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Dahme-Spreewald Von Ernteschleifen und Blasebalg
Lokales Dahme-Spreewald Von Ernteschleifen und Blasebalg
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04:40 12.09.2016
Vera Schmidt (rechts) erklärt die Farben der Ernteschleifen.
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Mittenwalde

„In Mittenwalde feiert man gerne“, begrüßte Ortschronistin Vera Schmidt zum Tag des offenen Denkmals die Besucher im Heimatmuseum Mittenwalde und erklärte, dass es gleich zwei gute Ereignisse zum Feiern gäbe. Zum einen die Rückkehr der Ernteschleifen nach ihrer Restaurierung und zum anderen das fünfjährige Jubiläum der Museumsschmiede. Und bevor man dann zum Rundgang durch das Museum aufbrach, gab es noch eine Überraschung: für jeden ein Gläschen „Museumstraube“, vom 2015er Jahrgang. Zum Museum gehört ein Weingarten, wo Trauben wachsen und an die alte Weinbautradition in Mittenwalde erinnern sollen.

Ernteschleifen galten lange als verschollen

Die rund 30 Ernteschleifen, die seit den 1950er Jahren als verschollen galten, erregten die Aufmerksamkeit der Besucher. Die handgestickten Seidenschleifen, die bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts zurückdatiert werden können, zierten einst die Erntekronen der Mittenwalder Ackerbürger. Vera Schmidt (im Foto rechts, Foto: Irmscher) erklärte, was es mit den Farben auf sich hat. Braun steht für Erde, Gelb für die Sonne und Grün für die aufgehenden Pflanzen. Und sie erzählte von besonderen Erntesitten, so durfte auf keinen Fall am Montag mit der Ernte begonnen werden, dieser galt als „Hexentag“.

Schmiedehammer vorgeführt

Indessen hatten in der Schmiede Bernd Bochow und Bruno Manczyk das Feuer entfacht und zeigten, wie man früher mit dem Schmiedehammer umging. Direkt an der Decke konnte der durch die Orgelbaufirma Sauer in Frankfurt (Oder) restaurierte Blasebalg begutachtet werden. „Es ist ja unselig, was es für Mühe macht, so einen kleinen Nagel zu schmieden“, staunte Elvira Götze aus Senzig. Lisa Lettow aus Berlin kam mit Freunden. Sie waren überrascht, was es in Mittenwalde zu entdecken gibt. Christa Rölle aus Blankenfelde war im Internet auf das Fachwerkhaus aufmerksam geworden. „Es ist toll hier und gut finde ich, wie aufgeschlossen die Leute vom Verein gegenüber den Besuchern sind“, sagte sie und stellte fest, dass ihre Heimat viel zu bieten habe – man müsse sich nur aufraffen.

Parzelle seit dem 16. Jahrhundert bebaut

Die Bebauung der Parzelle Salzmarkt 5, heutiges Museum, geht bis ins 16. Jahrhundert zurück. Damals stand dort ein Gebäude mit Mauerwerk und Feldsteinkeller. Später wurde es durch ein Fachwerkhaus, das zwei Kellerräumen mit Backsteingewölbe hatte, ersetzt. Das heutige Fachwerkhaus wurde im 17. oder 18. Jahrhundert errichtet.

Um 1840 wohnte Tischler Friedrich Schunk darin, bis 1998 blieb es im Besitz der Familie Schunk. Zu DDR-Zeiten wurden an dem „Westgrundstück“ keinerlei Investitionen vorgenommen, das Haus zerfiel und war seit den 80er Jahren nicht mehr bewohnbar. 1998 glich es einer Ruine, die Stadt kaufte das Grundstück. Mit Fördermitteln wurde das denkmalgeschützte Gebäude restauriert. Im Oktober 2001 übergab die Stadt das Haus zur Nutzung als Museum für Stadtgeschichte an den Heimatverein.

Von Gerlinde Irmscher

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