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Vorfreude auf den neuen Roboter-Mitarbeiter

Einsatz in Stadtbibliothek Wildau Vorfreude auf den neuen Roboter-Mitarbeiter

Die Wildauer Stadtbibliothek plant den Einsatz eines humanoiden Leseroboters. Der Gewinn des Innovationspreises für Bibliotheken in Berlin und Brandenburg ermöglicht Anschaffung. Er ist mit 10.000 Euro dotiert.

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Einer der humanoiden Roboter, die an der TH Wildau für die Bibliotheksarbeit ausgebildet werden.

Quelle: Karen Grunow

Wildau. Es gibt in der Wildauer Stadtbibliothek eine Ecke, die noch etwas unscheinbar daherkommt, auf die die Bibliothekare aber große Hoffnungen setzen. Sie liegt abseits der Matte mit den Plüschtieren für die Kleinen und auch etwas entfernt von den Sitzsäcken und der Couch, wo die größeren Kinder gerne herumlümmeln und Bücher durchblättern. Noch ist das Fleckchen wenig beachtet. Gut möglich aber, dass in wenigen Monaten schon die größeren Kinder keine Lust mehr haben, auf der Couch herumzulümmeln und die kleineren sich nicht mehr mit den Plüschtieren abgeben möchten, dass sie dann alle nur noch in die neue Leseecke wollen, weil sie dort vom neuen Star der Bibliothek mit aufmunternden Worten empfangen werden: einem humanoiden Leseroboter.

Der Leseroboter ist eine neue Idee aus der Wildauer Stadtbibliothek, mit der die Bibliothekare auf Anhieb die Berlin-Brandenburgische Stiftung Bibliotheks-Forschung begeistert haben. Dort zeichnete man die Wildauer kürzlich mit dem ersten Innovationspreis für Bibliotheken in Berlin und Brandenburg aus. Dafür gibt es ein stattliches Preisgeld, 10 000 Euro, mit denen die Wildauer ihren neuen digitalen Mitarbeiter anschaffen und anlernen werden.

Entwicklung der Technischen Hochschule

Praktisch ist, dass die Bezugsquelle gleich nebenan ist. Die Roboter, die die Bibliothekare im Auge haben, sind eine Entwicklung der Technischen Hochschule Wildau. Nicht die Technik selbst natürlich. Die Maschine heißt „Pepper“, sie wurde 2014 vom japanischen Telekom-Konzern SoftBank vorgestellt und ist inzwischen weltweit im Einsatz. Der als „emotional und menschlich“ beworbene Roboter hat eine große Stärke: die Kommunikation. Er benutzt 20 Sprachen, kann auf Gestik und Mimik seines Gegenübers reagieren und verrichtet bereits erfolgreich Dienste als Haushaltshelfer, Verkaufsberater oder Service-Roboter in Hotels.

An der TH wurde der Roboter für die Arbeit in der Studentenbibliothek spezialisiert, wo er demnächst in Betrieb gehen soll. Das putzige Maschinchen, das auf den Namen Wilma hört, sieht aus wie eine fröhliche Miniversionen des Star-Wars-Roboters C-3PO und wird Bibliotheksnutzern im Alltag zur Hand gehen. Er wird sie etwa zu Büchern geleiten. Außerdem soll er beim Scannen und beim Drucken helfen. Voraussichtlich ab November wird mit Hilfe von Wilma die TH-Bibliothek rund um die Uhr geöffnet sein.

Roboter soll Kinder zum Lesen animieren

In der Stadtbibliothek hat man mit dem Roboter etwas andere Pläne. „Wir haben uns den Roboter in der TH anschauen können und gesagt, warum soll der nur in der Hochschule eingesetzt werden? Wir können ihn genauso gut für unsere kleineren Gäste nutzen“, sagt Bibliothekarin Kerstin Nielsen. Dafür müsse der Roboter nur etwas anders programmiert werden.

Das Siegerkonzept sieht nun vor, dass der Roboter mit der Online-Plattform Antolin verbunden wird. Das ist eine Internetseite, die Kinder und Jugendliche zum Lesen animieren soll. Dort werden Bücher vorgestellt und bewertet, man kann Literatur nach Stichwörtern suchen und sich auch Nachrichten anzeigen lassen. Das Portal bietet außerdem Quizfragen, mit denen abgeprüft werden kann, ob die Kinder die Bücher auch verstanden haben. Diese Aufgabe könnte künftig der Bibliotheksroboter übernehmen, sagt Kerstin Nielsen. Außerdem soll er die Kinder zum Lesen animieren und sie für gute Leistungen loben. „Das ist sicher kein Ersatz für einen menschlichen Zuhörer“, so Nielsen. „Wir sehen es eher als neuen Anreiz. Kinder fahren nun mal auf Technik ab. Das kann man doch zur Leseförderung nutzen.“

Im Laufe des kommenden Jahre soll der Roboter kommen

Weil die Bibliotheksmitarbeiter mit dem Preis gar nicht gerechnet haben, gibt es auch noch keinen Zeitplan für die Einführung des Roboters. „Wir müssen erst einmal mit der TH in Kontakt treten und alles besprechen“, sagt Kerstin Nielsen. Immerhin handelt es sich nicht um Stangenware. Selbst die TH hat bislang nur zwei Modelle im Einsatz. Aber im Laufe des kommenden Jahres soll der Leseroboter auf jeden Fall seine Arbeit aufnehmen.

Wer ihn dann wie und wann nutzen darf, darüber wird man sich auch noch Gedanken machen müssen. „Wir gehen davon aus, dass man mit der Technik etwas vorsichtig sein muss, und dass der Geräuschpegel auch nicht so hoch sein darf, wenn Kind und Roboter interagieren sollen“, so Kerstin Nielsen.

Von Oliver Fischer

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