Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / 1 ° Regenschauer

Navigation:
Wechselvolle Geschichte

Forsthaus in Hammer Wechselvolle Geschichte

Mehr als 50 Jahre lang war der Märkisch Buchholzer Martin Krüger, in den Forstbetrieben und Wäldern der Region tätig, zum Teil als Leiter der Oberförsterei Hammer. Jetzt befasst er sich mit der Geschichte des alten Forsthauses, das vor wenigen Jahren saniert wurde.

Voriger Artikel
Russland-Sanktionen trifft die Region
Nächster Artikel
Radler fährt 84-Jährigen um

Der ehemalige Leiter der Oberförsterei Hammer, Martin Krüger, befasst sich mit der Geschichte des Forsthauses.

Quelle: Uta Schmidt

Hammer. Wenn am Freitagabend der mehrfach preisgekrönte und oscarnominierte Dokumentarfilm „Gasland“ von Josh Fox über die Auswirkungen unkonventioneller Gasförderung im „Waldkino“ des Forsthauses Hammer über die Leinwand flimmert und damit einen großen Bogen zu den Wäldern, den Büros von Gaskonzernen sowie Umweltschützern in den USA spannt, dann wird auch das markante Forsthaus an der Bundesstraße wieder die Aufmerksamkeit der Besucher auf sich ziehen. Dass es sich lohnt, sich mit der wechselvollen Geschichte des alten Forstgebäudes zu beschäftigen, davon ist der ehemalige Leiter der Oberförsterei, Martin Krüger, überzeugt. Über 50 Jahre war der Märkisch Buchholzer Waidmann in den Forstbetrieben und Wäldern der Region tätig, davon 20 Jahre als Leiter des Reviers Buchholz. „Das Revier breitet sich über 1515 Hektar von Halbe bis Dahme aus. Wir bewirtschaften hier den Boden der Eiszeit“, sagt Krüger über die Aufgaben der Forstleute. Er selbst liebe die ausgedehnten, herben Kiefernwälder mit dem großen Wildbestand. Grund genug, sich intensiv der Jahrhunderte langen Historie der Oberförsterei Hammer und seines Forsthauses zu widmen: „Der Namensursprung ist nicht bekannt. Möglich, dass hier im frühen Mittelalter ein Dorf mit einer Schmiede stand, die dem Ort den Namen gab“, sagt Krüger.

Fest stehe indes, dass der Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. 1717 die Herrschaft Teupitz und Buchholz von den Schenken von Landsberg auf Teupitz und auf Buchholz erwarb. 1843, nach dem Tod von Sohn August Wilhelm, ging die Herrschaft Königs Wusterhausen in die Verwaltung der Hofkammer der königlichen Familiengüter zurück. „Hammer bestand bis in die 1860er Jahre komplett aus Fachwerkgebäuden, die zumeist mit Schilfrohr gedeckt waren und die mehreren Familien Platz boten“, so Krüger. 1881 wurde in der Oberförsterei durch Kaiser Wilhelm I. die erste Hofjagd durchgeführt. 1883 und 1886 kam der junge Kronprinz und spätere Kaiser Wilhelm II. nach Hammer zur Pirsch auf Damwild und später zu den Hofjagden: Das aufwendig umgebaute Gebäude mit sieben Zimmern im Parterre diente sowohl dem Forstmeister und seiner Familie als Wohnung als auch dem Kaiser und seinem Gefolge. Die vier Zimmer im Obergeschoss waren dem Kaiser und seinen Flügeladjutanten vorbehalten. Im Souterrain gab es Mamsell-, Mädchen- und Leutestuben sowie eine Küche mit Speiselift, Räucherkammer und Waschküche mit einem Fang für Regenwasser und eine Wasserleitung – so belegen es die Dokumente.

Als Martin Krüger 1965 nach Märkisch Buchholz zog, begegneten ihm allerorten die Hinterlassenschaften der Kesselschlacht von Halbe. „Das Oberförstereigebäude diente Ende April dem Stab der eingeschlossenen 9. Armee und Teilen der 4. Panzerarmee unter dem Oberbefehl des Generals der Infanterie Theodor Busse. Von hier aus wurde am Nachmittag des 28. April der Durchbruchsplan aus dem Kessel beschlossen. Um die Oberförsterei herum wurden die letzten Tigerpanzer aufgetankt, man sammelte sich und es ging den Forstmeisterweg entlang in Richtung Halbe. Es waren etwa 40 000 Mann, die am Durchbruch beteiligt waren“, so recherchierte Krüger. Auf dem Gelände der Oberförsterei sei ein Verbandsplatz für deutsche Soldaten eingerichtet worden. Die Verwundeten hätten in den Wohnhäusern, in den Ställen und Scheunen, aber auch im Wildkeller vor der Oberförsterei gelegen. Der Verbandsplatz sei später nach Aussagen von Zeitzeugen von der Roten Armee übernommen worden. „Als am 1. Mai 1945 alle Kampfhandlungen beendet waren, muss es im und um das Oberförstereigebäude fürchterlich ausgesehen haben. Bis vor der Grundsanierung waren an den Außenwänden des Gebäudes die Löcher der Einschläge von Infanteriegeschossen vorhanden“, so der ehemalige Revierleiter.

Bis 2004 war das Gebäude Dienstsitz der Oberförsterei Hammer. Danach wurde die Verwaltung nach Kleinwasserburg verlegt. Seit 2007 ist das sanierte Forstgebäude Dienstsitz der Forstverwaltung der Oberförsterei Hammer im Amt für Forstwirtschaft Wünsdorf des Landes Brandenburg. Seitdem nutzen immer mehr Besucher – wie etwa zur traditionellen Wald-Weihnacht im Advent – sowie Liebhaber von Wildbret die Einrichtung zum Kaufen und Schauen. Das Waldkino-Projekt ist eine Kooperation des Landesbetriebs Forst Brandenburg mit dem Künstler Wolfgang Georgsdorf. Alle Filme haben einen direkten oder indirekten Bezug zum Wald und der nachhaltigen Umgang mit der Natur und ihren Ressourcen. Der Film „Gasland“ zeigt die Auswirkungen des Fracking auf die Umwelt. Der Eintritt ist kostenfrei.

Von Uta Schmidt

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Dahme-Spreewald

Wie wichtig sind Ihnen Bio-Lebensmittel?

57811e88-cc1d-11e5-9fb5-3858ea6ed044
Babys aus Oberhavel (6)

Babys aus Oberhavel, Januar/Februar 2016

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg