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Vom Vermessen und Ausloten der Landschaften

Eichwalde Vom Vermessen und Ausloten der Landschaften

Die Grafikerin Ute Weckend hat ihr Atelier in Eichwalde. Vor allem Landschaften entstehen in dem etwa zehn Quadratmeter großen Raum. Und immer wieder sind es Motive aus ihrer Geburtsstadt Dresden, die die Künstlerin in ihren Grafiken darstellt.

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Ute Weckend war schon als Kind von Grafiken fasziniert.

Quelle: Heidrun Voigt

Eichwalde. Das Atelier von Ute Weckend misst knapp zehn Quadratmeter. Ein Grafikschrank, zwei Ablagetische, ein altes Vertiko, ein Drucker reihen sich an den Wänden. Zeichenmappen, Papierrollen, Transporthüllen lehnen daneben. Der Schreibtisch, der zum Zeichnen dient, steht direkt vor dem Fenster. Töpfe mit Zimmerpflanzen rahmen all die Stifte, Pinsel, Spachtel, Lineale, Gläschen, Teesiebe – und Zahnbürsten.

Ute Weckend ist Grafikerin. Sie hat sich vor allem dem Tiefdruck verschrieben. Die Zahnbürsten benötigt sie für Aquatinta-Arbeiten – das sind Tuschätzungen. „Mit Zahnbürsten kann man sehr gut spritzen. Sie werden mit einem Speziallack präpariert, der verhindert, dass die Kupferplatte an diesen Stellen eingeätzt wird. Je härter die Bürste, desto kleiner die Tropfen“, erläutert die Künstlerin.

Biografisches

Ute Weckend wurde im Jahr 1966 in Dresden geboren.

Nach einer Ausbildung zur Maschinenbauzeichnerin und einem technischen Studium arbeitete Weckend unter anderem in einem Dresdner Ingenieurbüro für Architekturphotogrammetrie – eine Technik, um detaillierte 3D-Aufnahmen von Oberflächen zu erstellen.

Parallel dazu besuchte sie Abendkurse an der Dresdener Kunsthochschule und bildete sich in Drucktechniken wie dem Radieren weiter.

Seit ihrem Umzug 2004 nach Eichwalde arbeitet sie als freiberufliche Künstlerin.

Ute Weckend hatte viele Personal- und Gemeinschaftsausstellungen in Brandenburg, Berlin und Dresden und nimmt am jährlichen Grafikmarkt in Radebeul teil, der immer am ersten Novemberwochenende stattfindet.

Ute Weckend erzählt, dass das Wort Radierung schon als Kind auf sie eine „magische Anziehung“ ausgeübt habe, weil sie sich nicht hat vorstellen können, wie eine solche entsteht. „Meine Eltern waren mit uns öfter im Kupferstichkabinett an der Brühlschen Terrasse. Diese Bilder dort haben mich fasziniert. Ich habe eine Affinität zu Grafik und Schrift“, sagt die gebürtige Dresdnerin.

Immer wieder Dresden

Gern hätte sie nach der Schule beruflich etwas mit Kunst gemacht, aber das sei in der DDR nicht so einfach gewesen, bedauert die 51-jährige Künstlerin. Sie absolvierte eine Ausbildung zur Maschinenbauzeichnerin und ging anschließend zum Fachschulstudium nach Glashütte. Bis zu ihrem Umzug von Dresden nach Eichwalde im Sommer 2004 arbeitete sie in einem Ingenieurbüro für Architekturphotogrammetrie. „Fotogrammetrie ist das berührungslose Vermessen von Gebäuden, wo man aus Fotografien und Messdaten ein dreidimensionales Bild aufbaut“, erklärt Ute Weckend. Zu ihren Arbeitsobjekten zählte unter anderem die Ruine der Dresdner Frauenkirche. Sicher auch ein Grund dafür, dass die Künstlerin die wieder errichtete Silhouette der Stadt in ihren Grafiken stark thematisiert. „Dresden“, so sagt Weckend, „interessiert mich ganz anders als Brandenburg. Es war eine verspielte Barockstadt, die schwer zerstört wurde. Daran war sie nicht unschuldig. Dieser Widerspruch beschäftigt mich.“

Ihre Arbeit im Ingenieurbüro hat sie gern gemacht. Sie habe aber immer gespürt, dass das nicht hundertprozentig sie ist, stellt die Künstlerin rückblickend fest. Sie belegte in Dresden Abendkurse an der Kunsthochschule, um auszuloten, wie weit sie sich der Grafik annähern könne. Nach einem zusätzlichen Kurs zur Technik der Radierung mietete sie sich in eine Grafikwerkstatt ein, um dort Erfahrungen zu sammeln und zu experimentieren. „Bei technischen Fragen bekam ich dort schnell Hilfe und da andere Künstler vor Ort waren, konnte man sich auch austauschen“, erinnert sich Ute Weckend.

Entscheidung in Eichwalde

Als sie nach Eichwalde zog, weil ihr Mann sich neuen beruflichen Aufgaben stellte, wusste sie, dass auch sie sich entscheiden muss. „Mir war klar, ich musste es damals mit Kunst versuchen, sonst würde ich immer etwas machen, was nicht richtig meins ist.“ Hat Ute Weckend den Einstieg in die bildende Kunst bereut? „Nein, obwohl ich ein ganz guter Ingenieur war“, antwortet sie und lacht. Sie fügt hinzu, dass das technische Wissen ihr durchaus helfe, zum Beispiel bei der Herangehensweise an etliche Druckverfahren.

Heute arbeitet Ute Weckend, wenn sie nicht in ihrem Atelier ist, in der Grafikwerkstatt des Künstlerhauses Bethanien in Berlin. Viele Serien sind entstanden, seit die Eichwalderin sich ausschließlich der Kunst widmet. Dazu gehören beispielsweise Landschaften in Brandenburg, die Lofoten in Norwegen, Impressionen aus der Toskana. „Mich interessieren vor allem die Struktur und der Rhythmus der Landschaft im Zusammenhang mit den Farben“, erklärt die Künstlerin. Sie macht nur minimalistische Skizzen vor Ort. Die Bilder, die entstehen, sind eine vollmundige Interpretation der Wirklichkeit. Beispielsweise die Landschaften im Oderbruch bei Lebus. Ute Weckend faszinieren die alten Obstbaumalleen mit ihren Hügeln. In ihren Grafiken meint man den Wind zwischen den Bäumen zu hören, wie er den Blüten seine Richtung aufdrängt, und sie zu Boden zwingt. Die Künstlerin beherrscht das genaue Hinsehen, das Vermessen und Ausloten der Landschaften.

Einblicke ins Schaffen

Einblicke in Ute Weckends aktuelles Schaffen kann man im Herbst dieses Jahres bekommen. Dann startet wieder die zweijährig stattfindende Atelier-Tour im Norden des Landkreises Dahme-Spreewald, die die teilnehmenden Künstler selbst vorbereiten. In Eichwalde, Zeuthen und Schulzendorf können die Besucher am Sonntag, dem 30. September, einen Blick hinter die Kulissen und über kreative Schultern werfen.

Von Heidrun Voigt

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