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Weiter auf Erfolgskurs

Wolziger Unternehmen Seramun Weiter auf Erfolgskurs

Die im Bereich der medizinischen Diagnostik tätige Wolziger Firma Seramun will ihren seit der Gründung 1992 erfolgreichen Wachstumskurs fortsetzen. In den nächsten fünf Jahren soll sich die Anzahl der Mitarbeiter von derzeit 50 auf 75 erhöhen. Dazu bedarf es aber eines neuen Produktionsgebäudes. Baurechtlich bestehen aber einige Hürden.

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Ein Blick auf das Firmengelände der Seramun Diagnostica im Heideseer Ortsteil Wolzig, das auf dem Gelände eines ehemaligen Altenheimes entstand.

Quelle: Franziska Mohr

Wolzig. Angesichts weltweit agierender Pharmakonzerne und ihrer Lobby klingt die derzeit in Wolzig geschriebene Erfolgsgeschichte der Seramun Diagnostica GmbH beinahe wie ein Märchen. Ein Unternehmen auf ununterbrochenem Expansionskurs, und dies im weltweit hart umkämpften Diagnostikmarkt. „Die Anzahl unserer Mitarbeiter soll in den nächsten fünf Jahren von derzeit 50 auf 75 steigen“, sagt Renate Fischer, die gemeinsam mit Silvia Porstmann ab Januar die Geschäftsführung von Firmengründer Tomas Porstmann übernommen hat.

Firmengründer Tomas Porstmann übergibt die Geschäftsführung an Silvia Porstmann (l) und Renate Fischer

Firmengründer Tomas Porstmann übergibt die Geschäftsführung an Silvia Porstmann (l.) und Renate Fischer.

Quelle: Seramun

Der heute 68-Jährige war bis kurz nach der Wende an der Berliner Charité tätig, ehe er 1992 das neue Unternehmen in einem nur 17 Quadratmeter großen Schuppen in Dolgenbrodt gründete. Der Wissenschaftler verwandelte ihn kurzerhand in ein Labor und begann medizinische Tests zu entwickeln. Er hatte schon in den 80er Jahren an Herzinfarkt- sowie den ersten Aids-Tests in der DDR mitgewirkt. Um die Jahrtausendwende kaufte Porstmann auf der Suche nach einem neuen Firmensitz ein 25 000 Quadratmeter großes Gelände in Wolzig. Handwerker bauten das marode, unter Denkmalschutz stehende Gebäude, das Ende der 20er Jahre für auswanderungswillige jüdische Jugendliche als Schule diente, in Labore und Büros um. Die Firma ließ sich dies, unterstützt durch Fördergelder, mehr als drei Millionen Euro kosten. Schon 2005 entwickelten dort Mediziner, Biologen und Chemiker über 70 verschiedene Diagnostiktests, die nicht nur in Europa, sondern auch in China und Indien verkauft werden. Auch mit Schnelltests bei Magen-Darm-Erkrankungen oder Borreliose-Checks nach Zeckenbissen ließ das Unternehmen nicht zuletzt auf der Medizinmesse „Medica“ die Fachwelt aufhorchen.

Firmengeschichte

1992 gründet der bis dato an der Charité in Berlin tätige Tomas Porstmann in Dolgenbrodt die Seramun Diagnostica GmbH.

1994 erfolgten die ersten Entwicklungen von Immunoassays und Antikörperproduktionen.

Von 2001 bis Oktober 2003 ließ das Unternehmen das ehemalige, denkmalgeschützte Altenheim in Wolzig in ein Labor- und Verwaltungsgebäude mit 2000 Quadratmeter Nutzfläche umbauen. Im Dezember 2003 wurde die Produktion in den Laboren in Wolzig mit 16 Mitarbeitern aufgenommen.

2012 stellte Seramun auf der Medica in Düsseldorf als Weltneuheit unter dem Markennamen Seraspot eine mikrotiterplatten-basierte automatisierbare Multiplextechnologie zur Diagnostik von Infektions- und Autoimmunerkrankungen vor.

2016 hat die Firma 50 Mitarbeiter und realisiert einen Umsatz von über fünf Millionen Euro bei einer Eigenkapitalquote von über 90 Prozent.

Nach fünf Jahren intensiver Forschung brachte das Unternehmen jetzt unter dem Label „Seraspot“ ein microfeldbasiertes, hocheffizientes Diagnostikverfahren auf den Markt, bei dem eine Probe auf mehrere Krankheiten gleichzeitig untersucht werden kann. „Die Konkurrenz schläft nicht. Daher müssen wir unsere Kapazitäten so schnell wie möglich erweitern“, sagt Tomas Porstmann. Vorgesehen ist der Bau eines knapp sechs Millionen Euro teuren Gebäudes mit einer Gesamtnutzfläche von 3000 Quadratmetern, in dem auch ein neues Kühllager für die Reagenzien sowie die Reinraum-Technik für die multiplexe Nanotechnologie Platz finden. Auf dem Firmengelände ist ein solcher Bau allerdings nicht ganz einfach, weil nur 11 000 Quadratmeter im Innenbereich liegen. Der Anbau eines Kühllagers ist daher 2014 aufgrund eines fehlenden Bebauungsplanes gescheitert. „Wir fürchten, dass die Planungshürden einschließlich eines Flächennutzungsplanes (FNP) so hoch gesetzt werden, dass unser Erfolgskurs in Wolzig jäh gestoppt wird“, sagt Torsten Porstmann.

Das aber sehen die Planer Rainer Krüger von der IKW Ingenieurbüro Bindow sowie Holger Görlitz von der Dubrow GmbH anders. „Die alten, auf dem Firmengelände befindlichen Ruinen sollen abgerissen werden. Die Chancen, dort Baurecht zu erhalten, stehen gut“, sagt Krüger. Allerdings geht dies nur über einen B-Plan, weil ein Teil der Fläche im Außenbereich liegt. Auch bezüglich des FNP sieht Görlitz keine Bedenken.

Der Vize-Chef der Unteren Bauaufsicht, Ingo Handschick, sagt, dass der Landkreis Dahme-Spreewald im Rahmen der Gesetze nichts unversucht lassen wird, das Unternehmen zu unterstützen. „So einen Betrieb will niemand plattmachen“, sagt er. „Allerdings haben wir das Unternehmen schon vor mehr als drei Jahren darauf hingewiesen, dass Erweiterungen nur über ein B-Planverfahren möglich sind.“ Hier würden auch Ausgleichsmaßnahmen geprüft. Zudem müsse sich das neue Gebäude in das Ensemble einfügen. Auch der Heideseer Bürgermeister Siegbert Nimtz (parteilos) sagt jede erdenkliche Unterstützung zu: „Für uns ist dieses Unternehmen eine Perle.“ Laut Bauexperten könnte bei zügigem Planverfahren im Frühjahr 2017 mit dem Bau begonnen werden.

Von Franziska Mohr

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