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Von Tiefkühlhühnchen und Sprungbrettern

Wildau Von Tiefkühlhühnchen und Sprungbrettern

Mit einem Science Slam wurde die 6. Wildauer Wissenschaftswoche eröffnet. Vier junge Wissenschaftler traten im Wissenschafts-Wettstreit gegeneinander an und bewiesen dabei neben fachlichem Wissen vor allem viel Humor.

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Applaus für den Gewinner des Science Slams an der Technischen Hochschule Wildau: Patrick Steglich konnte sich mit seinem Vortrag „Ringbahn mit Lichtgeschwindigkeit“ durchsetzen und feierte das mit seiner Tochter.

Quelle: Karen Grunow

Wildau. Roboter, Tiefkühl-Hühnchen, Ringbahn und Sprungbrett sind die wesentlichen Zutaten für den Eröffnungsabend der 6. Wildauer Wissenschaftswoche an der Technischen Hochschule. Klingt schräg und experimentell? Ist es auch: Vier junge Wissenschaftler der Technischen Hochschule Wildau haben entsprechende Vorträge vorbereitet für den Science Slam, eine Art Wissenschaftswettstreit. Sie treten im Audimax der Hochschule gegeneinander an, indem sie in knackig kurzen Referaten ihre Themen vorstellen. Sieben Minuten darf jeder sprechen. Am Ende entscheidet der Applaus des Publikums, wer die Aufgabe am besten gelöst hat, komplizierte wissenschaftliche Zusammenhänge für jedermann anschaulich und mit Humor rüberzubringen.

Noch in gespannter Erwartung, wer wohl in der Gunst des Publikums vorne liegt

Noch in gespannter Erwartung, wer wohl in der Gunst des Publikums vorne liegt: Karolin Keil, Thilo Liebscher, Roberto Lisker und Patrick Steglich (v.l.).

Quelle: Karen Grunow

„Das ist Wissenschaft in kleinen Häppchen“, betont Ralf Vandenhouten, TH-Vizepräsident für Forschung und Unternehmenskontakte. Man müsse sich schon ein bisschen exhibitionieren, sagt er über die Teilnehmer, denn bei einem Science Slam ist auch Showtalent gefragt. Das beweist als erste Karolin Keil, die derzeit ihre Masterarbeit im Fach Biosystemtechnik/Bioinformatik schreibt. Dabei lernte sie wie schon zuvor im Studium besondere Labormitarbeiter sehr schätzen: Automatisierungsroboter. Zwei Proben zu vermischen und zu beobachten, das gelänge ja gut, auch bei vier Proben ginge das noch. Was aber, wenn am Ende Proben in 96 kleinen Bioreaktoren oder hunderte, gar tausende in miniaturisierten Kultivierungen arbeiten, wie behält man da noch die Übersicht? Eben dank des fleißigen korrekten Helfers, der dann ab und an auch eine kleine Streicheleinheit bekomme. „Die Daten auswerten, das müsst Ihr aber schon selber“, erklärt sie dem Publikum.

Vortrag mit Tiefkühlhähnchen

Wie das wissenschaftliche Sprungbrett funktioniert, ob sich physikalisch erklären lässt, wie gut die Schwingungen sind und ob der Sprung vom Brett glückt, das will Thilo Liebscher in seinem Kurzreferat erklären. Mit witzigen Motiven, einem Verweis auf die „Sendung mit der Maus“ und Honig findet auch der Netzwerkmanager des Netzwerks „Polymertechnik für die angewandte Medizintechnik“ der TH amüsante Erklärungen.

Nicht zum ersten Mal spricht dann Roberto Lisker über sein Lieblings- weil Forschungsthema: die Tesla-Turbine. „Der Vortrag ist nicht vegan!“, warnt er vorab. Denn hier kommt das eingangs erwähnte Tiefkühlhühnchen ins Spiel. Ein solches nämlich, er zeigt es im Film, wurde mal für ein Experiment in eine Turbine hineingeschossen. Um zu sehen, wie gefährlich Vögel sein können, die in Flugzeugturbinen hineingeraten. Irgendwie geht es auch noch um einlagiges Klopapier, Luftballons und Ziegelsteine. Kräftige Lacher sind ihm sicher.

