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Dahme-Spreewald „Keinen Beweis für Brandstiftung“
Lokales Dahme-Spreewald „Keinen Beweis für Brandstiftung“
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05:47 02.11.2018
Zweimal hat es in diesem Jahr auf dem ehemaligen Schießplatz in Jüterbog gebrannt. Insgesamt waren allein dort mehr als 500 Hektar betroffen. Quelle: Uwe Klemens
Dahmeland-Fläming

Raimund Engel, Waldbrandschutzbeauftragter des Landes Brandenburg, hat in der Forstbehörde eigentlich noch andere Aufgaben. Im Dürresommer 2018 war er aber fast nur mit Waldbränden befasst. Eine Bilanz.

Herr Engel, wann war Ihnen klar, dass diese Waldbrandsaison extremer ausfallen könnte als die vorherigen?

Raimund Engel: Das hat sich früh abgezeichnet. Schon der Winter war sehr trocken. Landesweit den ersten Waldbrand hatten wir am 4. März, danach folgten gleich weitere. Das setzte sich dann bis Mai fort. Ende Mai habe ich mir eine Woche Urlaub gegönnt, und ausgerechnet da wurde es extrem heiß. Es gab allein in dieser Woche 50 Waldbrände. Damit hatten wir die Gesamtzahl von 2017 schon übertroffen, und es hatte noch immer nicht geregnet. Da war klar, dass wir uns noch auf einiges gefasst machen können.

Wenn man sich die Verteilung der Waldbrände anschaut, fällt eine gewisse Konzentration auf Dahme-Spreewald und Teltow-Fläming auf. Woran liegt das?

Die beiden Landkreise gehören immer zu den Regionen, in denen es oft brennt, egal ob es sich um ein trockenes oder ein feuchtes Jahr handelt. Brandenburg ist das Bundesland mit dem höchsten Waldbrandrisiko. Die beiden Landkreise aber sind innerhalb Brandenburgs noch einmal höher eingestuft. Das liegt unter anderem am Klima, an den Bodenverhältnissen, am Baumbestand und der Munitionsbelastung. Diese Situation wird immer so sein, aber sie verschärft sich. In diesem Jahr hatten wir 140 Tagen mit mittlerer bis sehr hoher Waldbrandgefahr. Das ist sehr viel.

Auffallend in der Waldbrandbilanz des Landes ist die riesige betroffene Fläche. Insgesamt waren mehr als 1650 Hektar betroffen, fast dreimal so viel wie im Extremsommer 2003.

Auffallend ist aber auch, dass die zehn größten Brände zusammen schon 1433 Hektar ausgemacht haben. Sechs mal davon brannte es auf ehemaligen Truppenübungsplätzen, drei mal in anderweitig munitionsbelasteten Wäldern. Weil die Feuerwehr dort nicht auf die Flächen kommt, ist die Gefahr um ein Vielfaches höher, dass die Brände groß werden. Und die meisten dieser Großbrände gab es tatsächlich in Dahme-Spreewald und Teltow-Fläming.

Können Sie Zahlen nennen?

In Dahme-Spreewald hatten wir in diesem Jahr 64 Brände mit einer Gesamtfläche von 324 Hektar. Davon gehen alleine 306 Hektar auf die Lieberoser Heide. In Teltow-Fläming gab es 80 Waldbrände mit 595 Hektar Gesamtfläche. Der Großteil davon am Jüterboger Keilberg. Damit kann man sagen: 30 Prozent aller brandenburgischen Waldbrände sind in Dahme-Spreewald oder Teltow-Fläming ausgebrochen. Und sogar zwei Drittel der betroffenen Waldfläche liegt allein in diesen beiden Landkreisen.

Was wissen Sie über Brandursachen?

Landesweit gehen etwa 18 Prozent der Waldbrände auf Brandstiftung zurück, sieben Prozent auf Blitzschlag, drei Prozent auf Fahrlässigkeit. Diese Ursachen werden aber nur dann ausgewiesen, wenn sie zweifelsfrei feststehen. Bei knapp der Hälfte der Waldbrände ist die Brandursache deshalb offiziell unbekannt.

Und die großen Brände in der Lieberoser Heide und in Jüterbog?

Unbekannt. Wenn Sie mich persönlich fragen, ist es schon auffällig, wie die Brände verteilt waren und dass sie teilweise nach einem bestimmten Muster ausgebrochen sind. Aber wir können keinen Beweis für Brandstiftung antreten.

Welche Lehren ziehen Sie aus dieser Saison?

Wir haben gesehen, dass wir in beiden Landkreisen sehr gute und motivierte Feuerwehren haben, die über sehr gute Kenntnisse verfügen, Waldbrände zu bekämpfen. Stellenweise ist die technische Ausrüstung noch verbesserungswürdig. Wenn die Gemeinde das selbst nicht leisten kann, muss vielleicht das Land einspringen. Mehr Sorge bereitet mir die Zahl der Feuerwehrleute. Die ist nicht so üppig, wie ich mir das wünschen würde.

Sie sagten, dass besonders die munitionsbelasteten Flächen ein Problem sind. Gibt es Bewegung bei der Frage der Entmunitionierung?

Die gesamten Flächen lassen sich nicht beräumen. Aber wir müssen zumindest Wege instand setzen, und die müssen dann auch entmunitioniert werden. Dafür sind die Bedingungen derzeit sehr gut. Die EU fördert Wegebau aktuell zu 100 Prozent, Löschwasserentnahmestellen ebenfalls. Das ist eine einmalige Chance für Waldbesitzer. Viele wissen das gar nicht. Wir müssen deshalb die Waldbesitzer mehr beraten.

Das Land hat weitere Änderungen angekündigt. Unter anderem sollen weniger Forststellen gestrichen werden als ursprünglich geplant. Ist das für Sie eine gute Nachricht.

Ich freue mich über 36 Stellen mehr für den vorbeugenden Brandschutz. 18 davon wollen wir künftig in den Waldbrandfrüherkennungs-Zentralen in Wünsdorf und Eberswalde einsetzen. Bisher werden dafür Mitarbeiter aus der Waldarbeit eingesetzt. Wenn eine Grundmannschaft diese Arbeit ständig macht, ist das natürlich besser. Wir werden aber auch in die technische Ausstattung der Früherkennungszentralen investieren.

Inwiefern?

Es gibt neue Software, auch die Computertechnologie und die Kameras werden ausgetauscht. Erfreulicherweise haben wir gerade einen Fördermittelbescheid bekommen. Damit können wir jetzt loslegen. Das wird nicht ganz günstig, aber wenn wir es so schaffen, Brände kleiner zu halten, ist das das Wichtigste.

Von Oliver Fischer

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