quelle: Frank Pawlowski

Königs Wusterhausen. Auf dem Buchumschlag kniet Tilo Rosenkranz neben einem Berg von Kuscheltieren. Dieses Bild sagt viel aus darüber, wie er seine Rolle als Pädagoge stets verstand. „Die Haltung zum Kind ist entscheidend“, sagt der 67-Jährige. „Sie müssen beseelt davon sein, das Beste für die ihnen anvertrauten Schüler zu erreichen.“

Wie Tilo Rosenkranz dazu kam und wie er das in seiner 40-jährigen Lehrertätigkeit, davon fast 25 Jahre als Schulleiter, umgesetzt hat, beschreibt er in seiner lesenswerten Autobiografie„Aus Wut Lehrer geworden“. Sie ist im Klecks Verlag erschienen. Der Titel sagt ebenfalls einiges über Rosenkranz aus. Er ist jemand, der die Dinge mit Leidenschaft angeht – und der sich nicht beirren lässt, wenn er von der Richtigkeit seiner Sache überzeugt ist.

Als Junge ein Störenfried

Dabei sah es zuerst gar nicht nach einer erfolgreichen Lehrerlaufbahn für ihn aus. Im Gegenteil. Der Schüler Tilo Rosenkranz war nämlich alles andere als ein Musterknabe, wie der Autor anschaulich beschreibt. Er war ein Störenfried – und wurde von seinen Lehrern auch so behandelt. Einer gab ihm sogar mal mit auf dem Weg: „Du wirst einmal im Gefängnis landen!“

Für den Schüler Tilo Rosenkranz war die Zeit in der Goetheschule und in der Erweiterten Oberschule in Königs Wusterhausen eine Odyssee. Viel Gutes hat er nicht zu berichten. „Aber das lag vor allem an mir, ich habe viele Fehler gemacht.“ Doch ihm fiel auch auf, dass sich niemand die Zeit nahm, einmal mit ihm zu reden. Diese Ignoranz machte ihn wütend und ließ den Wunsch ihn ihm reifen, es besser zu machen. Und zwar als Lehrer.

Wohnen in der Bahnhofstraße

Von 1953 an lebte Tilo Rosenkranz mehr als 20 Jahre in Königs Wusterhausen, in der Bahnhofstraße über der heutigen Gaststätte Jagdschloss. Einige Schilderungen in seinem Buch sind ein Stück Heimatgeschichte. Etwa, wenn er über die Kinderspiele auf dem Hof und vor allem auf der Bahnhofstraße schreibt: „Pro Stunde fuhr hier vielleicht ein Auto vorbei.“

Heute ist Tilo Rosenkranz noch gelegentlich in der Stadt bei Verwandten. Er wohnt in Berlin. In der 25. Oberschule in Adlershof trat er am 1. September 1974 seine erste Lehrerstelle an. Er unterrichtete Sport und Geschichte. Schnell war er bei Schülern und Lehrern anerkannt, aber nicht alle mochten ihn. Rosenkranz zitiert in dem Buch einen Kollegen, der ihm vorwirft, „die Preise“ zu verderben.

Schulleiterstelle zunächst abgelehnt

Obwohl er immer wieder bei der Schulbehörde aneckte, bot man ihm früh eine Schulleiterstelle an, Rosenkranz war gerade 27 Jahre alt. Er lehnte ab und entschied sich für eine wissenschaftliche Ausbildung. Er machte seinen Doktor in Pädagogik und Psychologie, bildete Lehrer aus. Nach dem Mauerfall 1989 kehrte er in die Schule zurück. Er schlug abermals eine Schulleiterstelle an einem Gymnasium aus und übernahm statt dessen eine Grundschule in Treptow, die spätere Buché-Grundschule, die er bis zu seinem Ruhestand im Jahr 2014 leitete.

Dass er in beiden Systemen als Lehrer erfolgreich war, führt Rosenkranz auch auf die Erfahrungen der Jugendzeit zurück. „Ich habe gelernt, dass man überlegen muss, was und wann man etwas sagt. Und man muss gute Arbeit leisten, damit man eine Lippe riskieren kann“, sagt Tilo Rosenkranz.

Kuscheltiere im Chefzimmer

Er interpretierte die Schulleiterstelle auf seine Weise. Sein Antrieb war dabei stets, es eben besser zu machen als einst viele seiner Lehrer. So kam ihm die Idee mit den Kuscheltieren in seinem Chefzimmer. Sie seien seine Berater, antwortete er den fragenden Besuchern. Das sprach sich schnell herum. Bald waren es vor allem die Kinder, die den Beraterstab vergrößerten. Gut 150 Kuscheltiere bevölkerten am Ende sein Büro.

Auf gute Kontakte zu den Eltern seiner Schüler legte Tilo Rosenkranz ebenfalls großen Wert. „Sie sind unsere Partner, wir haben ihnen auf Augenhöhe zu begegnen“, ist er überzeugt. In dem Buch finden sich viele solcher Sätze, die so etwas wie Rosenkranz’ goldene Regeln sind. In Treptow hat er gerade seine erste, gut besuchte Lesung absolviert. Er nimmt auch Einladungen von Schulen an, um sein Buch vorzustellen – und über Bildung zu diskutieren.

Kontakt: tilo.rosenkranz@freenet.de

Von Frank Pawlowski

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