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Von Libellen und Blitzgöttern

„Aquamediale 11“ in Lübben Von Libellen und Blitzgöttern

Zehn Künstler sorgen beim elften Kunstfestival „Aquamediale“ des Landkreises Dahme-Spreewald für Metamorphosen. In den vergangenen Monaten haben sie ihre Werke und Installationen konzipiert, erstellt und schließlich in Lübben installiert. Am 6. Juni wird das Festival eröffnet.

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Projektleiterin Anika Schäfer, Carsten Saß, Kulturdezernent des Landkreises Dahme-Spreewald, und Kuratorin Petra Schröck (v. l.).

Quelle: Karen Grunow

Lübben. Gleich hinter „Gurken-Paule“ geht es los. Die Brücke rüber zum Lübbener Schloss ist vergoldet. Ein Anblick, der jeden Spaziergänger kurz verweilen lässt. Kein schmuckes Blattgold auf schmiedeeisernem Rankenprunk, sondern gülden glänzende Folie auf rustikal-verwitterter Holzbrücke. Verhüllt hat sie Nicola Rubinstein für die 11. Aquamediale, das internationale Kunstfestival des Landkreises Dahme-Spreewald, das am Samstagabend mit einer Beach-Party offiziell eröffnet wird.

Die meisten Arbeiten der insgesamt zehn ausgewählten Künstler sind schon jetzt in Lübben zu sehen. Die Kuratorin Petra Schröck erlebt dadurch bereits, was sie sich für die bis zum 19. September andauernde und von verschiedenen Veranstaltungen begleitete Open-Air-Ausstellung wünscht: „Die Idee des Kunstwerks erfüllt sich durch die Mitarbeit der Passanten.“ Während sich für die goldene Brücke bereits ein Hochzeitspaar für Fotos angekündigt hat, ist dieses Prinzip der Mitarbeit vor allem auf Dieter Buchharts Installation „Libellen sind sensitiv“ bezogen. 50 Schilder mit diesem Ausspruch und einem Bild der für Lübben und den Spreewald stehenden Libelle sind an Radrouten-Wegweisern in und um Lübben installiert worden. Wer eines der Schilder entdeckt, soll Bilder veröffentlichen. Die von Buchhart ausgewählte, hochsensibel auf Veränderungen in der Spreewaldregion reagierende und hier kaum noch anzutreffende Blauflügel-Prachtlibelle ist gewissermaßen das Symbol dieser Aquamediale. Denn um Metamorphosen geht es den Künstlern, die binnen weniger Monate das Konzept der neuen Aquamediale-Kuratorin Petra Schröck umgesetzt haben. Erst im Januar war die Kunsthistorikerin, die in Berlin die Brotfabrik-Galerie leitet, in Lübben offiziell vorgestellt worden.

Aus dem Programm

Mit einer Lesung der Autorin Nadja Klinger wird morgen ab 19 Uhr im Haus Burglehn in Lübben auf das Festival vorbereitet. Die teilnehmenden Künstler werden dabei sein, eine Gesprächsrunde mit ihnen und der Kuratorin Petra Schröck sowie Kulturdezernent Carsten Saß (CDU) ist geplant.

Das Kunstfestival wird offiziell am Samstag ab 19 Uhr mit einer Beach-Party an der Spreelagune eröffnet. Das Jaspar Libuda Trio tritt auf.

Bis zum 19. September werden die Arbeiten von Mario Asef (Argentinien/Deutschland), Dieter Buchhardt (Österreich), Marco Evaristti (Dänemark), Joachim Froese (Australien), Blanca Gomila (Spanien/Deutschland), Irene Hoffmann (Deutschland), Jaqueline Kny (Deutschland),Nicola Rubinstein (Deutschland), Igor Sacharow-Ross (Russland/Deutschland) und Udo Wid (Österreich) rund um die Uhr im Stadtraum zu sehen sein.

Es sind verschiedene Veranstaltungen geplant wie Kunstworkshops, Kino sowie Auktion zur Finissage. Weitere Infos gibt es im Internet unter www.aquamediale.de

Umso verblüffender, wie intensiv sich alle in der knappen Zeit mit der Region auseinandergesetzt haben. Schröcks Idee, zehn von Albert Camus als die wichtigsten Worte der Welt definierte Begriffe als Anregung zu nehmen für zehn spreewaldkompatible Ausdrücke, funktioniert erstaunlich gut. Die in Berlin lebende Spanierin Blanca Gomila ist für „Die Route“ wochenlang vor allem mit dem Fahrrad unterwegs gewesen. „Sie hat Menschen nach ihren Lieblingsorten befragt, und daraus sind 30 Porträts von 30 Orten entstanden“, erzählt Schröck.

Der Argentinier Mario Asef bietet Grund für die erste appetitliche Pause auf einem Rundgang durch die Stadt. Gemeinsam mit Edelmond Chocolatiers hat er aus Schokolade und Marzipan einen Kuchen konzipiert, der im Querschnitt der geologischen Beschaffenheit des Spreewaldbodens ähnelt. Direkt vor dem Schloss hat er außerdem eine Backsteinfabrikation aufgebaut. Er will ausprobieren, ob der eisenockerhaltige Boden sich als Baumaterial eignet. Der „Konsum der Landschaft“ ist sein Thema und die daraus resultierende zunehmende Verockerung der Spree.

Irene Hoffmann hat sich für ihre Bilder mit dem Versmaß von Liedern Paul Gerhardts beschäftigt.

Irene Hoffmann hat sich für ihre Bilder mit dem Versmaß von Liedern Paul Gerhardts beschäftigt.

Quelle: Karen Grunow

Gleich gegenüber hat Irene Hoffmann drei Ölbilder in das Wasser des Schlangengrabens gestellt. „Manche halten das für geheime Zeichen der Fährleute“, sagt Petra Schröck über die strengen Muster. Hoffmann hat sich Verse des Lübbener Pfarrers und berühmten Kirchenlieddichters Paul Gerhardt ausgesucht. „Sie hat das Versmaß in Struktur übersetzt“, erklärt Schröck. Sechs weitere Andachtsbilder sind an einer der Wand eines unsanierten Hauses am Brückenplatz installiert. Der Witterung ausgesetzt, werden die in alter Technik gemalten Werke in den nächsten Wochen ihre Metamorphosen erleben.

Die Arbeiten dieser Aquamediale sind zumeist solche kleinen Interventionen, die manchmal auch fast übersehen werden können. Die, werden sie vom aufmerksamen Passanten wahrgenommen, irritieren, verwundern und im besten Fall Neugier provozieren, dafür sorgen, den Ort doch nochmal aus einem anderen Blickwinkel wahrnehmen zu wollen. „Wir pumpen Innovation in die Köpfe“, nennt das Udo Wid. „Die Kunst ist so wichtig, weil sie uns ein Stück rausbringt aus dem Zweckrationalen“, sagt der Österreicher, dessen Beitrag zur Aquamediale das vielleicht spannendste Experiment birgt: Er wird für 40 Tage im Lübbener Hain leben, in einem winzigen Tempel für die slawische Gottheit Perun. „Er war der oberste der Götter, ein Blitzgott, vergleichbar mit Zeus“, erzählt Wid. Der Naturwissenschaftler beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Erforschung der Einwirkungen von Blitzen auf das menschliche Nervensystem. Im Hain, der von den Sorben als Kultstätte für Perun und die Liebesgöttin Liuba verehrt worden war, will er eine Messstation einrichten und den Saftfluss der Bäume kontrollieren. Noch legt er letzte Hand an die Holzwände des Tempels, der dann am Samstag sein Aquamediale-Domizil werden wird.

Zum Perun-Denkmal führt kein touristischer Pfad. Sondern ein sehr realistischer, alltäglicher geradezu: Wer mit dem Aquamediale-Kunstkompass die Route erkundet, sieht nicht nur die schmucken Ecken der Stadt. Aber genau das macht dieses Festival so reizvoll und auch ehrlich. Anfangs hatte Petra Schröck vorsichtig angemerkt, dass solche „Konzeptkunst manchmal eher als spröde empfunden wird“. Das Gegenteil ist hier der Fall: Sie ist ein spannender und lebendiger Weg zur Auseinandersetzung mit der Region.

Von Karen Grunow

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