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Wenig Flüchtlinge in Ausbildung

Dahmeland-Fläming Wenig Flüchtlinge in Ausbildung

Wirtschaftsexperten witterten in der Flüchtlingskrise eine große Chance für den regionalen Arbeitsmarkt, auf dem seit Jahren Fachkräfte fehlen: Die Ausbildung und berufliche Integration von Flüchtlingen. Doch noch betrifft das vor allem Einzelfälle. Grund sind vor allem fehlende Sprachkenntnisse.

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Tederos Derbesay ist Flüchtling aus Eritrea und macht eine Ausbildung bei Die Tech in Wildau als Anlagenmechaniker für Sanitär, Heizung und Klimatechnik.

Quelle: Oliver Fischer

Dahmeland-Fläming. Die drei jungen Männer mit den Vornamen Mologeta, Million und Tederos waren vor genau einem Jahr eine Besonderheit in der Region Dahmeland-Fläming. Damals besuchte die MAZ die drei Geflüchteten aus Eritrea in ihrem Ausbildungsbetrieb Die Tech in Wildau und berichtete darüber, wie sie sich in ihren Berufsausbildungen als Fliesenleger, Haustechniker und Anlagenmechaniker für Sanitär, Heizung und Klimatechnik zurechtfinden.

Zu diesem Zeitpunkt, im Sommer 2016, hieß es von Seiten der Arbeitsagenturen und Kammern noch, es sei zu früh dafür, dass Geschichten wie die der drei jungen Eritreer von der Besonderheit zum Massenphänomen werden. Das könne erst mit fortschreitenden Sprachkenntnissen realisiert werden – womöglich schon in diesem Sommer. Doch jetzt zeigt sich: Es gibt zwar mehr Flüchtlinge als 2016, die in regionalen Betrieben eine Ausbildung absolvieren werden – dennoch bleiben sie Einzelfälle.

Fachkräftemangel in der Region

Die Firma Die Tech ist ein mittelständischer Handwerksbetrieb für Elektroanlagen und Heizungen. Eine Branche, in der hierzulande viele Betriebe schon seit Jahren mit akutem Fachkräftemangel zu kämpfen haben: Überall fehlen ausgebildete Fachkräfte und potenzielle Auszubildende. Büromitarbeiterin Marina Belli nennt es daher ein Glück, dass Die Tech die drei jungen Eritreer eingestellt hat, die mittlerweile erfolgreich ins nächste Ausbildungsjahr übergegangen sind.

Denn: Jedes Jahr bleiben in der Region dutzende Lehrstellen unbesetzt – sowohl im Handwerk als auch in der Industrie. Für das bald startende Ausbildungsjahr sind noch rund 1200 Stellen in Teltow-Fläming und Dahme-Spreewald offen.

Erst vier Ausbildungsverträge für 2017

Als die Flüchtlingskrise einsetzte, und im Herbst 2015 tausende Menschen Asyl in der Region suchten, witterten Wirtschaftsexperten eine Chance für heimische Betriebe. Die Flüchtlinge, zum Teil bereits in ihrer Heimat gut ausgebildet, könnten das Loch der fehlenden Fachkräfte zumindest zu einem gewissen Prozentsatz stopfen. Arbeitsagenturen, Handwerks- und Industrie- und Handelskammern sowie verschiedene Träger initiierten Förderprogramme zur beruflichen Integration von Geflüchteten.

Laut den Arbeitsagenturen in Potsdam und Cottbus sind aktuell erst vier Ausbildungsverträge für das bald beginnende Ausbildungsjahr unterschrieben – die genaue Zahl stehe jedoch erst ab September zur Verfügung.

Sprache ist größte Barriere

Anja Wierik, Sprecherin der Arbeitsagentur Cottbus, rechnet damit, dass es eine Steigerung im Vergleich zum vergangenen Jahr geben wird. „Die Betriebe sind Flüchtlingen gegenüber grundsätzlich sehr offen eingestellt“, sagt sie. Doch fehlende oder mangelhafte Sprachkenntnisse seien immer noch das größte Handicap in der Vermittlungsgeschichte. „Und dann müssen auch noch die Interessen der Flüchtlinge und die angebotenen Stellen zusammenpassen.“

Das Problem mit der Sprache kennt Mike Jessen aus der Praxis. Er ist beim Zentrum für Aus- und Weiterbildung Ludwigsfelde-Luckenwalde (ZAL) für das Programm „Perspektive für Flüchtlinge“ (Perf) zuständig. Eine zwölf Wochen laufende Weiterbildung, in der Flüchtlinge vier Wochen im Unterricht auf das Arbeitsleben in Deutschland vorbereitet werden, ein sechswöchiges Praktikum absolvieren und noch zwei Wochen Bewerbungstraining haben. „Wir merken, dass viele Flüchtlinge nicht das Sprachniveau haben, das ihnen manche Bescheinigungen zertifizieren“, sagt Jesse.

Betriebe grundsätzlich offen eingestellt

Die Arbeitgeber könnten wenig mit Leuten anfangen, die noch nicht einmal die einfachsten Fragen verstehen. „Für eine erfolgreiche Integration in den Arbeitsmarkt müssen sie so gut Deutsch sprechen, dass sie auch Sicherheitsanweisungen verstehen“, erklärt Jesse. Deshalb könne das ZAL häufig noch nicht einmal jeden Flüchtling in das sechswöchige Praktikum vermitteln. „Von den Betrieben ist das ja nicht böse gemeint.“

Von den Sprachproblemen berichtet auch Jens Warnken, Geschäftsführer des Wildauer Unternehmens Airkom Druckluft GmbH. „Wir sind sehr offen für Flüchtlinge in Ausbildung“, sagt er. „Wenn wir denn diejenigen finden würden, die genügend Deutsch sprechen, um dem Unterricht in der Berufsschule zu folgen.“ Er habe bei zwei spanischen Auszubildenden in einer Airkom-Tochterfirma beobachtet, wie essenziell und schwierig das ist. „Das Sprachniveau muss vor der Ausbildung da sein“, sagt Warnken. „Das läuft in anderen Ländern besser, in Deutschland haben wir viel Zeit verloren.“

Für die Zukunft ist Arbeitsagentur-Sprecherin Anja Wierik optimistisch. „Die Situation wird sich von Jahr zu Jahr verbessern“, sagt sie. „Vor allem junge Flüchtlinge, die hier noch zur Schule gehen konnten und so das System kennenlernen, bieten ein großes Potenzial.“

Korrigiert:
In einer früheren Version des Artikels wurde Jens Warnken als Geschäftsführer der Airkom Anlagenbau und Service GmbH bezeichnet. Er ist aber Geschäftsführer der Airkom Druckluft GmbH, Geschäftsführer der Airkom Anlagenbau und Service GmbH ist Wassilios Gioros. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

Von Anja Meyer

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