Gelungene Zutatenliste führt zum Erfolg

Die erntet bald auch Patrick Steglich, der über „Ringbahn mit Lichtgeschwindigkeit – Optische Ringresonatoren für die Datenübertragung und Sensorik“ spricht. Er habe es nicht ganz so einfach, denn er sei ja Photoniker, sagt er zu Beginn, zitiert im selben Atemzug seinen Professor Sigurd Schrader und den Fußballer Lukas Podolski, lästert liebevoll über Brandenburg und schafft es mit seinem trockenen Humor mehrmals, das Publikum aus der Reserve zu locken.

Eine gelungene Zutatenliste also und es ist für die Besucher keine leichte Aufgabe, unter den strengen Blicken und aufmerksamen Ohren einer Jury mit Klatschen den Gewinner zu ermitteln. Ein Fanclub sei nicht schlecht, sagte Roberto Lisker vor dem Science Slam. Karolin Keil hat auf jeden Fall einen dabei, denn das muntere Trillerpfeifenkonzert gilt vor allem ihr. Sie und Patrick Steglich müssen sich am Ende einer Stichwahl stellen. Souverän gemeistert haben die Herausforderung alle und sie empfehlen sich damit für eine weitere Auflage des TH-Science-Slams. Patrick Steglich muss auf jeden Fall noch mal ran. Nicht nur, um seinen Sieg zu verteidigen. Er bleibt nämlich auch noch eine Antwort schuldig, was denn seine kleine Tochter und Snoopy mit seinem Thema zu tun hätten. „Beim nächsten Mal, oder?“, verspricht er.

Die Wissenschaftswoche

Seit 2012 findet regelmäßig im März die Wil-dauer Wissenschaftswoche mit verschiedenen Symposien und Konferenzen statt.

Zum ersten Mal in Wildau dabei ist die Konferenz „Angewandte Automatisierungstechnik in Lehre und Entwicklung“, bei der am heutigen Freitag unter anderem noch eine Podiumsdiskussion geplant ist.

Eine Anwenderwerkstatt zum Thema „Unterbrechungsfreie Stromversorgung mit Brennstoffzellensystemen – Marktreife erreicht?“ ist am 6. März.

Das Symposium des Netzwerks „Schützen und Veredeln von Oberflächen“ findet am 7. März zum bereits sechsten Mal statt.

Beim 2. Automobil-Symposium Wildau am 9. März geht es um den digitalen Wandel und die Herausforderungen für die Automotive-Branche.

Am 10. März findet das 6. Wildauer Energiesymposium „Energiewende – Strom, Wärme, Verkehr & Co.“ statt.

Bis 10. März ist im Foyer der Halle 17 eine Ausstellung zu sehen, in der über TH-Forschungsprojekte informiert wird.

Die Meisten halten es für eine hestarten. Die bietet noch bis 10. März zahlreiche Symposien und Fachkonferenzen. „Ein komprimiertes Format, um zu zeigen, woran wir arbeiten“, sagt Ralf Vandenhouten und lädt Interessierte ein, Veranstaltungen zu besuchen.

Einen Nachteil allerdings hat der Eröffnungstermin der Wissenschaftswoche für eine Veranstaltung wie den Science Slam: Noch sind Semesterferien, die meisten Studierenden sind ausgeflogen. Insofern ist der Science Slam zwar gut besucht, aber vor allem durch TH-Mitarbeiter, Gäste der anstehenden Konferenzen und Vertreter der umliegenden Gemeinden sowie interessierte Besucher aus der Region. Während der regulären Vorlesungszeit aber wäre das Audimax wohl so richtig proppevoll gewesen.

Von Karen Grunow

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