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Weissagungen in der Drei-Raum-Wohnung

Schönefeld (Dahme-Spreewald) Weissagungen in der Drei-Raum-Wohnung

Ist die Freundin treu? Wie geht es im Job weiter? Solche Fragen stellen fremde Menschen Petra Aurich aus Schönefeld regelmäßig, denn die 47-Jährige arbeitet als Wahrsagerin. Pendel, Tarot und Glaskugel gehören zu ihrem Handwerkszeug. Das mag irrwitzig klingen, aber mit der Wahrsagerei ernährt Aurich ihre Familie. Auf Zweifler reagiert sie pragmatisch.

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Aurich ist offen gegenüber allen Religionen, neben dem Nazar-Amulett aus dem arabischem Raum finden sich bei ihr auch Engel und Buddhas.

Schönefeld. Das Tor zum verborgenen Wissen über die Zukunft, es steht in einer Schönefelder Drei-Raum-Wohnung. Denn dort lebt und arbeitet Petra Aurich. Unter dem Künstlernamen Angel ist sie seit fast zwei Jahrzehnten eine feste Größe in der deutschen Wahrsager-Szene. Die mag für Außenstehende und Skeptiker bisweilen unübersichtlich bis absurd wirken, für Petra Aurich und ihre Kunden aber ist sie ernstzunehmende Lebenshilfe. „Mein Leben, meine Liebe, mein Hobby, mein Beruf“, sagt Aurich.

Dabei war es zunächst Petra Aurich selbst, die Hilfe brauchte. Als 19-Jährige brachte die gebürtige Berlinerin eine Tochter zur Welt, doch das Mädchen war schwer krank und verstarb im Kindesalter. Ein schwerer Schicksalsschlag für die Mutter. Sie habe sich der Esoterik zugewandt, um diesen Verlust überwinden zu lernen, sagt Aurich.

Aus Petra Aurich wurde Angel, die Wahrsagerin

Dann, eines Tages, sei sie aufgewacht und habe gewusst, dass sie als Wahrsagerin arbeiten wolle. „Die dachten alle, ich drehe durch“, erinnert sich Petra Aurich 17 Jahre später. „Aber ich hatte das Gefühl, da ist einfach etwas.“ Auf dieses Gefühl ist sie eingegangen. „Dann habe ich gemerkt, dass es stimmt, denn über die Karten kamen Sachen, die einfach nicht sein konnten.“ An ebendiesem Tag ging Petra Aurich schnurstracks in ein Esoterikgeschäft und kaufte sich ein Buch für zehn Mark. „Es war, als seien das meine Stützräder, denn die Talente waren ja einfach da.“

Aus Petra Aurich wurde Angel, die Wahrsagerin. Pendeln, Tarot, Heilen, Glaskugel – Angel hat eine ganze Reihe von übersinnlichen Talenten. „Es passieren Dinge, von denen ich weiß, dass sie kommen“, sagt Petra Aurich. Das mag schwer zu glauben sein. Aber Aurich bietet Referenzen: Sie hat eine Reihe prominenter Kunden, vor allem aus dem Schlager-Metier, aufzubieten, einige haben sie mit Autogrammkarten bedacht – allerdings Petra, nicht Angel. Einst erkannte sie vor allen anderen, dass zwei Mitglieder einer Musikgruppe ein Paar seien, die Schwingungen hätten es ihr verraten, sagt Aurich. Und einmal habe sie sogar – versehentlich zwar, aber inhaltlich korrekt – eine bis dato unbekannte Promi-Schwangerschaft öffentlich gemacht.

Persönliche Gespräche in einem goldgetünchten Arbeitszimmer

Aurich weiß genau, dass solche Aussagen und auch sie selbst von der Mehrheit der Bevölkerung belächelt werden. Sie ist weder weltfremd noch verschwurbelt. Doch sie ist sicher, ihren Kunden – oder Schützlingen, wie Aurich die zahlende Klientel lieber nennt – zu helfen. Den Grund dafür sieht die 47-Jährige auch in der gesamtgesellschaftlichen Entwicklung. „Die Menschen hören einander oft nicht mehr zu“, sagt Aurich, „auch Freunde wollen die selben Probleme nicht zum fünften Mal durchkauen.“ Ihr hingegen könnten die Kunden alles so oft erzählen, wie sie wollten. Sie höre immer zu.

Kein Wunder, mag mancher einwerfen, die von Petra Aurich betriebene Eso-Hotline kostet ja auch ein bis zwei Euro pro Minute, je nach Leistungsumfang. Bei diesem Thema wird aus Angel wieder Aurich, die erfolgreiche Geschäftsfrau, die mit ihrer Arbeit die Familie ernährt: „Werbung, Miete, Weiterbildungen, Sozialabgaben, Providergebühren – das kostet alles Geld.“ Neben der telefonischen Beratung bietet sie auch persönliche Gespräche in ihrem goldgetünchten Arbeitszimmer in Schönefeld an.

Inzwischen kommen mehr Männer als Frauen

Anfangs wäre die Kundschaft zu 80 Prozent weiblich gewesen, inzwischen seien es mehr Männer, die sich an eine Wahrsagerin wandten, sagt Aurich. „Das alles beherrschende Thema ist und bleibt die Liebe“, sagt Petra Aurich. Zusammengefasst ginge es um „wird’s was, bleibt’s was, war’s das“. Doch Aurich beobachtet, dass Frauen sich viel mehr für Karrierefragen interessierten als vor 15 Jahren. Sie sieht sich als Impulsgeberin. „Meine Schützlinge sind oft festgefahren in ihrem Leben und sehen den Weg nicht, der vor ihnen liegt.“ Dann versuche sie, mögliche Alternativen und deren Folgen aufzuzeigen.

Also nichts mit Wahrsagerei? Ist Petra Aurichs Geschäft eigentlich das bloße Zuhören? Aurich sagt, sie könne ihre hellsichtigen Talente nicht gezielt ansteuern. Als sie eine Klangschale zur Hand nimmt, scheint es dann aber zu passieren. Eine erkennbare Gänsehaut überkommt sie, Aurich fallen Dinge zur Zukunft ein, auch den Charakter des Gesprächspartners und dessen Wesen offenbart ihr die Schale.

Zweifeln begegnet Angel pragmatisch

Neben den der Zukunft zugewandten Praktiken betätigt sich Aurich in der Quantenheilung. Diese wissenschaftlich nicht anerkannte Methode verspricht „Harmonie in gesundheitlichen, finanziellen und partnerschaftlichen Angelegenheiten“ – es klingt wie die medizinische eierlegende Wollmilchsau, damit durchaus dubios. Solchen Zweifeln begegnet Petra Aurich pragmatisch. „Wer heilt, hat recht“, sagt sie. Für Aurich und ihre Kunden steht fest, wer das ist.

Von Saskia Kirf

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