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Wendezeit der Energie

Zossen Wendezeit der Energie

Die Energiewende schreitet voran und soll mit erneuerbaren Energien die zukünftige Stromversorgung gestalten. Im Zossener Ortsteil Kallinchen arbeitet die „Energiequelle GmbH“ seit 20 Jahren daran, die fossile Stromerzeugung durch alternative Möglichkeiten abzulösen.

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Seit 20 Jahren im Geschäft mit erneuerbaren Energien: Michael Raschemann, Geschäftsführer der Energiequelle GmbH in Kallinchen.

Quelle: Christina Koormann

Zossen. Die Landschaft rund um Kallinchen ist schön, findet Michael Raschemann. Sie ist geprägt von Wald, Wasser, Feldern – und Windrädern. Aber nur einige Kilometer weiter, in der Lausitz, bestimmt der Braunkohleabbau noch immer das Landschaftsbild. „Auch Windmühlen verändern das Umfeld, aber Wind ist eine Ressource, die nicht aufgebraucht wird, sondern immer wiederkommt – und nicht den nachfolgenden Generationen zur Last fällt“, sagt Raschemann.

Mit erneuerbaren Energien kennt sich der Geschäftsführer der Energiequelle GmbH, die ihren Hauptsitz in Kallinchen hat, gut aus. Vor mehr als 20 Jahren erkannte der heute 46-Jährige den Wert und die zunehmende Bedeutung von alternativen Energiequellen und war damit seiner Zeit voraus. „Vom Küchentisch aus“ legte Michael Raschemann 1994 den Grundstein für sein Unternehmen, das Ende Oktober sein 20-jähriges Bestehen feierte.

Eine „Ost-West-Ehe“ legte den Grundstein für die Firma

„Ich war Anfang der 1990er Jahre Student und habe Bauingenieurswesen an der Fachhochschule in Potsdam studiert“, sagt Raschemann. Das Wirtschaftsministerium Brandenburg gewährte ihm 30 Prozent Zuschuss für sein Vorhaben, vier Windräder aufzustellen. Über einen Vertrieb in Güstrow kam der Kontakt zu einer Bank aus dem Westen zustande, die die restliche Finanzierung übernahm. „Der Bänker Joachim Uecker war von meiner Idee überzeugt“, sagt Raschemann.

Mit den Windmühlen ging er 1995 ans Netz – zwei Jahre später gründete er gemeinsam mit seiner Frau Doreen und Joachim Uecker die Firma „Energiequelle GmbH“, die mit dem Hauptsitz in Kallinchen und einer Dependance in Bremen als „Ost-West-Ehe“ an den Start ging.

„Wir haben mehr richtig als falsch gemacht“, sagt Michael Raschemann rückblickend. Seit 1997 hat das Unternehmen europaweit über 750 Anlagen entwickelt. Dazu zählen Windenergie- und Biogasanlagen, Solarkraftwerke sowie Umspannwerke und moderne Speicheranlagen. Mit mittlerweile mehr als 200 Mitarbeitern und elf Standorten in Deutschland, Frankreich und Finnland ist die „Energiequelle GmbH“ stetig gewachsen und zählt heute zu den Branchenführern.

Errichtung des ersten energieautarken Dorfes Deutschlands

„Wir wollen Energiewende machen und den Wechsel von fossiler zu erneuerbarer Stromerzeugung mitprägen“, sagt Raschemann, der aus dem heute zu Bestensee gehörenden Ortsteil Pätz stammt. „Es ist uns ein ganz wichtiges Anliegen, verlässlich und langfristig zur Verfügung zu stehen und unterstützend den Weg hin zu erneuerbaren Energien zu beschreiten.“

Diesen Weg hat die Firma vor Jahren erfolgreich eingeschlagen und mit der Planung des ersten energieautarken Dorfes Deutschlands im Jahr 2009 einen Meilenstein in der Geschichte des Unternehmens gelegt. Die Einwohner von Feldheim (Treuenbrietzen) haben gemeinsam mit der Firma ein innovatives Energiekonzept auf die Beine gestellt und versorgen sich zu 100 Prozent selbst. Für die Stromerzeugung errichtete die „Energiequelle GmbH“ zwischen 1994 und 2005 einen Windpark mit 43 Windkraftanlagen und einer installierten Leistung von 74,1 Megawatt.

Jährlich kommen viele tausend Besucher dorthin, etwa 50 Prozent aus dem Ausland. „Auch die Frau des japanischen Premierministers Abe, der ein Verfechter der Atomkraft ist, hat sich dort schon über erneuerbare Energien informiert“, sagt Raschemann. Hier kann man sehen, wie die Energiewende im Konkreten funktioniert – und wie es auch anderswo funktionieren könnte.

„Der Fläming ist eine gute Windregion“

„Unsere Arbeit ist vergleichbar mit der in einem Architekturbüro“, erklärt Raschemann. „Als Komplettanbieter erstreckt sich unsere Arbeit von der Findung von Flächen über die Projektierung und Genehmigung von Standorten, die Errichtung der Windenergieanlagen, der Betriebsführung bis hin zum Rückbau und dem Repowering der Projekte.“

Der Standort in Kallinchen soll in den kommenden Jahren noch weiter ausgebaut werden, der Betrieb soll „organisch wachsen“. „Der Fläming ist eine gute Windregion, durch die freien Landstriche kann sich der Wind besser entfalten“, sagt Raschemann. Zwischen Jüterbog und Dahme stünden bereits über 100 Windmühlen. Für Proteste von Bürgerinitiativen habe er ein offenes Ohr, doch manchmal sei es schwierig, sich mit subjektiven Argumenten auseinanderzusetzen.

„Die Sachlichkeit der Argumentation ist schwer, aber man muss versuchen, für die gegenseitige Sicht Verständnis aufzubauen – wir haben gemerkt, dass dazu manchmal ein langer Atem nötig ist“, sagt Raschemann. Was das Klima angehe, habe die Versorgungsplanung mit erneuerbaren Energien die Unterstützung der Bundes-, Landes- und Regionalpolitik.

„Irgendwann können wir nicht mehr reparieren, was wir alles kaputt gemacht haben – Deutschland und Frankreich haben bisher zu wenig getan, um die selbstgesteckten Klimaziele zu erreichen“, sagt Raschemann. Deutschland müsse sich weiter dem Thema der erneuerbaren Energien öffnen, und dafür seien die Rahmenbedingungen heute viel besser als noch vor zehn Jahren. „Ich bin davon überzeugt, dass es der richtige Weg ist“, so Raschemann.

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Von Christina Koormann

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